[London] 13. März 1865
Lieber Engels,
Mit der Geldrechnung irrst Du Dich sofern, als Du mir am 8. Juni £ 235, Anfang Juli £ 350 (das Datum steht nicht auf dem Brief, worin das Geld war, ich sehe es aber aus einem Brief vom 5. Juli, worin seine Sendung angekündigt wird) und am 9. Nov. 1864 200 £ schicktest, dagegen die letzten in Rechnung gebrachten £ 40 als eventuell ankündigtest (in dem einliegenden Brief vom 9. Nov.), aber nie geschickt hast. Ich hoffe, daß Du Dich durch abermalige Einsicht Deiner Bücher überzeugen und in diesem Fall das Geld mir umgehend schicken wirst, vor meiner Abreise nach dem Kontinent (mit meiner niece1), die wohl Ende dieser Woche stattfindet.
Was die Schweitzer Frechheit betrifft, so habe ich mich aus derselben entschlossen. Es gibt gewisse Dinge, die man gern dem Publikum gegenüber aufklärt, aber nur so tun kann als Antwort auf direkte Provokation, wo man also die opportune time of a reply2 nicht passieren lassen darf. Und dies ist der Fall mit der Blindschem Dreck verquickten Randnote des Schweitzer. Ich will in der „Düsseldorfer Zeitung“ antworten, zwar für uns beide, aber nur in meinem Namen zeichnen, weil es lächerlich wäre, Dich mitverantwortlich zu machen für den „Achilles“, und überhaupt hauptsächlich (nur nach meinem Plan) des S[chweitzer] Briefe an mich zitiert werden.
Mein Plan also der:
Schweitzer druckt die ihm als Lügen bewußten Lügen der „N[euen] F[rank]furter Z[eitung]“ ab. (Ist der Artikel in dem Blatt als Redaktionsartikel oder wie?) Nämlich: 1., der uns zugesandte und „als Manuskript gedruckte Prospektus“ enthielt weder den Namen Lassalles noch ein Wort von Lassalle. (Liebknecht hatte das verhindert.) 2. Wegen der Schamlosigkeit, Stelle aus Privatbriefen seiner Lobhudelei vor- und nachzuhängen, bittet S[chweitzer] demütigst bei mir ab in Zettel vom 30. Dez. 3. Ich werde durch kurze Auszüge aus Schweitzers Briefen vom 30. Dez. 64 bis 15. Febr. 65 (seinem letzten Brief) zeigen, daß der Konflikt mit der „Taktik“ von der ersten Probennummer3 bis zu unsrer Austrittserklärung4 permanent war, keineswegs plötzlich vom Zaun gebrochen, wie Ehren-Schweitzer, die Blindschleife bestätigend, vorgibt. Es wird dies kurze Mosaik aus Schweitzerschen Briefexzerpten zugleich zeigen, wie servil dasselbe Vieh uns gegenüber, der plötzlich, nach erhaltenem Fußtritt, gemein wird. Dies heilsam zu lesen für Bürger und Arbeiter (und für Rüstow). Überhaupt gute Einleitung zu dem Buch mit „Lassallianismus“, der doch unzweideutig kömmt. (Natürlich, dem Studiosus Blind gegenüber, sollte der Molch wieder come out5, werde ich immer den Lassalle als einen toten Löwen gegenüber einem lebendigen Esel behandeln. Es ist unanständig, daß ein „so ungelernter“ badensischer Wirt mit einem Manne, der Heraklit und römisches Erbrecht trieb, überhaupt sich auf eine Stufe stellt.)
Schreib umgehend, ob Du meinen Plan billigst, da ich keine Zeit zu verlieren. (Auch vergiß nicht zu schreiben, in welcher Form die Blind’sche Seiche in der „N[euen] F[rank]furter Z[eitung]“ erschien.) Ich halt’s für nötig.
Obgleich ich nicht das Vergnügen habe wie Du, mit Gescheit6 zu korrespondieren, aber auch den Gescheit nicht bescheißen zu können, so bin ich doch in der letzten Zeit, abgesehen von der Fortdauer der furuncles, höllisch harassed7, kam z.B. gestern Nacht erst um 4 Uhr morgens zu Bett. Neben meiner Arbeit an dem Buche8 nimmt die International Association ganz enorm viel Zeit weg, da ich in fact das head9 der Geschichte bin. Und welcher Zeitverlust! (Jetzt grade, wo gleichzeitig die Geschichte mit den Franzosen, Wahlgeschichte hier usw.) Z.B. die Franzosensch...:
28. Febr. Tolain und Fribourg von Paris da. Sitzung des Central Council10, vor dem sie sich zu erklären und zu zanken mit Le Lubez bis 12 Uhr nachts. Dann Nachtsitzung in Bolleters Kneipe, wo ich etwa 200 Karten noch zu zeichnen hatte. (Ich habe jetzt diesen Blödsinn dahin verändern lassen, daß unsre Handschrift auf der Platte eingegraben und nur der General secretary handschriftlich zeichnet. Indes mußten die noch vorhandenen 1000 Karten, Rest of the old edition11, gezeichnet werden in the old style12.
4. März. Sitzung des subcomittees über die französische Frage bis 1 Uhr nachts.
6. März. Sitzung des subcomittees über ditto bis 1 Uhr nachts.
7. März. Sitting of the Central Council13 bis 12 Uhr nachts. Beschlußnahme. (Ich lege die Beschlüsse bei, neben der Privatinstruction, die der Central Council dem Schily schickt, der, wie Du aus Resolution V siehst, zum Delegate (Ambassador) des Central Council at14 Paris ernannt ist.)
(Diese Sitzung vom 7. März, worin Le Lubez ganz culbuté15, war sehr peinlich, stürmisch und machte speziell auf die Engländer den Eindruck, that the Frenchmen stand really in need of a Bonaparte16.) Dazwischen nun noch Hin- und Herlaufen der Leute zu mir wegen der letzten Sonnabend (11. März) gehaltenen Konferenz mit Bright etc. Über selbe kurz an Jones reportiert (er hatte bei mir Freitag darüber im voraus angefragt), ihn beauftragt, Dir den Brief mitzuteilen.
Well, mon cher, que faire?17 Man muß B sagen, sobald man A gesagt.
Aus einliegendem „Nordstern“ (see the 2 first leaders18) siehst Du, daß Bruhn, trotz seines Hasses gegen uns, aus Brotneid gleich angebissen hat gegen den Schweizer. Dies sehe sehr wichtig, da B[ruhn]s Blatt das ältere und jedenfalls so Zwiespalt im Lager der Kerls selbst hervorgerufen ist.
Diese Woche erscheint kurze Notiz über Deine Broschüre19 in Benders „Anzeiger“20. Dem „Hermann“ (Juch) habe ich sie geschickt: er solle seiner Ansicht gemäß darüber urteilen etc. Dies wird geschehen.21 Ich erwählte diese Form, weil ich bei Juch mich immer lustig über die von Blind für Blind über Blind dem „Herm.“ zugeschickten Inserate machte, und wir beide hier als eine Person gelten.
Salut.
Dein
K. M.