1 Es schien dies um so nötiger, als selbst der Abschnitt von F. Lassalles Schrift gegen Schulze-Delitzsch, worin er »die geistige Quintessenz« meiner Entwicklung über jene Themata zu geben erklärt, bedeutende Mißverständnisse enthält. En passant. Wenn F. Lassalle die sämtlichen allgemeinen theoretischen Sätze seiner ökonomischen Arbeiten, z.B. über den historischen Charakter des Kapitals, über den Zusammenhang zwischen Produktionsverhältnissen und Produktionsweise usw. usw. fast wörtlich, bis auf die von mir geschaffene Terminologie hinab, aus meinen Schriften entlehnt hat, und zwar ohne Quellenangabe, so war dies Verfahren wohl durch Propagandarücksichten bestimmt. Ich spreche natürlich nicht von seinen Detailausführungen und Nutzanwendungen, mit denen ich nichts zu tun habe.
2 Siehe meine Schrift »Zur Kritik etc.«, p.39.
3 Die breimäuligen Faselhänse der deutschen Vulgärökonomie schelten Stil und Darstellung in einer Schritt. Niemand kann die literarischen Mängel des »Kapital« strenger beurteilen als ich selbst. Dennoch will ich, zu Nutz und Freud dieser Herren und ihres Publikums, hier ein englisches und ein russisches Urteil zitieren. Die meinen Ansichten durchaus feindliche »Saturday Review« sagte in ihrer Anzeige der ersten deutschen Ausgabe: Die Darstellung »verleiht auch den trockensten ökonomischen Fragen einen eignen Reiz (charm)«. Die »S.-P. Wdomosti« (St.-Petersburger Zeitung) bemerkt in ihrer Nummer vom 20. April 1872 u.a.: »Die Darstellung mit Ausnahme weniger zu spezieller Teile zeichnet sich aus durch Allgemeinverständlichkeit, Klarheit und, trotz der wissenschaftlichen Hohe des Gegenstands, ungewöhnliche Lebendigkeit. In dieser Hinsicht gleicht der Verfasser... auch nicht von fern der Mehrzahl deutscher Gelehrten, die... Ihre Bücher in so verfinsterter und trockner Sprache schreiben, daß gewöhnlichen Sterblichen der Kopf davon kracht.« Den Lesern der zeitläufigen deutsch-national-liberalen Professoralliteratur kracht jedoch etwas ganz andres als der Kopf.
4 »Le Capital. Par Karl Marx«, Übersetzung von M. J. Roy, vom Autor völlig durchgesehen, Paris, Lachâtre. Diese Übersetzung enthält besonders im letzten Teil des Buchs beträchtliche Veränderungen und Ergänzungen zum Text der zweiten deutschen Ausgabe.
5 Bei der Vierteljahrversammlung der Handelskammer von Manchester, die heute nachmittag abgehalten wurde, fand eine lebhafte Diskussion über die Freihandelsfrage statt. Eine Resolution wurde eingebracht in dem Sinne, daß »man 40 Jahre vergebens darauf gewartet hat, daß andre Nationen dem von England gegebenen Beispiel des Freihandels folgen, und die Kammer nun die Zeit für gekommen hält, diesen Standpunkt zu ändern«. Die Resolution wurde mit nur einer Stimme Mehrheit abgelehnt, bei dem Stimmenverhältnis von 21 für und 22 dagegen. (»Evening Standard«, 1. Nov. 1886.)
6 Karl Marx, »Zur Kritik der Politischen Oekonomie«, Berlin 1859, pag. 3.
7 »Verlangen schließt Bedürfnis ein; es ist der Appetit des Geistes, und so natürlich wie Hunger für den Körper... die meisten (Dinge) haben ihren Wert daher, daß sie die Bedürfnisse des Geistes befriedigen.« (Nicholas Barbon, »A Discourse on coining the new money lighter. In answer to Mr. Locke's Considerations etc.«, London 1696, p.2, 3.)
8 »Dinge haben einen intrinsick vertue« (dies bei Barbon die spezifische Bezeichnung für Gebrauchswert), »der überall gleich ist, so wie der des Magnets, Eisen anzuziehen« (l.c. p.6). Die Eigenschaft des Magnets, Eisen anzuziehn, wurde erst nützlich, sobald man vermittelst derselben die magnetische Polarität entdeckt hatte.
9 »Der natürliche worth jedes Dinges besteht in seiner Eignung, die notwendigen Bedürfnisse zu befriedigen oder den Annehmlichkeiten des menschlichen Lebens zu dienen.« (John Locke, »Some Considerations on the Consequences of the Lowering of Interest«, 1691, in »Works«, edit. Lond. 1777, v. II, p.28.) Im 17. Jahrhundert finden wir noch häufig bei englischen Schriftstellern »Worth« für Gebrauchswert und »Value« für Tauschwert, ganz im Geist einer Sprache, die es liebt, die unmittelbare Sache germanisch und die reflektierte Sache romanisch auszudrücken.
10 In der bürgerlichen Gesellschaft herrscht die fictio juris, daß jeder Mensch als Warenkäufer eine enzyklopädische Warenkenntnis besitzt.
11 »Der Wert besteht in dem Tauschverhältnis, das zwischen einem Ding und einem anderen, zwischen der Menge eines Erzeugnisses und der eines anderen besteht.« (Le Trosne, »De l'Intérêt Social«, [in] »Physiocrates«, éd. Daire, Paris 1846, p.889.)
