974 1865 ist dies Gesetz etwas verbessert worden. Man wird bald durch Erfahrung lernen, daß dergleichen Pfuscherei nichts hilft.

975 Zum Verständnis des folgenden: Close Villages (geschloßne Dörfer) heißen die, deren Grundeigentümer ein oder ein paar große Landlords; Open Villages (offne Dörfer) die, deren Boden vielen kleineren Eigentümern gehört. Es sind die letzteren Orte, wo Bauspekulanten Cottages und Logierhäuser errichten können.

976 Ein solches Schaudorf sieht sehr nett aus, aber es ist so unreal wie die Dörfer, welche Katharina II. auf der Reise nach der Krim sah. In der letzteren Zeit wird auch der Schafhirt häufig aus diesen show-villages verbannt. Z.B. bei Market Harborough ist eine Schäferei von ungefähr 500 Acres, die nur die Arbeit eines Mannes erheischt. Zur Verminderung der langen Märsche über diese weiten Flächen, die schönen Weiden von Leicester und Northampton, pflegte der Hirt eine Cottage auf der Meierei zu erhalten. Jetzt gibt man ihm einen dreizehnten Schilling für Logis, das er weitab in dem öffnen Dorf suchen muß.

977 »Die Häuser der Arbeiter« (in den offnen Ortschaften, die natürlich stets überfüllt sind) »sind gewöhnlich in Reihen gebaut, mit dem Rücken auf der äußersten Kante des Bodenfetzens, den der Bauspekulant sein nennt. Sie sind daher ohne Zutritt von Licht und Luft, außer von der Frontseite.« (Dr. Hunters Report, l.c. p. 135.) »Sehr oft ist der Bierwirt oder Krämer des Dorfs zugleich Hausvermieter. In diesem Fall findet der Landarbeiter in ihm einen zweiten Herrn neben dem Pächter. Er muß zugleich sein Kunde sein. Mit 10 sh. per Woche, minus einer Jährlichen Rente von 4 Pfd. St., ist er verpflichtet, sein modicum von Tee, Zucker, Mehl, Seife, Kerzen und Bier zu den vom Krämer beliebten Preisen zu kaufen.« (l.c. p. 132.) Diese offnen Dorfschaften bilden in der Tat die »Strafkolonien« des englischen Ackerbauproletariats. Viele der Cottages sind reine Logierhäuser, wo alles vagabundierende Gesindel der Umgegend durchpassiert. Der Landmann und seine Familie, die oft wahrhaft wunderbar in den schmutzigsten Verhältnissen Tüchtigkeit und Reinheit des Charakters bewahrt hatten, gehn hier platterdings zum Teufel. Es ist natürlich Mode unter den vornehmen Shylocks, über die Bauspekulanten und die kleinen Eigentümer und die offnen Orte pharisäisch die Achsel zu zucken. Sie wissen sehr wohl, daß ihre »geschloßnen Dörfer und Schaudörfer« die Geburtsstätten der »offnen Orte« sind und ohne dieselben nicht existieren könnten. »Ohne die kleinen Eigentümer der offnen Orte müßte der größte Teil der Landarbeiter unter den Bäumen der Güter schlafen, worauf sie arbeiten.« (l.c. p. 135.) Das System der »offnen« und »geschloßnen« Dörfer herrscht in allen Midlands und im ganzen Osten Englands.

978 »Der Hausvermieter« (der Pächter oder Landlord) »bereichert sich direkt oder indirekt durch die Arbeit eines Mannes, dem er 10 sh. per Woche zahlt, und zwackt dann wieder von diesem armen Teufel 4 oder 5 Pfd. St. jährliche Miete für Häuser ab, die keine 20 Pfd. St. auf offnem Marktwert sind, aber auf ihrem künstlichen Preis erhalten werden durch die Macht des Eigentümers, zu sagen: ›Nimm mein Haus oder pack dich und suche anderswo ein Unterkommen, ohne Arbeitszeugnis von mir‹... Wünscht ein Mann sich zu verbessern und als Schienenleger zu einer Eisenbahn zu gehn oder einem Steinbruch, wieder ist dieselbe Macht bereit mit einem: ›Arbeite für mich zu diesem niedrigen Arbeitslohn oder pack dich auf eine Woche Kündigung; nimm dein Schwein mit dir, wenn du eins hast, und schau zu, was du aus den Kartoffeln herausschlägst, die in deinem Garten wachsen.‹ Steht jedoch das Interesse nach der andren Seite, so zieht in solchen Fällen der Eigentümer« (resp. Pächter) »manchmal eine erhöhte Hausmiete vor als Strafe für die Desertion aus seinem Dienst.« (Dr. Hunter. l.c. p. 132.)

979 »Jungverheiratete Paare sind kein erbauliches Studium für erwachsne Brüder und Schwestern in derselben Schlafstube; und obgleich Beispiele nicht registriert werden dürfen, liegen hinreichende Data vor, um die Bemerkung zu rechtfertigen, daß großes Leid und oft der Tod das Los der weiblichen Teilnehmer am Verbrechen der Blutschande ist.« (Dr. Hunter, l.c. p. 137.) Ein ländlicher Polizeibeamter, der viele Jahre durch als Detektiv in den schlechtesten Vierteln von London funktioniert hatte, sagt von den Mädchen seines Dorfs aus: »Ihre grobe Immoralität im frühen Alter, ihre Frechheit und Schamlosigkeit habe ich niemals während meines Polizeilebens in den schlechtesten Teilen von London erreicht gesehn... Sie leben wie Schweine, große Jungen und Mädchen, Mütter und Väter, alles schläft zusammen in derselben Stube.« (»Child. Empl. Comm., Sixth Report«, Lond. 1867, Appendix, p. 77, n. 155.)

980 »Public Health. Seventh Report, 1864«, p. 9-14 passim.

981 »Pfaff und Edelmann scheinen verschworen, sie tot zu hetzen«

982 »Die gottgewollte Beschäftigung des Landarbeiters gibt selbst seiner Stellung Würde. Er ist kein Sklave, sondern ein Friedenssoldat und verdient seinen Platz in einer Wohnung, wie sie für den verheirateten Mann vom Landlord zur Verfügung gestellt werden muß, der für sich das Recht beansprucht hat, ihn zur Arbeit zu zwingen, ähnlich wie das Land dem militärischen Soldaten gegenüber verfährt. Er erhält ebensowenig den Marktpreis für seine Arbeit wie ein Soldat. Gleich dem Soldaten fängt man auch ihn, solange er jung und unwissend ist und nur seinen eignen Beruf und seinen eignen Wohnort kennt. Frühe Heirat und die Handhabung der verschiednen Niederlassungsgesetze wirken auf den einen wie die Anwerbung und das Militärstrafgesetz auf den andern.« (Dr. Hunter, l.c. p. 132.) Manchmal erweicht sich irgendein ausnahmsweis schwachherziger Landlord über die von ihm geschaffene Einöde. »Es ist ein melancholisch Ding, allein in seinem Land zu sein«, sagte der Graf von Leicester, als man ihm zum Fertigbau von Holkham gratulierte: »Ich schaue um mich und sehe kein Haus außer meinem eignen. Ich bin der Riese vom Riesenturm und habe alle meine Nachbarn aufgegessen.«

983 Ähnliche Bewegung seit den letzten Dezennien in Frankreich, im Maß, wie sich dort die kapitalistische Produktion der Agrikultur bemächtigt und die »überzählige« Landbevölkerung nach den Städten treibt. Ebenso hier verschlechterte Wohnlichkeits- und sonstige Verhältnisse an der Quelle der »Überzähligen«. Über das eigentümliche »Prolétariat foncier«, welches das Parzellensystem ausgebrütet hat, sieh u.a. die früher zitierte Schrift von Colins und Karl Marx, »Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte«, 2. Aufl., Hamburg 1869, p. 88 sqq. 1846 betrug die städtische Bevölkerung in Frankreich 24,42, die ländliche 75,58%, 1861 die städtische 28,86, die ländliche 71,14%. In den letzten 5 Jahren ist die Abnahme der ländlichen Prozentteile der Bevölkerung noch größer. Schon 1846 sang Pierre Dupont in seinen »Ouvriers«:

»Schlecht gekleidet, in Löchern wohnend,

unter den Dächern, im Schutt,

leben wir mit Eulen und Dieben,

Freunde des Dunkels.«

984 Der sechste und schließliche Report der Child. Empl. Comm., publiziert Ende März 1867, behandelt nur das agrikole Gangsystem.

985 »Child. Empl. Comm., VI. Report«, Evidence, p. 37, n. 173. – Fenland = Marschland.

986 Einzelne Gangmeister jedoch haben sich zu Pächtern von 500 Acres oder Besitzern ganzer Häuserreihen heraufgearbeitet.

987 »Die Hälfte der Mädchen von Ludford ist ruiniert worden durch den Gang.« (l.c., Appendix, p. 6, n. 32.)

988 »Das System hat sehr zugenommen in den letzten Jahren. In einigen Plätzen ist es erst seit kurzem eingeführt, in andren, wo es älter, werden mehr und jüngere Kinder in den Gang einrolliert.« (l.c. p. 79, n. 174.)

989 »Kleine Pächter wenden die Gangarbeit nicht an.« »Sie wird nicht angewandt auf armem Land, sondern auf Land, was 2 Pfd. St. bis 2 Pfd. St. 10 sh. Rente per Acre bringt.« (l.c. p. 17 u. 14.)

990 Einem dieser Herrn schmecken seine Renten so gut, daß er der Untersuchungskommission entrüstet erklärt, der ganze Schrei sei nur dem Namen des Systems geschuldet. Wenn man es statt »Gang« dahingegen »jugendliche industriell-agrikol-kooperative Selbsterhaltungsassoziation« taufe, so wäre alles all right.