12 »Nichts kann einen inneren Tauschwert haben« (N. Barbon, l.c. p.6), oder wie Butler sagt:
»Der Wert eines Dings
ist grade so viel, wie es einbringen wird.«
13 »One sort of wares are as good as another, if the value be equal. There is no difference or distinction in things of equal value... One hundred pounds worth of lead or iron, is of as great a value as one hundred pounds worth of silver and gold.« (N. Barbon, l.c. p.53 u. 7.)
14 Note zur 2. Ausg. »The value of them (the necessaries of life) when they are exchanged the one for another, is regulated by the quantity of labour necessarily required, and commonly taken in producing them.« »Der Wert von Gebrauchsgegenständen, sobald sie gegeneinander ausgetauscht werden, ist bestimmt durch das Quantum der zu ihrer Produktion notwendig erheischten und gewöhnlich angewandten Arbeit.« (»Some Thoughts on the Interest of Money in general, and particularly in the Public Funds etc.«, London, p. 36-37.) Diese merkwürdige anonyme Schrift des vorigen Jahrhunderts trägt kein Datum. Es geht jedoch aus ihrem Inhalt hervor, daß sie unter Georg II., etwa 1739 oder 1740, erschienen ist.
15 »Alle Erzeugnisse der gleichen Art bilden eigentlich nur eine Masse, deren Preis allgemein und ohne Rücksicht auf die besonderen Umstände bestimmt wird.« (Le Trosne, l.c. p.893.)
16 K. Marx, l.c. p.6.
17 Note zur 4. Aufl. – Ich schiebe das Eingeklammerte ein, weil durch dessen Weglassung sehr häufig das Mißverständnis entstanden, jedes Produkt, das von einem andern als dem Produzenten konsumiert wird, gelte bei Marx als Ware. – F. E.
18 l.c. p.12, 13 und passim.
19 »Alle Erscheinungen des Weltalls, seien sie hervorgerufen von der Hand des Menschen oder durch die allgemeinen Gesetze der Physik, sind nicht tatsächliche Neuschöpfungen, sondern lediglich eine Umformung des Stoffes. Zusammensetzen und Trennen sind die einzigen Elemente, die der menschliche Geist immer wieder bei der Analyse der Vorstellung der Reproduktion findet; und ebenso verhält es sich mit der Reproduktion des Wertes« (Gebrauchswert, obgleich Verri hier in seiner Polemik gegen die Physiokraten selbst nicht recht weiß, von welcher Sorte Wert er spricht) »und des Reichtums, wenn Erde, Luft und Wasser auf den Feldern sich in Korn verwandeln, oder auch wenn sich durch die Hand des Menschen die Abscheidung eines Insekts in Seide verwandelt, oder einige Metallteilchen sich anordnen, um eine Repetieruhr zu bilden.« (Pietro Verri, »Meditazioni sulla Economia Politica« – zuerst gedruckt 1771 – in der Ausgabe der italienischen Ökonomen von Custodi, Parte Moderna, t. XV, p. 21, 22.)
20 Vgl. Hegel, »Philosophie des Rechts«, Berlin 1840, p.250, § 190.
21 Der Leser muß aufmerken, daß hier nicht vom Lohn oder Wert die Rede ist, den der Arbeiter für etwa einen Arbeitstag erhält, sondern vom Warenwert, worin sich sein Arbeitstag vergegenständlicht. Die Kategorie des Arbeitslohns existiert überhaupt noch nicht auf dieser Stufe unsrer Darstellung.
22 Note zur 2. Ausg. Um zu beweisen, »daß die Arbeit allein das endgültige und reale Maß ist, woran der Wert aller Waren zu allen Zeiten geschätzt und verglichen werden kann«, sagt . A. Smith: »Gleiche Quantitäten Arbeit müssen zu allen Zeiten und an allen Orten für den Arbeiter selbst denselben Wert haben. In seinem normalen Zustand von Gesundheit, Kraft und Tätigkeit und mit dem Durchschnittsgrad von Geschicklichkeit, die er besitzen mag, muß er immer die nämliche Portion seiner Ruhe, seiner Freiheit und seines Glücks hingeben.« (»Wealth of Nations«, b. I, ch. V, [p. 104/105].) Einerseits verwechselt A. Smith hier (nicht überall) die Bestimmung des Werts durch das in der Produktion der Ware verausgabte Arbeitsquantum mit der Bestimmung der Warenwerte durch den Wert der Arbeit und sucht daher nachzuweisen, daß gleiche Quantitäten Arbeit stets denselben Wert haben. Andrerseits ahnt er, daß die Arbeit, soweit sie sich im Wert der Waren darstellt, nur als Verausgabung von Arbeitskraft gilt, faßt diese Verausgabung aber wieder bloß als Opfer von Ruhe, Freiheit und Glück, nicht auch als normale Lebensbetätigung. Allerdings hat er den modernen Lohnarbeiter vor Augen. – Viel treffender sagt der Note 9 zitierte anonyme Vorgänger von A. Smith: »Ein Mann hat eine Woche auf die Herstellung dieses Bedarfsgegenstandes verwandt... und der, welcher ihm einen anderen Gegenstand im Austausch gibt, kann nicht richtiger abschätzen, was wirklich gleichwertig ist, als durch die Berechnung, was ihm ebensoviel labour und Zeit kostet. Das bedeutet in der Tat den Austausch der labour, die ein Mensch in einer bestimmten Zeit auf einen Gegenstand verwandt hat, gegen die labour eines andren. In der gleichen Zeit auf einen anderen Gegenstand verwandt.« (»Some Thoughts on the Interest of Money in general etc.«, p.39.) – 〈Zur 4. Auflage: Die englische Sprache hat den Vorzug, zwei verschiedne Worte für diese zwei verschiednen Aspekte der Arbeit zu haben. Die Arbeit, die Gebrauchswerte schafft und qualitativ bestimmt ist, heißt work, im Gegensatz zu labour; die Arbeit, die Wert schafft und nur quantitativ gemessen wird, heißt labour, im Gegensatz zu work. Siehe Note zur engl. Übersetzung, p. 14. – F.E.}
23 Die wenigen Ökonomen, die sich, wie S. Bailey, mit der Analyse der Wertform beschäftigt haben, konnten zu keinem Resultat kommen, einmal, weil sie Wertform und Wert verwechseln, zweitens, weil sie, unter dem rohen Einfluß des praktischen Bürgers, von vornherein ausschließlich die quantitative Bestimmtheit ins Auge fassen. »Die Verfügung über die Quantität... macht den Wert.« (»Money and its Vicissitudes«, Lond. 1837, p. 11.) Verfasser S. Bailey.