991 »Gangarbeit ist wohlfeiler als andre Arbeit, das ist die Ursache, warum sie angewandt wird«, sagt ein ehemaliger Gangmeister. (l.c. p. 17, n. 14.) »Das Gangsystem ist entschieden das wohlfeilste für den Pächter und ebenso entschieden das verderblichste für die Kinder«, sagt ein Pächter. (l.c. p. 16, n.3.)

992 »Zweifelsohne vieles jetzt von den Kindern in Gängen verrichtete Werk wurde früher von Männern und Weibern verrichtet. Wo Weiber und Kinder angewandt werden, sind jetzt mehr Männer arbeitslos (more men are out of work) als früher.« (l.c. p. 43, n. 202.) Dagegen u.a.: »Die Arbeitsfrage (labour question) in vielen Agrikulturdistrikten, besonders den kornproduzierenden, wird so ernsthaft infolge der Auswanderung und der Leichtigkeit, welche die Eisenbahnen zur Entfernung nach den großen Städten bieten, daß ich« (das »Ich« ist das des Landagenten eines großen Herrn) »die Kinderdienste für absolut unentbehrlich halte.« (l.c. p. 80, n. 180.) The Labour Question (die Arbeitsfrage) bedeutet nämlich in den englischen Agrikulturdistrikten, im Unterschied von der übrigen zivilisiert en Welt, the landlords' and farmers' Question (Grundherren- und Pächterfrage): wie, trotz stets vermehrtem Abzug der Landleute, eine genügende »relative Übervölkerung« auf dem Land und dadurch das »Minimum des Arbeitslohns« für den Landarbeiter zu verewigen sei?

993 Der früher von mir zitierte »Public Health Report«, worin bei Gelegenheit der Kindersterblichkeit vorübergehend vom Gangsystem gehandelt wird, blieb der Presse und daher dem englischen Publikum unbekannt. Dagegen bot der letzte Bericht der »Child. Empl. Comm.« willkommenes »sensational« Preßfutter. Während die liberale Presse frug, wie doch die feinen Gentlemen und Ladies und Staatskirchpfründner, womit Lincolnshire schwärmt, ein solches System auf ihren Gütern, unter ihren Augen aufwachsen lassen konnten, Personagen, die eigne »Missionen zur Sittenverbesserung der Südseewilden« nach den Antipoden entsenden, stellte die feinere Presse ausschließlich Betrachtungen an über die rohe Verdorbenheit der Landleute, die fähig sind ihre Kinder in solche Sklaverei zu verkaufen! Unter den fluchwürdigen Umständen, worin »die Delikateren« den Landmann gebannt, wäre es erklärlich, wenn er seine eignen Kinder aufäße. Was wirklich wunderbar, ist die Charaktertüchtigkeit, die er großenteils bewahrt hat. Die offiziellen Berichterstatter beweisen, daß die Eltern selbst in den Gangdistrikten das Gangsystem verabscheuen. »Man findet reichlichen Beweis in den von uns gesammelten Zeugenaussagen, daß die Eltern in vielen Fällen dankbar sein würden für ein Zwangsgesetz, welches sie befähigen würde, den Versuchungen und dem Druck zu widerstehn, denen sie oft unterworfen sind. Bald treibt sie der Pfarreibeamte, bald der Anwender unter Androhung ihrer eignen Entlassung, die Kinder auf den Verdienst, statt in die Schule zu schicken... Alle verwüstete Zeit und Kraft, alles Leid, welches außerordentliche und nutzlose Ermüdung für den Landmann und seine Familie produziert, jeder Fall, worin die Eltern den moralischen Ruin ihres Kindes auf die Überfüllung der Cottages oder die besudelnden Einflüsse des Gangsystems zurückleiten, stacheln in der Brust der arbeitenden Armen Gefühle auf, die man wohl verstehn wird, und die es unnötig ist zu detaillieren. Sie haben ein Bewußtsein darüber, daß ihnen viel körperliche und geistige Qual angetan wird durch Umstände, wofür sie in keiner Weise verantwortlich sind, welchen sie, wäre es in ihrer Macht gewesen, niemals ihre Zustimmung gegeben hätten und wider welche anzukämpfen sie ohnmächtig sind.« (l.c. p. XX, n. 82 und XXIII, n. 96.)

994 Bevölkerung von Irland: 1801: 5319867 Personen, 1811: 6084996, 1821: 6869544, 1831: 7828347, 1841: 8222664.

995 Das Ergebnis würde sich ungünstiger stellen, wenn wir weiter zurückgingen. So Schafe 1865: 3688742, aber 1856: 3694294, Schweine 1865: 1299893, aber 1858: 1409883.

996 Die Angaben des Textes sind zusammengestellt aus dem Material der »Agricultural Statistics, Ireland. General Abstracts«, Dublin, für die Jahre 1860 sqq. und »Agricultural Statistics, Ireland. Tables showing the Estimated Average Produce etc.«, Dublin 1867. Man weiß, daß diese Statistik offiziell ist und dem Parlament jährlich vorgelegt wird.

Zusatz zur 2. Ausg. Die offizielle Statistik zeigt für das Jahr 1872 eine Abnahme im Areal des bebauten Bodens – verglichen mit 1871 – von 134915 acres. Es fand »Zunahme« statt im Anbau von Grünfrucht – Turnips, Mangoldwurzel u. dergl.; »Abnahme« im Areal des bebauten Bodens von 16000 acres für Weizen, 14000 acres für Hafer, 4000 acres für Gerste und Roggen, 66632 acres für Kartoffeln, 34667 acres für Flachs und 30000 acres weniger in Wiesen, Klee, Wicke und Rübsamen. Der unter Weizenkultur befindliche Boden zeigt für die letzten 5 Jahre folgende abnehmende Stufenleiter 1868-285000 acres; 1869 – 28000 acres; 1870 – 259000 acres; 1871 – 244000 acres. Für 1872 finden wir in runder Zahl eine Zunahme von 2600 Pferden, 80000 Hornvieh, 686000 Schafen und eine Abnahme von 236000 Schweinen.

997 »Tenth Report of the Commissioners of Inland Revenue«, Lond. 1866.

998 Das jährliche Gesamteinkommen unter Rubrik D weicht hier von der vorigen Tabelle ab, wegen gewisser gesetzlich zulässiger Abzüge.

999 Wenn das Produkt auch verhältnismäßig pro Acre abnimmt, vergesse man nicht, daß England seit 1½ Jahrhunderten den Boden von Irland indirekt exportiert hat, ohne seinen Bebauern auch nur die Mittel zum Ersatz der Bodenbestandteile zu gönnen.

1000 Da Irland als das gelobte Land des »Bevölkerungsprinzipes« angesehn wird, erließ Th. Sadler, vor der Veröffentlichung seines Werks über Bevölkerung, sein berühmtes Buch »Ireland, its Evils and their Remedies«, 2nd ed., London 1829, worin er durch Vergleichung der Statistik der einzelnen Provinzen, und in jeder Provinz der einzelnen Grafschaften, nachweist, daß das Elend dort herrscht nicht, wie Malthus will, im Verhältnis zur Bevölkerungszahl, sondern im umgekehrten Verhältnis zu ihr.

1001 Für die Zeit von 1851 bis 1874 belauft sich die Gesamtzahl der Auswanderer auf 2325922.

1002 Note z. 2. Ausg. Nach einer Tabelle in Murphys »Ireland, Industrial, Political, and Social«, 1870, bilden 94,6% des Bodens Pachten bis zu 100 acres und 5,4% Pachten über 100 acres.

1003 »Reports from the Poor Law Inspectors on the wages of Agricultural Labourers in Ireland«, Dublin 1870. – Vgl. auch »Agricultural Labourers (Ireland) Return etc.«, 8. March 1861.

1004 l.c. p. 29, 1.

1005 l.c. p. 12.

1006 l.c. p. 12.

1007 l.c. p. 25.

1008 l.c. p. 27.

1009 p. 26.

1010 p. 1.

1011 p. 32.

1012 p. 25.

1013 p. 30.

1014 p. 21, 13.

1015 »Reports of Insp. of Fact. for 31st Oct. 1866«, p. 96.

1016 Das Gesamtareal schließt auch »Torfmoor und wüstes Land« ein.

1017 Wie die Hungersnot und die von ihr herbeigeführten Umstände sowohl von den einzelnen Grundeigentümern als auch von der englischen Gesetzgebung planmäßig ausgebeutet wurden, um die Agrikulturrevolution gewaltsam durchzusetzen und die Bevölkerung Irlands auf das den Landlords zusagende Maß zu verdünnen, werde ich in Buch III dieser Schrift, im Abschnitt über das Grundeigentum, ausführlicher nachweisen. Ich komme daselbst auch zurück auf die Verhältnisse der kleinen Pächter und Landarbeiter. Hier nur ein Zitat. Nassau W. Senior sagt u.a. in seiner nachgelaßnen Schrift »Journals, Conversations and Essays relating to Ireland«, 2 vols., London 1868, v. II, p. 282: »Treffend bemerkte Dr. G., wir haben unser Armengesetz, und es ist ein großes Werkzeug, um den Landlords den Sieg zu geben; ein andres ist die Emigration. Kein Freund Irlands kann wünschen, daß der Krieg« (zwischen den Landlords und den kleinen keltischen Pächtern) »sich verlängere – noch weniger, daß er mit dem Sieg der Pächter ende... Je rascher er« (dieser Krieg) »vorüber, je rascher Irland ein Weideland (grazing country) wird mit der verhältnismäßig geringen Volkszahl, die ein Weideland erheischt, desto besser für alle Klassen.« Die englischen Korngesetze von 1815 sicherten Irland das Monopol der freien Korneinfuhr nach Großbritannien. Sie begünstigten also künstlich den Kornbau. Dies Monopol wurde 1846 mit Abschaffung der Korngesetze plötzlich beseitigt. Von allen ändern Umständen abgesehn, reicht dies Ereignis allein hin, der Verwandlung von irischem Ackerland in Viehweide, der Konzentration der Pachthöfe und der Vertreibung der Kleinbauern einen mächtigen Aufschwung zu geben. Nachdem man von 1815 bis 1846 die Fruchtbarkeit des irischen Bodens gerühmt und laut erklärt, er sei der von der Natur selbst zum Weizenbau bestimmte, entdecken von da an plötzlich die englischen Agronomen, Ökonomen, Politiker, daß ei zu nichts passe, als Grünfutter zu produzieren! Herr Léonce de Lavergne hat sich beeilt, dies jenseits des Kanals zu wiederholen. Es gehört ein »ernsthafter« Mann à la Lavergne dazu, sich von solchen Kindereien fangen zu lassen.

1018 In Italien, wo die kapitalistische Produktion sich am frühsten entwickelt, findet auch die Auflösung der Leibeigenschaftsverhältnisse am frühsten statt. Der Leibeigne wird hier emanzipiert, bevor er irgendein Recht der Verjährung an Grund und Boden gesichert hat. Seine Emanzipation verwandelt ihn also sofort in einen vogelfreien Proletarier, der überdem in den meist schon aus der Römerzeit überlieferten Städten die neuen Herren fertig vorfindet. Als die Revolution des Weltmarkts seit Ende des 15. Jahrhunderts die Handelssuprematie Norditaliens vernichtete, entstand eine Bewegung in umgekehrter Richtung. Die Arbeiter der Städte wurden massenweise aufs Land getrieben und gaben dort der nach Art des Gartenbaus getriebnen, kleinen Kultur einen nie gesehenen Aufschwung.

1019 »Die kleinen Grundeigentümer, die ihre eignen Felder mit eigner Hand bebauten und eines bescheidnen Wohlstands sich erfreuten,... bildeten damals einen weit wichtigeren Teil der Nation als jetzt... Nicht weniger als 160000 Grundeigentümer, die mit ihren Familien mehr als 1/7, der Gesamtbevölkerung ausgemacht haben müssen, lebten von der Bewirtschaftung ihrer kleinen Freehold Hufen« (Freehold ist vollfreies Eigentum). »Das Durchschnittseinkommen dieser kleinen Grundbesitzer... wird auf 60 bis 70 Pfd. St. geschätzt. Es wurde berechnet, daß die Zahl derer, die ihren eignen Grundbesitz bebauten, größer war als die der Pächter auf fremdem Boden.« (Macaulay, »Hist. of England«, 10th ed., London 1854, I, p. 333-334.) – Noch im letzten Drittel des 17. Jahrhundert waren 4/5 der englischen Volksmasse agrikol (l.c. p. 413). – Ich zitiere Macaulay, weil er als systematischer Geschichtsfälscher derartige Tatsachen möglichst »beschneidet«.

1020 Man muß nie vergessen, daß selbst der Leibeigne nicht nur Eigentümer, wenn auch tributpflichtiger Eigentümer, der zu seinem Haus gehörigen Bodenparzellen war, sondern auch Miteigentümer des Gemeindelandes. »Der Bauer ist dort« (in Schlesien) »Leibeigener.« Nichtsdestoweniger besitzen diese serfs Gemeindegüter. »Man konnte bisher die Schlesier noch nicht zur Teilung des Gemeindelandes veranlassen, während es in der Neumark kaum ein Dorf gibt, in dem diese Teilung nicht mit größtem Erfolg durchgeführt worden wäre.« (Mirabeau, »De la Monarchie Prussienne«, Londres 1788, t. II, p. 125, 126.)

1021 Japan, mit seiner rein feudalen Organisation des Grundeigentums und seiner entwickelten Kleinbauernwirtschaft, liefert ein viel treueres Bild des europäischen Mittelalters als unsre sämtlichen, meist von bürgerlichen Vorurteilen diktierten Geschichtsbücher. Es ist gar zu bequem, auf Kosten des Mittelalters »liberal« zu sein.

1022 In seiner »Utopia« spricht Thomas Morus von dem sonderbaren Land, wo »Schafe die Menschen auffressen«. (»Utopia«, transl. Robinson, ed. Arber, London 1869, p. 41.)

1023 Baco setzt den Zusammenhang zwischen einer freien wohlhabenden Bauerschaft und guter Infanterie auseinander. »Es war dies wundervoll wichtig für die Macht und Haltung des Königreichs, Pachtung zu haben von genügendem Maß, um tüchtige Männer außer Not zu halten, und einen großen Teil des Bodens des Königreichs festzubinden im Besitz der Yeomanry oder von Leuten mittlerer Lage zwischen Edelleuten und Häuslern (cottagers) und Bauernknechten... Denn es ist die allgemeine Meinung der kompetentesten Kriegskenner..., daß die Hauptstärke einer Armee in der Infanterie oder dem Fußvolk besteht. Aber um eine gute Infanterie zu bilden, braucht man Leute, die nicht in serviler oder dürftiger Weise, sondern frei und in einer gewissen Wohlhabenheit aufgewachsen sind. Wenn ein Staat daher allzumeist in Edelleute und feine Herren ausschlägt, während Landleute und Pflüger deren bloßes Arbeitsvolk oder Ackerknechte sind oder auch Häusler, d.h. behauste Bettler, mögt ihr eine gute Reiterei haben, aber niemals gutes standhaftes Fußvolk... Man sieht dies in Frankreich und Italien und einigen andren auswärtigen Gegenden, wo in der Tat alles Adel oder elende Bauerschaft... so sehr, daß sie gezwungen sind, Lohnbanden von Schweizern u. dgl. für ihre Infanteriebataillone anzuwenden: woher es auch kommt, daß diese Nationen viel Volk und wenig Soldaten haben.« (»The Reign of Henry VII etc. Verbatim Reprint from Kennet's England, ed. 1719«, Lond. 1870, p. 308.)

1024 Dr. Hunter, l.c. p. 134. – »Die Menge Land, die« (in den alten Gesetzen) »zugewiesen wurde, würde heute für zu groß gehalten werden für Arbeiter und eher als dazu geeignet, sie in kleine Pächter zu verwandeln.« (George Roberts, »The Social History of the People of the Southern Countles of England in past centuries«, Lond. 1856, p. 184.)

1025 »Das Recht der Armen, an den Kirchenzehnten beteiligt zu werden, ist durch alte Satzungen festgelegt.« (Tuckett, l.c., v. II, p. 804, 805.)

1026 William Cobbett, »A History of the Protestant Reformation«, § 471.

1027 Den protestantischen »Geist« ersieht man u.a. aus folgendem. Im Süden Englands steckten verschiedne Grundeigentümer und wohlhabende Pächter die Köpfe zusammen und setzten über die richtige Interpretation des Armengesetzes der Elisabeth 10 Fragen auf, welche sie einem berühmten Juristen jener Zeit, Sergeant Snigge (später Richter unter Jakob I.), zum Gutachten vorlegten. »Neunte Frage: Einige der reichen Pächter der Pfarrei haben einen klugen Plan ausgeheckt, wodurch alle Wirre in Ausübung des Akts beseitigt werden kann. Sie schlagen den Bau eines Gefängnisses in der Pfarrei vor. Jedem Armen, der sich nicht in vorbesagtes Gefängnis einsperren lassen will, soll die Unterstützung versagt werden. Es soll dann der Nachbarschaft Anzeige gemacht werden, daß, wenn irgendeine Person geneigt, die Armen dieser Pfarrei zu pachten, sie versiegelte Vorschläge eingeben soll, an einem bestimmten Tag, zum niedrigsten Preis, wozu sie selbe uns abnehmen will. Die Urheber dieses Plans unterstellen, daß es in den Nachbargrafschaften Personen gibt, die unwillig sind zu arbeiten, und ohne Vermögen oder Kredit, um eine Pacht oder ein Schiff zu erwerben, so daß sie ohne Arbeit leben könnten (so as to live without labour). Solche dürften geneigt sein, der Pfarrei sehr vorteilhafte Vorschläge zu machen. Sollten hier und da Arme unter des Kontraktors Obhut kaputt gehn, so wird die Sünde an seiner Tür liegen, da die Pfarrei ihre Pflichten gegen selbige Arme erfüllt hätte. Wir fürchten jedoch, daß der gegenwärtige Akt keine Klugheitsmaßregel (prudential measure) dieser Art erlaubt; aber Sie müssen wissen, daß der Rest der freeholders dieser Grafschaft und der anliegenden sich uns anschließen wird, um ihre Unterhausmitglieder zur Vorlage eines Gesetzes anzutreiben, welches Einsperrung und Zwangsarbeit der Armen gestattet, so daß jede Person, welche sich der Einsperrung widersetzt, zu keiner Unterstützung berechtigt sein soll. Dies, so hoffen wir, wird Personen im Elend abhalten, Unterstützung zu beanspruchen (will prevent persons in distress from wanting relief).« (R. Blakey, »The History of Political Literature from the earliest times«, Lond. 1855, v. II, p. 84, 85.) – In Schottland fand die Abschaffung der Leibeigenschaft Jahrhunderte später statt als in England. Noch 1698 erklärte Fletcher von Saltoun im schottischen Parlament: »Die Zahl der Bettler ist in Schottland auf nicht weniger als 200000 geschätzt. Das einzige Hilfsmittel, welches ich, ein Republikaner von Prinzip, vorschlagen kann, ist, den alten Zustand der Leibeigenschaft zu restaurieren und aus allen denen Sklaven zu machen, die unfähig sind, für ihre eigne Subsistenz zu sorgen.« So Eden, l.c., b. I, ch. I, p. 60, 61. – »Von der Freiheit der Ackerbauer datiert der Pauperismus... Manufakturen und Handel sind die wahren Eltern unsrer nationalen Armen.« Eden, wie jener schottische Republikaner von Prinzip, irrt nur darin, daß nicht die Aufhebung der Leibeigenschaft, sondern die Aufhebung des Eigentums des Ackerbauers an Grund und Boden ihn zum Proletarier, resp. Pauper machte. – Englands Armengesetzen entspricht in Frankreich, wo sich die Expropriation in andrer Weise vollzog, die Ordonnanz von Moulins, 1566, und das Edikt von 1656.