24 Note zur 2. Ausgabe. Einer der ersten Ökonomen, der nach William Petty die Natur des Werts durchschaut hat, der berühmte Franklin, sagt: »Da der Handel überhaupt nichts ist als der Austausch einer Arbeit gegen andre Arbeit, wird der Wert aller Dinge am richtigsten geschätzt in Arbeit.« (»The Works of B. Franklin etc.«, edited by Sparks, Boston 1836, v. II, p.267.) Franklin ist sich nicht bewußt, daß, indem er den Wert aller Dinge »in Arbeit« schätzt, er von der Verschiedenheit der ausgetauschten Arbeiten abstrahiert – und sie so auf gleiche menschliche Arbeit reduziert. Was er nicht weiß, sagt er jedoch. Er spricht erst von »der einen Arbeit«, dann »von der andren Arbeit«, schließlich von »Arbeit« ohne weitere Bezeichnung als Substanz des Werts aller Dinge.
25 In gewisser Art geht's dem Menschen wie der Ware. Da er weder mit einem Spiegel auf die Welt kommt noch als Fichtescher Philosoph: Ich bin ich, bespiegelt sich der Mensch zuerst in einem andren Menschen. Erst durch die Beziehung auf den Menschen Paul als seinesgleichen bezieht sich der Mensch Peter auf sich selbst als Mensch. Damit gilt ihm aber auch der Paul mit Haut und Haaren, in seiner paulinischen Leiblichkeit, als Erscheinungsform des Genus Mensch.
26 Der Ausdruck »Wert« wird hier, wie beiläufig schon früher stellenweis geschah, für quantitativ bestimmten Wert, also für Wertgröße gebraucht.
27 Note zur 2. Ausg. Diese Inkongruenz zwischen der Wertgröße und ihrem relativen Ausdruck ist von der Vulgärökonomie mit gewohntem Scharfsinn ausgebeutet worden. Z.B.: »Gebt einmal zu, daß A fällt, weil B, womit es ausgetauscht wird, steigt, obgleich unterdessen nicht weniger Arbeit auf A verausgabt wird, und euer allgemeines Wertprinzip fällt zu Boden... Wenn zugegeben wird, daß, weil der Wert von A relativ zu B steigt, der Wert von B relativ zu A fällt, ist der Grund unter den Füßen weggeschnitten, worauf Ricardo seinen großen Satz aufstellt, daß der Wert einer Ware stets bestimmt ist durch das Quantum der ihr einverleibten Arbeit; denn wenn ein Wechsel in den Kosten von A nicht nur seinen eignen Wert im Verhältnis zu B, womit es ausgetauscht wird, verändert, sondern auch den Wert von B relativ zu dem von A, obgleich kein Wechsel stattgefunden hat in dem zur Produktion von B erheischten Arbeitsquantum, dann fällt nicht nur die Doktrin zu Boden, die versichert, daß die auf einen Artikel verausgabte Quantität Arbeit seinen Wert reguliert, sondern auch die Doktrin, daß die Produktionskosten eines Artikels seinen Wert regulieren.« (J. Broadhurst, »Political Economy«, London 1842, p. 11, 14.)
Herr Broadhurst konnte ebensogut sagen: Man sehe sich einmal die Zahlenverhältnisse 10/20, 10/50, 10/100 usw. an. Die Zahl 10 bleibt unverändert, und dennoch nimmt ihre proportionelle Größe, ihre Größe relativ zu den Nennern 20, 50, 100, beständig ab. Also fällt das große Prinzip zu Boden, daß die Größe einer ganzen Zahl wie 10 z.B. durch die Anzahl der in ihr enthaltenen Einer »reguliert« ist.
28 Es ist mit solchen Reflexionsbestimmungen überhaupt ein eigenes Ding. Dieser Mensch ist z.B. nur König, weil sich andre Menschen als Untertanen zu ihm verhalten. Sie glauben umgekehrt Untertanen zu sein, weil er König ist.
29 Note zur 2. Ausg. F.L.A. Ferrier (sous-inspecteur des douanes), »Du Gouvernement considéré dans ses rapports avec le commerce«, Paris 1805, und Charles Ganilh, »Des Systèmes d'Économie Politique«, 2ème éd., Paris 1821.