1028 Herr Rogers, obgleich damals Professor der politischen Ökonomie an der Universität zu Oxford, dem Stammsitz protestantischer Orthodoxie, betont in seiner Vorrede zur »History of Agriculture« die Pauperisierung der Volksmasse durch die Reformation.

1029 »A Letter to Sir T. C. Bunbury, Brt.: On the High Price of Provisions. By a Suffolk Gentleman«, Ipswich 1795, p. 4. Selbst der fanatische Verteidiger des großen Pachtwesens, der Verfasser [J. Arbuthnot] der »Inquiry into the Connection of large farms etc.«, Lond. 1773, p. 139, sagt: »Am meisten beklage ich den Verlust unserer Yeomanry, jener Schar von Männern, die in Wirklichkeit die Unabhängigkeit dieser Nation aufrechterhielten; und ich bedaure, ihre Ländereien jetzt in den Händen monopolisierender Lords an kleine Pächter verpachtet zu sehn, die ihre Pachten zu solchen Bedingungen halten, daß sie kaum mehr sind als Vasallen, die bei jeder mißlichen Gelegenheit einem Ruf Folge leisten müssen.«

1030 Über die Privatmoral dieses bürgerlichen Helden u.a.: »Die großen Zuwendungen von Ländereien an Lady Orkney in Irland im Jahre 1695 sind ein öffentlicher Beweis für die Zuneigung des Königs und den Einfluß der Lady... die köstlichen Dienste der Lady Orkney sollen bestanden haben in – foeda labiorum ministeria.« (In der Sloane Manuscript Collection, auf dem Britischen Museum, Nr. 4224. Das Manuskript ist betitelt: »The charakter and behaviour of King William, Sunderland etc. as represented in Original Letters to the Duke of Shrewsbury from Somers, Halifax, Oxford, Secretary Vernon etc.« Es ist voller Kuriosa.)

1031 »Die illegale Veräußerung der Krongüter, teils durch Verkauf und teils durch Schenkung, bildet ein skandalöses Kapitel in der englischen Geschichte... eine gigantische Prellerei der Nation (gigantic fraud on the nation).« (F. W. Newman, »Lectures on Political Econ.«, Lond. 1851, p. 129, 130.) – 〈Wie die heutigen englischen Großgrundbesitzer zu ihrem Besitz kamen, im einzelnen nachzusehn in [N. H. Evans,] »Our old Nobility. By Noblesse Oblige«, London 1879. – F. E.}

1032 Man lese z.B. E. Bures Pamphlet über das herzogliche Haus von Bedford, dessen Sprosse Lord John Russell, »the tomtit of liberalism«.

1033 »Die Pächter verbieten den cottagers (Häuslern), irgendeine lebendige Kreatur außer sich selbst zu erhalten, unter dem Vorwand, daß, wenn sie Vieh oder Geflügel hielten, sie von den Scheunen Futter stehlen würden. Sie sagen auch, haltet die Cottagers arm, und ihr haltet sie fleißig. Die wirkliche Tatsache aber ist, daß die Pächter so das ganze Recht an den Gemeindeländereien usurpieren.« (»A Political Enquiry into the Consequences of enclosing Waste Lands«, Lond. 1785, p. 75.)

1034 Eden, l.c., Preface, [p. XVII, XIX].

1035 »Capital farms.« (»Two Letters on the Flour Trade and the Dearness of Corn. By a Person in Business«, Lond. 1767, p. 19, 20.)

1036 »Merchant-farms.« (»An Inquiry into the Present High Prices of Provisions«, Lond. 1767, p. 111, Note.) Diese gute Schrift, die anonym erschien, verfaßt von dem Rev. Nathaniel Forster.

1037 Thomas Wright, »A short address to the Public on the Monopoly of large farms«, 1779, p. 2, 3.

1038 Rev. Addington, »Enquiry into the Reasons for or against enclosing open fields«, Lond. 1772, p. 37-43 passim.

1039 Dr. R. Price, l.c., v. II, p. 155, 156. Man lese Forster, Addington, Kent, Price and James Anderson und vergleiche das elende Sykophantengeschwätz MacCullochs in seinem Katalog, »The Literature of Political Economy«, Lond. 1845.

1040 l.c. p. 147, 148.

1041 l.c. p. 159, 160. Man erinnert sich an das alte Rom. »Die Reichen hatten sich des größten Teils der ungeteilten Ländereien bemächtigt. Sie vertrauten den Zeitumständen, daß sie ihnen nicht mehr abgenommen würden, und kauften daher die in ihrer Nähe gelegenen Stücke der Armen, zum Teil mit deren Willen, zum Teil nahmen sie sie ihnen mit Gewalt, so daß sie nur mehr weit ausgedehnte Domänen statt einzelner Felder bebauten. Sie gebrauchten dabei Sklaven zum Landbau und zur Viehzucht, weil ihnen freie Leute weg von der Arbeit zum Kriegsdienst genommen worden wären. Der Besitz von Sklaven brachte ihnen auch insofern großen Gewinn, als sich diese wegen ihrer Befreiung vom Kriegsdienst ungefährdet vermehren konnten und eine Menge Kinder bekamen. So zogen die Mächtigen durchaus allen Reichtum an sich, und die ganze Gegend wimmelte von Sklaven. Der Italer dagegen wurden immer weniger, aufgerieben wie sie waren durch Armut, Abgaben und Kriegsdienst, Traten aber auch Zeiten des Friedens ein, so waren sie zu vollkommner Untätigkeit verdammt, weil die Reichen im Besitze des Bodens waren, und statt freier Leute Sklaven zum Ackerbau brauchten.« (Appian, »Römische Bürgerkriege«, I, 7.) Diese Stelle bezieht sich auf die Zeit vor dem licinischen Gesetze. Der Kriegsdienst, der den Ruin der römischen Plebejer so sehr beschleunigte, war auch ein Hauptmittel, wodurch Karl der Große die Verwandlung freier deutscher Bauern in Hörige und Leibeigne treibhausmäßig förderte.

1042 [J. Arbuthnot,] »An Inquiry into the Connection between the present Prices of Provisions etc.«, p. 124, 129. Ähnlich, aber mit entgegengesetzter Tendenz: »Die Arbeiter werden von ihren Cottages vertrieben und gezwungen, in den Städten Beschäftigung zu suchen; – aber dann erhält man einen größeren Überschuß, und so wird das Kapital vermehrt.« ([R. B. Seeley,] »The Perils of the Nation«, 2nd ed., Lond. 1843, p. XIV.)

1043 »A king of England might as weil claim to drive bis subjects into the sea.« (F. W. Newman, l.c. p. 132.)

1044 Steuart sagt: »Die Rente dieser Länder« (er überträgt irrtümlich diese ökonomische Kategorie auf den Tribut der taksmen an den Clanchef) »ist durchaus unbedeutend im Vergleich zu ihrem Umfang, aber, was die Personenzahl betrifft, welche eine Pacht erhält, wird man vielleicht finden, daß ein Stück Boden in den Hochlanden von Schottland zehnmal mehr Leute ernährt, als Land von demselben Wert in den reichsten Provinzen.« (l.c., v. I, ch. XVI, p. 104.)

1045 James Anderson, »Observations on the means of exciting a spirit of National Industry etc.«, Edinburgh 1777.

1046 1860 wurden gewaltsam Expropriierte nach Kanada exportiert unter falschen Versprechungen. Einige flohen in die Berge und benachbarten Eilande. Sie wurden von Polizisten verfolgt, kamen zum Handgemenge mit ihnen und entkamen.

1047 »In den Hochlanden«, sagt Buchanan, der Kommentator A. Smiths, 1814, »wird der alte Eigentumszustand täglich gewaltsam umgewälzt... Der Landlord, ohne Rücksicht auf die Erbpächter« (auch dies ist hier irrig angewandte Kategorie) »bietet das Land dem höchsten Bieter an, und wenn dieser ein Verbesserer (improver) ist, führt er unmittelbar ein neues Kultursystem ein. Der Boden, früher übersät mit kleinen Bauern, war im Verhältnis zu seinem Produkt bevölkert; unter dem neuen System verbesserter Kultur und vermehrter Renten wird größtmöglichstes Produkt zu möglichst geringen Kosten erhalten, und zu diesem Behüte werden die nun nutzlos gewordenen Hände entfernt... Die Auswürflinge des Heimlands suchen Subsistenz in den Fabrikstädten usw.« (David Buchanan, »Observations on etc. A. Smith's Wealth of Nations«, Edinb. 1814, vol. IV, p. 144.) »Die schottischen Großen haben Familien expropriiert, wie sie Unkraut ausroden würden, sie haben Dorfschaften und ihre Bevölkerung behandelt, wie die Indier in ihrer Rache die Höhlen wilder Bestien... Der Mensch wird verschachert für ein Schafvlies oder eine Hammelkeule, ja für weniger... Bei dem Einfall in die Nordprovinzen Chinas schlug man im Mongolenrat vor, die Einwohner auszurotten und ihr Land in Weide zu verwandeln. Diesen Vorschlag haben viele hochschottische Landlords in ihrem eignen Land gegen ihre eignen Landsleute ausgeführt.« (George Ensor, »An Inquiry concerning the Population of Nations«, Lond. 1818, p. 215, 216.)