30 Note zur 2. Aufl. Z.B. bei Homer wird der Wert eines Dings in einer Reihe verschiedner Dinge ausgedrückt.
31 Man spricht deshalb vom Rockwert der Leinwand, wenn man ihren Wert in Röcken, von ihrem Kornwert, wenn man ihn in Korn darstellt etc. Jeder solche Ausdruck besagt, daß es ihr Wert ist, der in den Gebrauchswerten Rock, Korn usw. erscheint. »Da der Wert jeder Ware ihr Verhältnis im Austausch bezeichnet, können wir ihn bezeichnen als... Kornwert, Tuchwert, je nach der Ware, mit der sie verglichen wird; und daher gibt es tausend verschiedene Arten von Werten, so viele, wie Waren vorhanden sind, und alle sind gleich real und gleich nominell.« (»A Critical Dissertation on the Nature, Measures, and Causes of Value; chiefly in reference to the writings of Mr. Ricardo and his followers. By the Author of Essays on the Formation etc. of Opinions«, London 1825, p.39.) S. Bailey, der Verfasser dieser anonymen Schrift, die ihrer Zeit viel Lärm in England machte, wähnt durch diesen Hinwels auf die kunterbunten relativen Ausdrücke desselben Warenwerts alle Begriffsbestimmung des Werts vernichtet zu haben. Daß er übrigens, trotz eigner Borniertheit, wunde Flecken der Ricardoschen Theorie sondiert hatte, bewies die Gereiztheit, womit die Ricardosche Schule ihn angriff, z.B. in der »Westminster Review«.
32 Man sieht es der Form allgemeiner unmittelbarer Austauschbarkeit in der Tat keineswegs an, daß sie eine gegensätzliche Warenform ist, von der Form nicht unmittelbarer Austauschbarkeit ebenso unzertrennlich wie die Positivität eines Magnetpols von der Negativität des andren. Man mag sich daher einbilden, man könne allen Waren zugleich den Stempel unmittelbarer Austauschbarkeit aufdrucken, wie man sich einbilden mag, man könne alle Katholiken zu Päpsten machen. Für den Kleinbürger, der in der Warenproduktion das nec plus ultra menschlicher Freiheit und individueller Unabhängigkeit erblickt, wäre es natürlich sehr wünschenswert, der mit dieser Form verbundnen Mißstände überhoben zu sein, namentlich auch der nicht unmittelbaren Austauschbarkeit der Waren. Die Ausmalung dieser Philisterutopie bildet Proudhons Sozialismus, der, wie ich anderswo gezeigt, nicht einmal das Verdienst der Originalität besitzt, vielmehr lange vor ihm von Gray, Bray und andern weit besser entwickelt wurde. Dies verhindert solche Weisheit nicht, heutzutage, in gewissen Kreisen, unter dem Namen der »science« zu grassieren. Nie hat eine Schule mehr als die Proudhonsche mit dem Wort »science« um sich geworfen, denn
»wo Begriffe fehlen,
da stellt zur rechten Zeit ein Wort sich ein«.
33 Man erinnert sich, daß China und die Tische zu tanzen anfingen, als alle übrige Welt still zu stehn schien – pour encourager les autres.
34 Note zur 2. Ausg. Bei den alten Germanen wurde die Größe eines Morgens Land nach der Arbeit eines Tages berechnet und daher der Morgen Tagwerk (auch Tagwanne) (jurnale oder jurnalis, terra jurnalis, jornalis oder diurnalis). Mannwerk, Mannskraft, Mannsmaad, Mannshauet usf. benannt. Sieh Georg Ludwig von Maurer, »Einleitung zur Geschichte der Mark-, Hof-, usw. Verfassung«, München 1854, p. 129 sq.
35 Note zur 2. Ausg. Wenn daher Galiani sagt: Der Wert ist ein Verhältnis zwischen Personen – »La Ricchezza è una ragione tra due persone« –, so hätte er hinzusetzen müssen; unter dinglicher Hülle verstecktes Verhältnis. (Galiani, »Della Moneta«, p.221, t. III von Custodis Sammlung der »Scrittori Classici Italiani di Economia Politica«, Parte Moderna, Milano 1803.)
36 »Was soll man von einem Gesetze denken, das sich nur durch periodische Revolutionen durchsetzen kann? Es ist eben ein Naturgesetz, das auf der Bewußtlosigkeit der Beteiligten beruht.« (Friedrich Engels, »Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie« in »Deutsch-Französische Jahrbücher«, herausg. von Arnold Ruge und Karl Marx, Paris 1844.)
37 Note zur 2. Ausgabe. Auch Ricardo ist nicht ohne seine Robinsonade. »Den Urfischer und den Urjäger läßt er sofort als Warenbesitzer Fisch und Wild austauschen, im Verhältnis der in diesen Tauschwerten vergegenständlichten Arbeitszeit. Bei dieser Gelegenheit fällt er in den Anachronismus, daß Urfischer und Urjäger zur Berechnung ihrer Arbeitsinstrumente die 1817 auf der Londoner Börse gangbaren Annuitäten tabellen zu Rate ziehn. Die ›Parallelogramme des Herrn Owen‹ scheinen die einzige Gesellschaftsform, die er außer der bürgerlichen kannte.« (Karl Marx, »Zur Kritik etc.«, p.38, 39.)
38 Note zur 2. Ausgabe. »Es ist ein lächerliches Vorurteil in neuester Zeit verbreitet, daß die Form des naturwüchsigen Gemeineigentums spezifisch slawische, sogar ausschließlich russische Form sei. Sie ist die Urform, die wir bei Römern, Germanen, Kelten nachweisen können, von der aber eine ganze Musterkarte mit mannigfachen Proben sich noch immer, wenn auch zum Teil ruinenweise, bei den Indiern vorfindet. Ein genaueres Studium der asiatischen, speziell der indischen Gemeineigentumsformen würde nachweisen, wie aus den verschiednen Formen des naturwüchsigen Gemeineigentums sich verschiedne Formen seiner Auflösung ergeben. So lassen sich z.B. die verschiednen Originaltypen von römischem und germanischem Privateigentum aus verschiednen Formen des indischen Gemeineigentums ableiten.« (Karl Marx, »Zur Kritik etc.«, p. 10.)