1048 Als die jetzige Herzogin von Sutherland die Mrs. Beecher-Stowe, Verfasserin von »Uncle Tom's Cabin«, mit großem Prunk in London empfing, um ihre Sympathie für die Negersklaven der amerikanischen Republik auszustellen – was sie, nebst ihren Mitaristokratinnen, wohlweise wahrend des Bürgerkriegs unterließ, wo jedes »noble« englische Herz für die Sklavenhalter schlug –, stellte ich in der »New-York Tribune« die Verhältnisse der Sutherlandschen Sklaven dar. (Stellenweis ausgezogen von Carey in »The Slave Trade«, Philadelphia 1853, p. 202, 203.) Mein Artikel ward in einem schottischen Blatt abgedruckt und rief eine artige Polemik zwischen letzterem und den Sykophanten der Sutherlands hervor.

1049 Interessantes über diesen Fischhandel findet man in Herrn David Urquharts »Portfolio, New Series«. – Nassau W. Senior kennzeichnet in seiner oben zitierten nachgelaßnen Schrift »die Prozedur in Sutherlandshire als eine der wohltätigsten Lichtungen (clearings) seit Menschengedenken«. (l.c. [p. 282].)

1050 Die »deer forests« (Wildwaldungen) von Schottland enthalten keinen einzigen Baum. Man treibt die Schafe weg und die Hirsche hin auf die nackten Berge und nennt das einen »deer forest«. Also nicht einmal Waldkultur!

1051 Robert Somers, »Letters from the Highlands; or, the Famine of 1857«, Lond. 1848, p. 12-28 passim. Diese Briefe erschienen ursprünglich in der »Times«. Die englischen Ökonomen erklärten natürlich die Hungersnot der Gaelen von 1847 aus ihrer – Übervölkerung. Jedenfalls »drückten« sie auf ihre Nahrungsmittel. – Das »Clearing of Estates« oder, wie es in Deutschland hieß, »Bauernlegen« machte sich hier besonders geltend nach dem Dreißigjährigen Krieg und rief noch 1790 in Kursachsen Bauernaufstände hervor. Es herrschte namentlich in Ostdeutschland. In den meisten Provinzen Preußens sicherte erst Friedrich II. den Bauern Eigentumsrecht. Nach der Eroberung Schlesiens zwang er die Grundherrn zur Wiederherstellung der Hütten, Scheunen usw., zur Ausstattung der Bauerngüter mit Vieh und Gerät. Er brauchte Soldaten für seine Armee und Steuerpflichtige für seinen Staatsschatz. Welches angenehme Leben übrigens der Bauer unter Friedrichs Finanzunwesen und Regierungsmischmasch von Despotismus, Bürokratie und Feudalismus führte, mag man aus folgender Stelle seines Bewunderers Mirabeau ersehn: »Der Flachs stellt also einen der größten Reichtümer des Bauern in Norddeutschland dar. Zum Unglück für das Menschengeschlecht ist das nur ein Hilfsmittel gegen das Elend und kein Weg zum Wohlstand. Die direkten Steuern, die Frondienste und Zwangsdienste aller Art richten den deutschen Bauern zugrunde, zumal er auch noch indirekte Steuern bei allem, was er kauft, mitbezahlen muß... und um seinen Ruin vollständig zu machen, wagt er seine Produkte nicht dort und so zu verkaufen, wie er will; er wagt auch nicht, das, was er braucht, bei den Kaufleuten zu erstehen, die es ihm zu billigerem Preis liefern könnten. Alle diese Ursachen ruinieren ihn langsam, aber sicher, und ohne die Spinnerei wäre er nicht imstande, die direkten Steuern am Verfalltage zu zahlen; sie bietet ihm eine Hilfsquelle, indem sie sein Weib, seine Kinder, seine Mägde, seine Knechte und ihn selbst nützlich beschäftigt. Doch trotz dieser Hilfsquelle, welch mühseliges Leben! Im Sommer arbeitet er wie ein Sträfling beim Pflügen und bei der Ernte; um 9 Uhr legt er sich schlafen und steht um 2 Uhr auf, um mit seinen Arbeiten fertig zu werden; im Winter müßte er seine Kräfte durch eine längere Ruhe auffrischen; aber es würde ihm das Korn für Brot und Aussaat fehlen, wenn er sich der Bodenfrüchte entledigt, die er verkaufen müßte, um die Steuern zu bezahlen. Um dies Loch zu stopfen, muß er daher spinnen... und zwar mit größter Beharrlichkeit. So geht denn der Bauer im Winter um Mitternacht oder ein Uhr zur Ruhe und steht um 5 oder 6 Uhr auf; oder aber er legt sich um 9 und steht um 2 Uhr auf und so alle Tage seines Lebens, abgesehen vom Sonntag. Dies Übermaß von Wachen und Arbeiten verbraucht den Menschen, und so kommt es, daß auf dem Lande Männer und Frauen viel früher altern als in der Stadt.« (Mirabeau, l.c., t. III, p. 212 sqq.)

Zusatz zur 2. Ausg. Im MärzA31 1866, 18 Jahre nach der Veröffentlichung der oben zitierten Schrift von Robert Somers, hielt Professor Leone Levi einen Vortrag in der Society of Arts über die Verwandlung der Schaftriften in Wildwaldungen, worin er den Fortschritt der Verwüstung in den schottischen Hochlanden schildert. Er sagt u.a.: »Entvölkerung und Verwandlung in bloße Schaftrift boten das bequemste Mittel zu einem Einkommen ohne Auslage... An der Stelle der Schaftrift ein deer forest wurde gewöhnlicher Wechsel in den Hochlanden. Die Schafe werden vertrieben durch wilde Tiere, wie man zuvor die Menschen vertrieb, um den Schafen Platz zu machen... Man kann marschieren von den Gütern des Grafen von Dalhoulse in Forfarshire bis zu John o'Groats, ohne je das Waldland zu verlassen. – In vielen« (dieser Waldungen) »sind der Fuchs, die wilde Katze, der Marder, der Iltis, das Wiesel und der Alpenhase eingebürgert; während das Kaninchen, das Eichhorn und die Ratte seit kurzem ihren Weg dahin gefunden haben. Ungeheure Landstriche, welche in der Statistik Schottlands als Weiden von ausnahmsweiser Fruchtbarkeit und Ausdehnung figurierten, sind jetzt von aller Kultur und Verbesserung ausgeschlossen und einzig dem Jagdpläsier weniger Personen – und dies dauert nur für eine kurze Periode während des Jahrs – gewidmet.«

Der Londoner »Economist« vom 2. Juni 1866 sagt: »Ein schottisches Blatt berichtet letzte Woche unter andren Neuigkeiten: ›Eine der besten Schafpachten in Sutherlandshire, wofür jüngst, beim Verfall des laufenden Pachtkontrakts, eine Jahresrente von 1200 Pfd. St. geboten ward, wird in einen deer forest verwandelt!‹ Die feudalen Instinkte betätigen sich... wie zur zeit, wo der normännische Erobrer... 36 Dorfschaften zerstörte, um den New Forest zu schaffen... Zwei Millionen Acres, welche einige der fruchtbarsten Ländereien Schottlands einbegreifen, sind ganz und gar wüst gelegt. Das natürliche Gras von Glen Tilt zählte zu den nahrhaftesten der Grafschaft Perth; der deer forest von Ben Aulder war der beste Grasgrund im weiten Distrikt von Badenoch; ein Teil des Black Mount forest war das vorzüglichste schottische Weideland für schwarzgesichtige Schafe. Von der Ausdehnung des für Jagdliebhaberei wüstgelegten Grund und Bodens mag man sich eine Vorstellung bilden aus der Tatsache, daß er einen viel größeren Flächenraum umfaßt als die ganze Grafschaft Perth. Den Verlust des Landes an Produktionsquellen infolge dieser gewaltsamen Verödung mag man daraus schätzen, daß der Boden des forest von Ben Aulder 15000 Schafe nähren konnte und daß er nur 1/30 des gesamten Jagdreviers von Schottland beträgt... All dies Jagdland ist durchaus unproduktiv... es hätte ebensowohl in die Fluten der Nordsee versenkt werden können. Solchen improvisierten Einöden oder Wüsten sollte die starke Hand der Gesetzgebung den Garaus machen.«

1052 Der Verfasser des »Essay on Trade etc.«, 1770, bemerkt: »Unter der Regierung Edwards VI. scheinen sich die Engländer in der Tat mit vollem Ernst auf Encouragierung der Manufakturen und Beschäftigung der Armen verlegt zu haben. Dies ersehn wir aus einem merkwürdigen Statut, worin es heißt, daß alle Vagabunden gebrandmarkt werden sollen« usw. (l.c. p. 5.)