39 Das Unzulängliche in Ricardos Analyse der Wertgröße – und es ist die beste – wird man aus dem dritten und vierten Buch dieser Schrift ersehn. Was aber den Wert überhaupt betrifft, so unterscheidet die klassische politische Ökonomie nirgendwo ausdrücklich und mit klarem Bewußtsein die Arbeit, wie sie sich im Wert, von derselben Arbeit, soweit sie sich im Gebrauchswert ihres Produkts darstellt. Sie macht natürlich den Unterschied tatsächlich, da sie die Arbeit das einemal quantitativ, das andremal qualitativ betrachtet. Aber es fällt ihr nicht ein, daß bloß quantitativer Unterschied der Arbeiten ihre qualitative Einheit oder Gleichheit voraussetzt, also ihre Reduktion auf abstrakt menschliche Arbeit. Ricardo z.B. erklärt sich einverstanden mit Destutt de Tracy, wenn dieser sagt: »Da es sicher ist, daß unsere körperlichen und geistigen Fähigkeiten allein unser ursprünglicher Reichtum sind, ist der Gebrauch dieser Fähigkeiten, eine gewisse Art Arbeit, unser ursprünglicher Schatz; es ist immer dieser Gebrauch, welcher alle jene Dinge schafft, die wir Reichtum nennen... Zudem ist es gewiß, daß alle jene Dinge nur die Arbeit darstellen, die sie geschaffen hat, und wenn sie einen Wert haben, oder sogar zwei unterschiedliche Werte, so können sie dies doch nur haben aus dem« (dem Wert) »der Arbeit, der sie entspringen.« (Ricardo, »The principles of Pol. Econ.«, 3. ed., Lond. 1821, p.334A4.) Wir deuten nur an, daß Ricardo dem Destutt seinen eignen tieferen Sinn unterschiebt. Destutt sagt in der Tat zwar einerseits, daß alle Dinge, die den Reichtum bilden, »die Arbeit repräsentieren, die sie geschaffen hat«, aber andrerseits, daß sie ihre »zwei verschiedenen Werte« (Gebrauchswert und Tauschwert) vom »Wert der Arbeit« erhalten. Er fällt damit in die Flachheit der Vulgärökonomie, die den Wert einer Ware (hier der Arbeit) voraussetzt, um dadurch hinterher den Wert der andren Waren zu bestimmen. Ricardo liest ihn so, daß sowohl im Gebrauchswert als Tauschwert sich Arbeit (nicht Wert der Arbeit) darstellt. Er selbst aber scheidet so wenig den zwieschlächtigen Charakter der Arbeit, die doppelt dargestellt ist, daß er in dem ganzen Kapitel: »Value and Riches, their Distinctive Properties« sich mühselig mit den Trivialitäten eines J. B. Say herumschlagen muß. Am Ende ist er daher auch ganz erstaunt, daß Destutt zwar mit ihm selbst über Arbeit als Wertquelle und dennoch andrerseits mit Say über den Wertbegriff harmoniere.
40 Es ist einer der Grundmängel der klassischen politischen Ökonomie, daß es ihr nie gelang, aus der Analyse der Ware und spezieller des Warenwerts die Form des Werts, die ihn eben zum Tauschwert macht, herauszufinden. Grade in ihren besten Repräsentanten, wie A. Smith und Ricardo, behandelt sie die Wertform als etwas ganz Gleichgültiges oder der Natur der Ware selbst Äußerliches. Der Grund ist nicht allein, daß die Analyse der Wertgröße ihre Aufmerksamkeit ganz absorbiert. Er liegt tiefer. Die Wertform des Arbeitsprodukts ist die abstrakteste, aber auch allgemeinste Form der bürgerlichen Produktionsweise, die hierdurch als eine besondere Art gesellschaftlicher Produktion und damit zugleich historisch charakterisiert wird. Versieht man sie daher für die ewige Naturform gesellschaftlicher Produktion, so übersieht man notwendig auch das Spezifische der Wertform, also der Warenform, weiter entwickelt der Geldform, Kapitalform usw. Man findet daher bei Ökonomen, welche über das Maß der Wertgröße durch Arbeitszeit durchaus übereinstimmen, die kunterbuntesten und widersprechendsten Vorstellungen von Geld, d.h. der fertigen Gestalt des allgemeinen Äquivalents. Dies tritt schlagend hervor z.B. bei der Behandlung des Bankwesens, wo mit den gemeinplätzlichen Definitionen des Geldes nicht mehr ausgereicht wird. Im Gegensatz entsprang daher ein restauriertes Merkantilsystem (Ganilh usw.), welches im Wert nur die gesellschaftliche Form sieht oder vielmehr nur ihren substanzlosen Schein. – Um es ein für allemal zu bemerken, verstehe ich unter klassischer politischer Ökonomie alle Ökonomie seit W. Petty, die den innern Zusammenhang der bürgerlichen Produktionsverhältnisse erforscht im Gegensatz zur Vulgärökonomie, die sich nur innerhalb des scheinbaren Zusammenhangs herumtreibt, für eine plausible Ver ständlichmachung der sozusagen gröbsten Phänomene und den bürgerlichen Hausbedarf das von der wissenschaftlichen Ökonomie längst gelieferte Material stets von neuem wiederkaut, im übrigen aber sich darauf beschränkt, die banalen und selbstgefälligen Vorstellungen der bürgerlichen Produktionsagenten von ihrer eignen besten Welt zu systematisieren, pedantisieren und als ewige Wahrheiten zu proklamieren.
41 »Die Ökonomen verfahren auf eine sonderbare Art. Es gibt für sie nur zwei Arten von Institutionen, künstliche und natürliche. Die Institutionen des Feudalismus sind künstliche Institutionen, die der Bourgeoisie natürliche. Sie gleichen darin den Theologen, die auch zwei Arten von Religionen unterscheiden. Jede Religion, die nicht die ihre ist, ist eine Erfindung der Menschen, während ihre eigene Religion eine Offenbarung Gottes ist. – Somit hat es eine Geschichte gegeben, aber es gibt keine mehr.« (Karl Marx, »Misère de la Philosophie. Réponse à la Philosophie de la Misère de M. Proudhon«, 1847, p. 113.) Wahrhaft drollig ist Herr Bastiat, der sich einbildet, die alten Griechen und Römer hätten nur von Raub gelebt. Wenn man aber viele Jahrhunderte durch von Raub lebt, muß doch beständig etwas zu rauben da sein oder der Gegenstand des Raubes sich fortwährend reproduzieren. Es scheint daher, daß auch Griechen und Römer einen Produktionsprozeß hatten, also eine Ökonomie, welche ganz so die materielle Grundlage ihrer Welt bildete wie die bürgerliche Ökonomie die der heutigen Welt. Oder meint Bastiat etwa, daß eine Produktionsweise, die auf der Sklavenarbeit beruht, auf einem Raubsystem ruht? Er stellt sich dann auf gefährlichen Boden. Wenn ein Denkriese wie Aristoteles in seiner Würdigung der Sklavenarbeit irrte, warum sollte ein Zwergökonom, wie Bastiat, in seiner Würdigung der Lohnarbeit richtig gehn? – Ich ergreife diese Gelegenheit, um einen Einwand, der mir beim Erscheinen meiner Schrift »Zur Kritik der Pol. Oekonomie«, 1859, von einem deutsch-amerikanischen Blatte gemacht wurde, kurz abzuweisen. Es sagte, meine Ansicht, daß die bestimmte Produktionsweise und die ihr jedesmal entsprechenden Produktionsverhältnisse, kurz »die ökonomische Struktur der Gesellschaft die reale Basis sei, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebe und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprächen«, daß »die Produktionsweise des materiellen Lebens den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt bedinge«, – alles dies sei zwar richtig für die heutige Welt, wo die materiellen Interessen, aber weder für das Mittelalter, wo der Katholizismus, noch für Athen und Rom, wo die Politik herrschte. Zunächst ist es befremdlich, daß jemand vorauszusetzen beliebt, diese weltbekannten Redensarten über Mittelalter und antike Welt seien irgend jemand unbekannt geblieben . Soviel ist klar, daß das Mittelalter nicht vom Katholizismus und die antike Welt nicht von der Politik leben konnte. Die Art und Weise, wie sie ihr Leben gewannen, erklärt umgekehrt, warum dort die Politik, hier der Katholizismus die Hauptrolle spielte. Es gehört übrigens wenig Bekanntschaft z.B. mit der Geschichte der römischen Republik dazu, um zu wissen, daß die Geschichte des Grundeigentums ihre Geheimgeschichte bildet. Andrerseits hat schon Don Quixote den Irrtum gebüßt, daß er die fahrende Ritterschaft mit allen ökonomischen Formen der Gesellschaft gleich verträglich wähnte.
42 »Value is a property of things, riches of man. Value, in this sense, necessarily implies exchanges, riches do not.« (»Observations on some verbal disputes in Pol. Econ., particularly relating to value, and to supply and demand«, Lond. 1821, p. 16.)
43 »Riches are the attribute of man, value is the attribute of commodities. A man or a community is rich, a pearl or a diamond is valuable... A pearl or a diamond u valuable as a pearl or diamond.« (S. Bailey, l.c. p.165 sq.)
44 Der Verfasser der »Observations« und S. Bailey beschuldigen Ricardo, er habe den Tauschwert aus einem nur Relativen in etwas Absolutes verwandelt. Umgekehrt. Er hat die Scheinrelativität, die diese Dinge, Diamant und Perlen z.B., als Tauschwerte besitzen, auf das hinter dem Schein verborgene wahre Verhältnis reduziert, auf ihre Relativität als bloße Ausdrücke menschlicher Arbeit. Wenn die Ricardianer dem Bailey grob, aber nicht schlagend antworten, so nur, weil sie bei Ricardo selbst keinen Aufschluß über den inneren Zusammenhang zwischen Wert und Wertform oder Tauschwert fanden.
45 Im 12., durch seine Frömmigkeit so berufenen Jahrhundert, kommen unter diesen Waren oft sehr zarte Dinge vor. So zählt ein französischer Dichter jener Zeit unter den Waren, die sich auf dem Markt von Landit einfanden, neben Kleidungsstoffen, Schuhen, Leder, Ackergeräten, Häuten usw. auch »femmes folles de leur corps« auf.