1053 Thomas Morus sagt in seiner »Utopia« [p. 41, 42]: »So geschieht's, daß ein gieriger und unersättlicher Vielfraß, die wahre Pest seines Geburtslandes, Tausende von Acres Land zusammenpacken und innerhalb einer Umpfählung oder einer Hecke einzäunen, oder durch Gewalt und Unbill ihre Eigner so abhetzen kann, daß sie gezwungen sind, alles zu verkaufen. Durch ein Mittel oder das andre, es mag biegen oder brechen, werden sie genötigt fortzutrollen – arme, einfältige, elende Seelen! Männer, Weiber, Gatten, Frauen, vaterlose Kinder, Witwen, jammernde Mütter mit ihren Säuglingen und der ganze Haushalt, gering an Mitteln und zahlreich an Köpfen, da der Ackerbau vieler Hände bedurfte. Wegschleppen sie sich, sage ich, aus der bekannten und gewohnten Heimstätte, ohne einen Ruheplatz zu finden; der Verkauf von all ihrem Hausgerät, obgleich von keinem großen Wert, würde unter andren Umständen einen gewissen Erlös geben; aber plötzlich an die Luft gesetzt, müssen sie ihn zu Spottpreisen losschlagen. Und wenn sie umhergeirrt, bis der letzte Heller verzehrt ist, was anders können sie tun außer stehlen und dann, bei Gott, in aller Form Rechtens gehangen werden, oder auf den Bettel ausgehn? Und auch dann werden sie ins Gefängnis geschmissen, als Vagabunden, weil sie sich herumtreiben und nicht arbeiten; sie, die kein Mensch an die Arbeit setzen will, sie mögen sich noch so eifrig dazu erbieten.« Von diesen armen Flüchtlingen, von denen Thomas Morus sagt, daß man sie zum Diebstahl zwang, »wurden 72000 große und kleine Diebe hingerichtet unter der Regierung Heinrich des Achten«. (Holinshed, »Description of England«, v. I., p. 186.) Zu Elisabeths Zeiten wurden »Landstreicher reihenweise aufgeknüpft; indes verstrich gewöhnlich kein Jahr, worin nicht 300 oder 400 an einem Platz oder dem andren dem Galgen anheimfielen«. (Strype, »Annals of the Reformation and Establishment of Religion, and other Various Occu rences in the Church of England during Queen Elisabeth's Happy Reign«, 2nd ed. 1725, vol. II.) Nach demselben Strype wurden in Somersetshire in einem einzigen Jahr 40 Personen hingerichtet, 35 gebrandmarkt, 37 ausgepeitscht und 183 »verzweifelte Bösewichter« freigegeben. Dennoch, sagt er, »schließt diese große Zahl der Angeklagten nicht 1/5 der peinlichen Verbrechen ein, dank der Fahrlässigkeit der Friedensrichter und dem albernen Mitleid des Volkes«. Er fügt hinzu: »Die andren Grafschaften in England waren in keiner beßren Lage als Somersetshire und viele selbst in einer schlechteren.«

1054 »Wann immer die Gesetzgebung versucht, die Differenzen zwischen Unternehmern und ihren Arbeitern zu regeln, sind ihre Ratgeber immer die Unternehmer« sagt A. Smith. »Der Geist der Gesetze ist das Eigentum«, sagt Linguet.

1055 [J. B. Byles,] »Sophisms of Free Trade. By a Barrister«, Lond. 1850, p. 206. Er setzt maliziös hinzu: »Wir waren stets bei der Hand, für den Anwender einzuschreiten. Kann nichts geschehn für den Angewandten?«

1056 Aus einer Klausel des Statuts 2 Jakob I., c. 6, ersieht man, daß gewisse Tuchmacher sich herausnahmen, den Lohntarif offiziell als Friedensrichter in ihren eignen Werkstätten zu diktieren. – In Deutschland waren namentlich nach dem Dreißigjährigen Krieg Statuten zur Niederhaltung des Arbeitslohns häufig. »Sehr lästig war den Gutsherrn in dem menschenleeren Boden der Mangel an Dienstboten und Arbeitern. Allen Dorfsassen wurde verboten, Kammern an ledige Männer und Frauen zu vermieten, alle solche Inlieger sollten der Obrigkeit angezeigt und ins Gefängnis gesteckt werden, falls sie nicht Dienstboten werden wollten, auch wenn sie sich von andrer Tätigkeit erhielten, den Bauern um Taglohn säten oder gar mit Geld und Getreide handelten. (›Kaiserliche Privilegien und Sanctiones für Schlesien‹, I, 125.) Durch ein ganzes Jahrhundert wird in den Verordnungen der Landesherrn immer wieder bittre Klage geführt über das boshafte und mutwillige Gesindel, das sich in die harten Bedingungen nicht fügen, mit dem gesetzlichen Lohn nicht zufrieden sein will; dem einzelnen Gutsherrn wird verboten, mehr zu geben, als die Landschaft in einer Taxe festgesetzt hat. Und doch sind die Bedingungen des Dienstes nach dem Krieg zuweilen noch besser, als sie 100 Jahre später waren; noch erhielt das Gesinde 1652 in Schlesien zweimal in der Woche Fleisch, noch in unsrem Jahrhundert hat es ebendort Kreise gegeben, wo sie es nur dreimal im Jahr erhielten. Auch der Taglohn war nach dem Kriege höher als in den folgenden Jahrhunderten.« (G. Freytag.)

1057 Artikel I dieses Gesetzes lautet: »Da eine der Grundlagen der französischen Verfassung in der Aufhebung aller Arten von Vereinigungen der Bürger desselben Standes und Berufs besteht, ist es verboten, sie unter irgendwelchem Vorwand oder in irgendwelcher Form wiederherzustellen.« Artikel IV erklärt, daß, wenn »Bürger, die zum selben Beruf, Gewerbe, Handwerk gehören, zusammen beratschlagten und gemeinsame Abmachungen träfen, die darauf abzielen, die Leistungen ihres Gewerbes oder ihrer Arbeit zu verweigern oder nur zu einem bestimmten Preis zu gewähren, so sind besagte Beratungen und Abmachungen... als verfassungswidrig und als Attentate auf die Freiheit und die Menschenrechte zu erklären usw.«, also Staatsverbrechen, ganz wie in den alten Arbeiterstatuten. (»Révolutions de Paris«, Paris 1791, t. III, p. 523.)

1058 Buchez et Roux, »Histoire Parlementaire«, t. X, p. 193-195 passim.

1059 »Pächter«, sagt Harrison in seiner »Description of England«, »denen es früher schwer ward, 4 Pfd. St. Rente zu zahlen, zahlen jetzt 40, 50, 100 Pfd. St. und glauben doch ein schlechtes Geschäft gemacht zu haben, wenn sie nach Ablauf ihres Pachtkontrakts nicht 6-7 Jahre Rente zurücklegen.«

1060 Über den Einfluß der Depreziation des Geldes im 16. Jahrhundert auf verschiedne Klassen der Gesellschaft: »A Compendious or Briefe Examination of Certayne Ordinary Complaints of Diverse of our Countrymen in these our Days. By W. S., Gentleman«, (London 1581). Die Dialogform dieser Schrift trug dazu bei, daß man sie lange Shakespeare zuschrieb und noch 1751 unter seinem Namen neu herausgab. Ihr Verfasser ist William Stafford. An einer Stelle räsoniert der Ritter (Knight) wie folgt:

Knight: »Ihr, mein Nachbar, der Landmann, ihr Herr Händler, und ihr, Gevatter Kupferschmied, sowie die anderen Handwerker, ihr wißt Euch schon ganz gut zu helfen. Denn um wieviel alle Dinge teurer sind, als sie waren, um soviel erhöht ihr die Preise Eurer Waren und Tätigkeiten, die ihr wieder verkauft. Aber wir haben nichts zu verkaufen, dessen Preise wir erhöhen könnten, um einen Ausgleich zu schaffen für die Dinge, die wir wieder kaufen müssen.« An einer andren Stelle fragt der Knight den Doktor: »Ich bitte Euch, was sind das für Gruppen von Leuten, die ihr meint. Und, erstens, welche werden Eurer Meinung nach dabei keinen Verlust haben?« – Doktor: »Ich meine, alle diese, die vom Kaufen und Verkaufen leben, denn teuer wie sie kaufen, verkaufen sie nachher.« – Knight: »Welches ist die nächste Gruppe, die, wie ihr sagt, dabei gewinnen wird?« – Doktor: »Nun, alle, die Pachtungen oder Farmen in eigner Bearbeitung« (d.h. Bebauung) »haben, zur alten Pacht, denn da, wo sie nach der alten Rate zahlen, verkaufen sie nach der neuen – das bedeutet, daß sie für ihr Landrecht wenig zahlen und alles was darauf wächst, teuer verkaufen...« – Knight: »Welche Gruppe ist es, die, wie ihr sagt, einen größeren Verlust dabei haben soll, als diese Gewinn hatten?« – Doktor: »Es sind alle Adligen, Herren und alle andern, die entweder von einer festen Rente oder einem Stipendium leben, oder ihren Boden nicht selbst bearbeiten« (bebauen), »oder sich nicht mit Kaufen und Verkaufen beschäftigen.«

1061 In Frankreich wird der Régisseur, der Verwalter und Eintreiber der Leistungen an den Feudalherrn während des früheren Mittelalters, bald ein homme d'affaires, der sich durch Erpressung, Prellerei usw. zum Kapitalisten hinaufschwindelt. Diese Régisseurs waren manchmal selbst vornehme Herrn. Z.B.: »Diese Rechnung gibt Herr Jacques de Thoraisse, ritterlicher Schloßherr auf Besançon, dem Herrn, der zu Dijon Rechnung führt für den Herrn Herzog und Grafen von Burgund über die Renten, die der genannten Schloßherrschaft gehören, vom 25. Tage des Dezembers 1359 bis zum 28. Tage des Dezembers 1360.« (Alexis Monteil, »Histoire des Matériaux manuscrits etc.«, p. 234, 235.) Es zeigt sich schon hier, wie in allen Sphären des gesellschaftlichen Lebens der Löwenanteil dem Vermittler zufällt. Im ökonomischen Gebiet z.B. schöpfen Finanziers, Börsenmänner, Kaufleute, Kleinkrämer, den Rahm der Geschäfte ab; im bürgerlichen Recht pflückt der Advokat die Parteien; in der Politik bedeutet der Repräsentant mehr als die Wähler, der Minister mehr als der Souverän; in der Religion wird Gott in den Hintergrund gedrängt vom »Mittler« und dieser wiederum zurückgeschoben von den Pfaffen, die wieder unvermeidliche Vermittler sind zwischen dem guten Hirten und seinen Schafen. Wie in England, so waren in Frankreich die großen Feudalterritorien in unendlich viele kleine Wirtschaften geteilt, aber unter ungleich ungünstigeren Bedingungen für das Landvolk. Während des 14. Jahrhunderts kamen die Pachten, fermes oder terriers auf. Ihre Zahl wuchs beständig, weit über 100000. Sie zahlten eine vom 12. bis zum 5. Teil des Produkts wechselnde Grundrente in Geld oder in natura. Die terriers waren Lehn, Hinterlehn etc. (fiefs, arrière-fiefs), je nach Wert und Umfang der Domänen, wovon manche nur wenige arpents zählten. Alle diese terriers besaßen Gerichtsbarkeit in irgendeinem Grad über die Bo deninsassen; es gab vier Grade. Man begreift den Druck des Landvolks unter allen diesen kleinen Tyrannen. Monteil sagt, daß es damals 160000 Gerichte in Frankreich gab, wo heute 4000 Tribunale (Friedensgerichte eingeschlossen) genügen.

1062 In seinen »Notions de Philosophie Naturelle«, Paris 1838.

1063 ein Punkt, den Sir James Steuart betont.

1064 »Ich werde gestatten«, sagt der Kapitalist, »daß ihr die Ehre habt, mir zu dienen, unter der Bedingung, daß ihr mir für die Mühe, die ich mir mache, euch zu kommandieren, das wenige gebt, was euch bleibt.« (J. J. Rousseau, »Discours sur l'Économie Politique«, [Genève 1760, p. 70].)

1065 Mirabeau, l.c., t. III, p. 20-109 passim. Wenn Mirabeau die zersplitterten Werkstätten auch für ökonomischer und produktiver hält als die »vereinigten«, und in den letztren bloß künstliche Treibhauspflanzen unter der Pflege der Staatsregierungen sieht, erklärt sich das aus dem damaligen Zustand eines großen Teils der kontinentalen Manufakturen.

1066 »Zwanzig Pfund Wolle unauffällig in den jährlichen Kleiderbedarf einer Arbeiterfamilie verwandelt, durch ihren eignen Fleiß in den Pausen zwischen ihren anderen Arbeiten – das erregt kein Aufsehen. Aber bringt die Wolle auf den Markt, schickt sie in die Fabrik, dann zum Makler, dann zum Händler, dann habt ihr große Handelsoperationen und nominelles Kapital aufgewandt im zwanzigfachen Betrag ihres Werts... Die arbeitende Klasse wird so ausgebeutet, um eine verelendete Fabrikbevölkerung, eine Parasitenklasse von Ladenbesitzern und ein fiktives Handels-, Geld- und Finanzsystem zu erhalten.« (David Urquhart, l.c. p. 120.)

1067 Ausnahme bildet hier Cromwells Zeit. Solange die Republik währte, erhob sich die englische Volksmasse in allen Schichten aus der Degradation, wozu sie unter den Tudors gesunken war.

1068 Tuckett weiß, daß aus den eigentlichen Manufakturen und der Zerstörung der ländlichen oder häuslichen Manufaktur, mit Einführung der Maschinerie, die große Wollindustrie hervorgeht. (Tuckett, l.c., v. I, p. 139-144.) »Der Pflug, das Joch waren die Erfindung von Göttern und die Beschäftigung von Heroen: sind Webstuhl, Spindel und Spinnrad minder edler Abkunft? Ihr trennt das Spinnrad und den Pflug, die Spindel und das Joch, und erhaltet Fabriken und Armenhäuser, Kredit und Paniks, zwei feindliche Nationen, agrikole und kommerzielle.« (David Urquhart, l.c. p. 122.) Nun kommt aber Carey und klagt, sicher nicht mit Unrecht, England an, daß es jedes andre Land in ein bloßes Agrikulturvolk zu verwandeln strebt, dessen Fabrikant England. Er behauptet, in dieser Art sei die Türkei ruiniert worden, weil »den Eignern und Bebauern des Bodens niemals gestattet war« (von England), »sich selbst zu kräftigen durch die natürliche Allianz zwischen dem Pflug und dem Webstuhl, dem Hammer und der Egge«. (»The Slave Trade«, p. 125.) Nach ihm ist Urquhart selbst einer der Hauptagenten des Ruins der Türkei, wo er im englischen Interesse Freihandelspropaganda gemacht habe. Das Beste ist, daß Carey, nebenbei großer Russenknecht, durch das Protektionssystem jenen Scheidungsprozeß, den es beschleunigt, verhindern will.

1069 Die philanthropischen englischen Ökonomen, wie Mill, Rogers, Goldwin Smith, Fawcett usw., und liberale Fabrikanten, wie John Bright und Kons., fragen, wie Gott den Kain nach seinem Bruder Abel, so den englischen Grundaristokraten, wo sind unsre Tausende von Freeholders hingekommen? Aber wo seid ihr denn hergekommen? Aus der Vernichtung jener Freeholders. Warum fragt ihr nicht weiter, wo sind die unabhängigen Weber, Spinner, Handwerker hin gekommen?

1070 Industriell hier im Gegensatz zu agrikol. Im »kategorischen« Sinn ist der Pächter ein industrieller Kapitalist so gut wie der Fabrikant.

1071 »The Natural and Artifical Rights of Property Contrasted«, Lond. 1832, p. 98, 99. Verfasser der anonymen Schrift: Th. Hodgskin.

1072 Sogar noch 1794 schickten die kleinen Tuchmacher von Leeds eine Deputation an das Parlament zur Petition um ein Gesetz, das jedem Kaufmann verbieten sollte, Fabrikant zu werden. (Dr. Aikin, l.c.)

1073 William Howitt, »Colonization and Christianity. A Popular History of the Treatment of the Natives by the Europeans in all their Colonies«, Lond. 1838, p. 9. Über die Behandlung der Sklaven gute Kompilation bei Charles Comte, »Traité de la Législation«, 3me éd., Bruxelles 1837. Man muß dies Zeug im Detail studieren, um zu sehn, wozu der Bourgeois sich selbst und den Arbeiter macht, wo er die Welt ungeniert nach seinem Bilde modeln kann.

1074 Thomas Stamford Raffles, late Lieut. Gov. of that island, »The History of Java«, Lond. 1817. [v. II, p. CXC, CXCI.]

1075 Im Jahr 1866 starben in der einigen Provinz Orissa mehr als eine Million Hindus am Hungertod. Nichtsdestoweniger suchte man die indische Staatskasse zu bereichern durch die Preise, wozu man den Verhungernden Lebensmittel abließ.

1076 William Cobbett bemerkt, daß in England alle öffentlichen Anstalten als »königliche« bezeichnet werden, zum Ersatz dafür gab es jedoch die »National«-Schuld (national debt).

1077 »Wenn die Tataren heute Europa überfluteten, würde es schwerhalten, ihnen verständlich zu machen, was bei uns ein Finanzier ist.« (Montesquieu, »Esprit des lois«, t. IV, p. 33, éd. Londres 1769.)

1078 »Pourquoi aller chercher si loin la cause de l'éclat manufacturier de la Saxe avant la guerre? Cent quatre-vingt millions de dettes faites par les souverains!« (Mirabeau, l.c., t. VI, p. 101.)

1079 Eden, l.c., b. II, ch. I, p. 421.

1080 John Fielden, l.c. p. 5, 6. Über die ursprünglichen Infamien des Fabrikwesens vgl. Dr. Aikin (1795), l.c. p. 219, und Gisborne, »Enquiry into the duties of men«, 1795, v. II. – Da die Dampfmaschine die Fabriken von den ländlichen Wasserfällen weg in die Mitte von Städten verpflanzte, fand der »entsagungslustige« Plusmacher das Kindermaterial nun zur Hand, ohne gewaltsame Sklavenzufuhr aus den Workhouses. – Als Sir R. Peel (Vater des »Ministers der Plausibilität«) seine Bill zum Schutz der Kinder 1815 einbrachte, erklärte F. Horner (lumen des Bullion-Komitees und intimer Freund Ricardos) im Unterhaus: »Es ist notorisch, daß mit den Effekten eines Bankrotteurs eine Bande, wenn er solchen Ausdruck brauchen dürfe, von Fabrikkindern zur Auktion öffentlich, als Teil des Eigentums, annonciert und losgeschlagen wurde. Vor zwei Jahren« (1813) »kam ein abscheulicher Fall vor die King's Bench. Es handelte sich um eine Anzahl Knaben. Eine Pfarrei von London hatte sie einem Fabrikanten Übermacht, der übertrug sie wieder auf einen andren. Sie wurden schließlich von einigen Menschenfreunden in einem Zustand absoluter Verhungerung (absolute famine) entdeckt. Ein andrer Fall, noch abscheulicher, sei zu seiner Kenntnis als Mitglied des parlamentarischen Untersuchungskomitees gebracht worden. Vor nicht vielen Jahren schlossen eine Londoner Pfarrei und ein Fabrikant von Lancashire einen Vertrag, wodurch stipuliert wurde, daß er auf je 20 gesunde Kinder einen Idioten mit in den Kauf zu nehmen habe.«

1081 1790 kamen im englischen Westindien 10 Sklaven auf 1 Freien, im französischen 14 auf 1, im holländischen 23 auf 1. (Henry Brougham, »An Inquiry into the Colonial Policy of the European Powers«, Edinb. 1803, v. II, p. 74.)