46 Proudhon schöpft erst sein Ideal der Gerechtigkeit, der ›justice éternelle‹, aus den der Warenproduktion entsprechenden Rechtsverhältnissen, wodurch, nebenbei bemerkt, auch der für alle Spießbürger so tröstliche Beweis geliefert wird, daß die Form der Warenproduktion ebenso ewig ist wie die Gerechtigkeit. Dann umgekehrt will er die wirkliche Warenproduktion und das ihr entsprechende wirkliche Recht diesem Ideal gemäß ummodeln. Was würde man von einem Chemiker denken, der, statt die wirklichen Gesetze des Stoffwechsels zu studieren und auf Basis derselben bestimmte Aufgaben zu lösen, den Stoffwechsel durch die »ewigen Ideen« der »naturalité« und der »affinité« ummodeln wollte? Weiß man etwa mehr über den »Wucher«, wenn man sagt, er widerspreche der »justice éternelle« und der »équité éternelle« und der »mutualité éternelle« und andren »vérités éternelles«, als die Kirchenväter wußten, wenn sie sagten, er widerspreche der »grâce éternelle«, der »foi éternelle«, der »volonté éternelle de dieu«?
47 »Denn zweifach ist der Gebrauch jedes Guts. – Der eine ist dem Ding als solchem eigen, der andre nicht, wie einer Sandale, zur Beschuhung zu dienen und austauschbar zu sein. Beides sind Gebrauchswerte der Sandale, denn auch wer die Sandale mit dem ihm Mangelnden, z.B. der Nahrung austauscht, benutzt die Sandale als Sandale. Aber nicht in ihrer natürlichen Gebrauchsweise. Denn sie ist nicht da des Austausches wegen.« (Aristoteles, »De Rep.«, 1. I, c. 9.)
48 Danach beurteile man die Pfiffigkeit des kleinbürgerlichen Sozialismus, der die Warenproduktion verewigen und zugleich den »Gegensatz von Geld und Ware«, also das Geld selbst, denn es ist nur in diesem Gegensatze, abschaffen will. Ebensowohl könnte man den Papst abschaffen und den Katholizismus bestehen lassen. Das Nähere hierüber sieh in meiner Schrift »Zur Kritik der Pol. Oekonomie«, p.61 sqq.
49 Solange noch nicht zwei verschiedne Gebrauchsgegenstände ausgetauscht, sondern, wie wir das bei Wilden oft finden, eine chaotische Masse von Dingen als Äquivalent für ein Drittes angeboten wird, steht der unmittelbare Produktenaustausch selbst erst in seiner Vorhalle.
50 Karl Marx, l.c. p.135. »Die Metalle... sind von Natur Geld.« (Galiani, »Della Moneta« in Custodis Sammlung, Parte Moderna, t. III, p. 137.)
51 Das Nähere darüber in meiner eben zitierten Schrift, Abschnitt: »Die edlen Metalle«.
52 »Das Geld ist die allgemeine Ware.« (Verri, l.c. p.16.)
53 »Silber und Gold an sich, die wir mit dem allgemeinen Namen Edelmetall bezeichnen können, sind im... Werte... steigende und fallende... Waren... Dem Edelmetall kann man dann einen höheren Wert zuerkennen, wenn ein geringeres Gewicht davon eine größere Menge des Produkts oder Fabrikats des Landes etc. kauft.« ([S. Clement,] »A Discourse of the General Notions of Money, Trade, and Exchange, as they stand in relations to each other. By a Merchant«, Lond. 1695, p. 7.) »Silber und Gold, gemünzt oder ungemünzt, werden zwar als Maßstab für alle anderen Dinge gebraucht, sind aber nicht weniger eine Ware als Wein, Öl, Tabak, Tuch oder Stoffe.« ([J. Child,] »A Discourse concerning Trade, and that in particular of the East-Indies etc.«, London 1689, p.2.) »Vermögen und Reichtum des Königreiches können genaugenommen nicht auf Geld beschränkt, noch können Gold und Silber als Waren ausgeschlossen werden.« ([Th. Papillon,] »The East India Trade a most Profitable Trade«, London 1677, p.4.)
54 »Gold und Silber haben Wert als Metalle, bevor sie Geld sind.« (Galiani, l.c. [p. 72.]) Locke sagt: »Die allgemeine Übereinstimmung der Menschen legte dem Silber, wegen seiner Qualitäten, die es zum Geld geeignet machten, einen imaginären Wert bei.« [John Locke, »Some Considerations etc.«, 1691, in »Works«, ed. 1777, v. II, p. 15.] Dagegen Law: »Wie könnten verschiedne Nationen irgendeiner Sache einen imaginären Wert geben... oder wie hätte sich dieser imaginäre Wert erhalten können?« Wie wenig er selbst aber von der Sache verstand: »Das Silber tauschte sich aus nach dem Gebrauchswert, den es hatte, also nach seinem wirklichen Wert; durch seine Bestimmung als Geld erhielt es einen zuschüssigen Wert (une valeur additionnelle).« (Jean Law, »Considérations sur le numéraire et le commerce« in E. Daires Édit. der »Économistes Financiers du XVIII. siècle«, p.469, 470.)