1082 Der Ausdruck »labouring poor« findet sich in den englischen Gesetzen vom Augenblick, wo die Klasse der Lohnarbeiter bemerkenswert wird. Die »labouring poor« stehn im Gegensatz, einerseits zu den »idle poor«, Bettlern usw., andrerseits zu den Arbeitern, die noch keine gepflückten Hühner, sondern Eigentümer ihrer Arbeitsmittel sind. Aus dem Gesetz ging der Ausdruck »labouring poor« in die politische Ökonomie über, von Culpeper, J. Child usw. bis A. Smith und Eden. Danach beurteile man die bonne foi des »execrable political cantmonger« Edmund Barke, wenn er den Ausdruck »labouring poor« für »execrable political cant« erklärt. Dieser Sykophant, der im Sold der englischen Oligarchie den Romantiker gegenüber der Französischen Revolution spielte, ganz wie er, im Sold der nordamerikanischen Kolonien beim Beginn der amerikanischen Wirren, gegenüber der englischen Oligarchie den Liberalen gespielt hatte, war durch und durch ordinärer Bourgeois: »Die Gesetze des Handels sind die Gesetze der Natur und folglich die Gesetze Gottes.« (E.Burke, l.c. p. 31, 32.) Kein Wunder, daß er, den Gesetzen Gottes und der Natur getreu, stets sich selbst auf dem besten Markt verkauft hat! Man findet in des Rev. Tuckers Schriften -Tucker war Pfaff und Tory, im übrigen aber anständiger Mann und tüchtiger politischer Ökonom – sehr gute Charakteristik dieses Edmund Burke während seiner liberalen Zeit. Bei der infamen Charakterlosigkeit, die heutzutag herrscht und devotest an »die Gesetze des Handels« glaubt, ist es Pflicht, wieder und wieder die Burkes zu brandmarken, die sich von ihren Nachfolgern nur durch eins unterscheiden – Talent!

1083 Marie Augier, »Du Crédit Public«, [Paris 1842, p. 265].

1084 »Kapital«, sagt der Quarterly Reviewer, »flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel.« (T. J. Dunning, l.c. p. 35, 36.)

1085 »Wir befinden uns in einer Lage, die für die Gesellschaft gänzlich neu ist... wir streben dahin, jede Art Eigentum von jeder Art Arbeit zu trennen.« (Sismondi, »Nouveaux Principes le l'Écon. Polit.«, t. II, p. 434.)

1086 »Der Fortschritt der Industrie, dessen willenloser und widerstandloser Träger die Bourgeoisie ist, setzt an die Stelle der Isolierung der Arbeiter durch die Konkurrenz ihre revolutionäre Vereinigung durch die Assoziation. Mit der Entwicklung der großen Industrie wird also unter den Füßen der Bourgeoisie die Grundlage selbst weggezogen, worauf sie produziert und die Produkte sich aneignet. Sie produziert also vor allem ihre eignen Totengräber. Ihr Untergang und der Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich... Von allen Klassen, welche heutzutage der Bourgeoisie gegenüberstehn, ist nur das Proletariat eine wirklich revolutionäre Klasse. Die übrigen Klassen verkommen und gehn unter mit der großen Industrie, das Proletariat ist ihr eigenstes Produkt. Die Mittelstände, der kleine Industrielle, der kleine Kaufmann, der Handwerker, der Bauer, sie alle bekämpfen die Bourgeoisie, um ihre Existenz als Mittelstände vor dem Untergang zu sichern... sie sind reaktionär, denn sie suchen das Rad der Geschichte zurückzudrehn.« (Karl Marx und F. Engels, »Manifest der Kommunistischen Partei«, London 1848, p. 11, 9.)

1087 Es handelt sich hier von wirklichen Kolonien, jungfräulichem Boden, der durch freie Einwanderer kolonisiert wird. Die Vereinigten Staaten sind, ökonomisch gesprochen, immer noch Kolonialland Europas. Übrigens gehören auch solche alten Pflanzungen hierher, wo die Aufhebung der Sklaverei die Verhältnisse gänzlich umgewälzt hat.

1088 Die wenigen Lichtblicke Wakefields über das Wesen der Kolonien selbst sind vollständig antizipiert durch Mirabeau père, den Physiokraten, und noch viel früher durch englische Ökonomen.

1089 Es wird später eine temporäre Notwendigkeit im internationalen Konkurrenzkampf. Welches aber immer sein Motiv, die Folgen bleiben dieselben.

1090 »Ein Neger ist ein Neger. In bestimmten Verhältnissen wird er erst zum Sklaven. Eine Baumwollspinnmaschine ist eine Maschine zum Baumwollspinnen. Nur in bestimmten Verhältnissen wird sie zu Kapital. Aus diesen Verhältnissen herausgerissen, ist sie so wenig Kapital, wie Gold an und für sich Geld oder der Zucker der Zuckerpreis ist... Das Kapital ist ein gesellschaftliches Produktionsverhältnis. Es ist ein historisches Produktionsverhältnis.« (Karl Marx, »Lohnarbeit und Kapital«, »N[eue] Rh[einische] Z[eitung]«, Nr. 266 vom 7. April 1849.)

1091 E. G. Wakefield, »England and America«, v. II, p. 33.

1092 l.c., v. I, p. 17.

1093 l.c. p. 18.

1094 l.c. p. 42, 43, 44.

1095 l.c., v. II, p. 5.

1096 »Land, um Element der Kolonisation zu werden, muß nicht nur unangebaut sein, sondern öffentliches Eigentum, welches in Privateigentum verwandelt werden kann.« (l.c., v. II, p. 125.)

1097 l.c., v. I, p. 247.

1098 l.c. p. 21, 22.

1099 l.c., v. II. 116.

1100 l.c., v. I, p. 131.

1101 l.c., v. II, p. 5.

1102 Merivale, l.c., v. II, p. 235-314 passim. Selbst der sanfte, freihändlerische Vulgärökonom Molinari sagt: »In den Kolonien, in denen die Sklaverei abgeschafft worden ist, ohne daß man die Zwangsarbeit durch eine entsprechende Menge freier Arbeit ersetzt hätte, sah man das Gegenteil von dem sich abspielen, was sich täglich vor unseren Augen zuträgt. Man sah die einfachen Arbeiter ihrerseits die industriellen Unternehmer ausbeuten, indem sie Löhne von ihnen forderten, die in gar keinem Verhältnis stehen zu dem rechtmäßigen Anteil, der ihnen am Produkt zukäme. Da die Pflanzer außerstande waren, für ihren Zucker einen ausreichenden Preis zu erhalten, um die Steigerung der Löhne decken zu können, waren sie genötigt, den Mehrbetrag zunächst aus ihren Profiten, darauf aus ihren Kapitalien selbst zu decken. Eine Menge Pflanzer wurde so ruiniert, während andere ihre Betriebe schlossen, um dem bevorstehenden Ruin zu entgehen... Es ist zweifellos besser, Anhäufungen von Kapitalien zugrunde gehen zu sehen, als Generationen von Menschen« (wie generös von dem Herrn Molinari!); »aber wäre es nicht besser, wenn weder die einen noch die anderen zugrunde gingen?« (Molinari, l.c. p. 51, 52.) Herr Molinari, Herr Molinari! Was wird denn aus den zehn Geboten, aus Moses und den Propheten, aus dem Gesetz der Nachfrage und Zufuhr, wenn in Europa der »entrepreneur« dem Arbeiter und in Westindien der Arbeiter dem entrepreneur seine part légitime verkürzen kann! Und was ist gefälligst diese »part légitime«, die nach ihrem Geständnis der Kapitalist in Europa täglich nicht zahlt? Den Herrn Molinari juckt es gewaltig, dort drüben, in den Kolonien, wo die Arbeiter so »simpel« sind, den Kapitalisten zu »exploitieren«, das sonst automatisch wirkende Gesetz der Nachfrage und Zufuhr polizeilich in den richtigen Gang zu setzen.

1103 Wakefield, l.c., v. II, p. 52.

1104 l.c. p. 191, 192.

1105 l.c., v. I, p. 47, 246.

1106 »Es sei, fügt ihr hinzu, der Aneignung des Bodens und der Kapitalien zu verdanken, daß der Mensch, der nur seine Arme besitzt, Beschäftigung findet und sich ein Einkommen schafft... es kommt im Gegenteil gerade von der individuellen Aneignung des Bodens, daß es Menschen gibt, die nur ihre Arme besitzen... Wenn ihr einen Menschen in den luftleeren Raum versetzt raubt ihr ihm die Luft. So handelt ihr auch, wenn ihr euch des Bodens bemächtigt... Das heißt, ihn in die alles Reichtums bare Leere versetzen, damit er nicht anders als nach eurem Willen leben kann.« (Colins, l.c., t. III, p. 267-271 passim.)

1107 Wakefield, l.c., v. II, p. 192.

1108 l.c. p. 45.

1109 Sobald Australien sein eigner Gesetzgeber wurde, erließ es natürlich den Ansiedlern günstige Gesetze, aber die englische, einmal vollzogne Bodenverschleuderung steht im Wege. »Das erste und wichtigste Ziel, welches das neue Landgesetz von 1862 erstrebt, besteht darin, größere Erleichterungen für die Ansiedlung des Volkes zu schaffen.« (»The Land Law of Victoria, by the Hon. G. Duffy, Minister of Public Lands«, Lond. 1862, [p. 3].)