55 »Das Geld ist ihr« (der Waren) »Zeichen.« (V. de Forbonnais, »Éléments du Commerce«, Nouv. Édit. Leyde 1766, t. II, p. 143.) »Als Zeichen wird es von den Waren angezogen.« (l.c. p.155.) »Das Geld ist Zeichen für eine Sache und vertritt sie.« (Montesquieu, »Esprit des Lois«, Oeuvres, Lond. 1767, t. II, p.3.) »Das Geld ist nicht bloßes Zeichen, denn es ist selbst Reichtum; es vertritt nicht die Werte, es ist ihr Äquivalent.« (Le Trosne, l.c. p.910.) »Betrachtet man den Begriff des Werts, so wird die Sache selbst nur als ein Zeichen angesehn, und sie gilt nicht als sie selber, sondern als was sie wert ist.« (Hegel, l.c. p.100.) Lange vor den Ökonomen brachten die Juristen die Vorstellung von Geld als bloßem Zeichen und dem nur imaginären Wert der edlen Metalle in Schwung, im Sykophantendienst der königlichen Gewalt, deren Münzverfälschungsrecht sie das ganze Mittelalter hindurch auf die Traditionen des römischen Kaiserreichs und die Geldbegriffe der Pandekten stützten. »Niemand kann und darf Zweifel hegen«, sagt ihr gelehriger Schüler, Philipp von Valois, in einem Dekret von 1346, »daß nur Uns und Unserer königlichen Majestät zukommt... das Münzgeschäft, die Herstellung, die Beschaffenheit, der Vorrat und alle die Münzen betreffenden Verordnungen, sie so und zu solchem Preis in Umlauf zu setzen, wie es Uns gefällt und gutdünkt.« Es war römisches Rechtsdogma, daß der Kaiser den Geldwert dekretiert. Es war ausdrücklich verboten, das Geld als Ware zu behandeln. »Geld jedoch zu kaufen soll niemand gestattet sein, denn zum allgemeinen Gebrauch geschaffen, darf es nicht Ware sein.« Gute Auseinandersetzung hierüber von G. F. Pagnini, »Saggio sopra il giusto pregio delle cose«, 1751, bei Custodi, Parte Moderna, t. II. Namentlich im zweiten Teil der Schrift polemisiert Pagnini gegen die Herren Juristen.
56 »Wenn jemand eine Unze Silber aus dem Innern der Erde Perus in derselben Zeit nach London bringen kann, die er zur Produktion eines Bushel Korn brauchen würde, dann ist das eine der natürliche Preis des anderen; wenn er nun durch Abbau neuer und ergiebigerer Bergwerke statt der einen zwei Unzen Silber mit dem gleichen Aufwand gewinnen kann, wird das Korn bei einem Preis von 10 Shilling pro Bushel ebenso billig sein wie vorher bei einem Preis von 5 Shilling, caeteris paribus.« (William Petty, »A Treatise of Taxes and Contributions«, Lond. 1667, p. 31.)
57 Nachdem Herr Professor Roscher uns belehrt: »Die falschen Definitionen von Geld lassen sich in zwei Hauptgruppen teilen: solche, die es für mehr, und solche, die es für weniger halten als eine Ware«, folgt ein kunterbunter Katalog von Schriften über das Geldwesen, wodurch auch nicht die entfernteste Einsicht in die wirkliche Geschichte der Theorie durchschimmert, und dann die Moral: »Zu leugnen ist übrigens nicht, daß die meisten neueren Nationalökonomen die Eigentümlichkeiten, welche das Geld von andren Waren unterscheiden« (also doch mehr oder weniger als Ware?), »nicht genug im Auge behalten haben... Insofern ist die halbmerkantilistische Reaktion von Ganilh etc. nicht ganz unbegründet.« (Wilhelm Röscher, »Die Grundlagen der Nationalökonomie«, 3. Aufl., 1858, p.207-210.) Mehr – weniger – nicht genug – insofern – nicht ganz! Welche Begriffsbestimmungen! Und dergleichen eklektische Professoralfaselei tauft Herr Roscher bescheiden »die anatomisch-physiologische Methode« der politischen Ökonomie! Eine Entdeckung ist ihm jedoch geschuldet, nämlich, daß Geld »eine angenehme Ware« ist.
58 Die Frage, warum das Geld nicht unmittelbar die Arbeitszeit selbst repräsentiert, so daß z.B. eine Papiernote x Arbeitsstunden vorstellt, kommt ganz einfach auf die Frage heraus, warum auf Grundlage der Warenproduktion die Arbeitsprodukte sich als Waren darstellen müssen, denn die Darstellung der Ware schließt ihre Verdopplung in Ware und Geldware ein. Oder warum Privatarbeit nicht als unmittelbar gesellschaftliche Arbeit, als ihr Gegenteil, behandelt werden kann. Ich habe den seichten Utopismus eines »Arbeitsgelds« auf Grundlage der Warenproduktion anderswo ausführlich erörtert, (l.c. p.61 sqq.) Hier sei noch bemerkt, daß z.B. das Owensche »Arbeitsgeld« ebensowenig »Geld« ist wie etwa eine Theatermarke. Owen setzt unmittelbar vergesellschaftete Arbeit voraus, eine der Warenproduktion diametral entgegengesetzte Produktionsform. Das Arbeitszertifikat konstatiert nur den individuellen Anteil des Produzenten an der Gemeinarbeit und seinen individuellen Anspruch auf den zur Konsumtion bestimmten Teil des Gemeinprodukts. Aber es fällt Owen nicht ein, die Warenproduktion vorauszusetzen und dennoch ihre notwendigen Bedingungen durch Geldpfuschereien umgehn zu wollen.
59 Der Wilde oder Halbwilde braucht die Zunge anders. Kapitän Parry bemerkt z.B. von den Bewohnern an der Westküste der Baffinsbay: »In diesem Falle« (beim Produktenaustausch) »... beleckten sie es« (das ihnen Angebotene) »zweimal mit der Zunge, wonach sie das Geschäft als zur Zufriedenheit abgeschlossen zu betrachten schienen.« Ebenso beleckte bei den östlichen Eskimos der Eintauscher jedesmal den Artikel beim Empfang desselben. Wenn die Zunge so im Norden als Organ der Aneignung, ist es kein Wunder, daß der Bauch im Süden als Organ des akkumulierten Eigentums gilt und der Kaffer den Reichtum eines Mannes nach seinem Fettwanst schätzt. Die Kaffern sind grundgescheute Kerle, denn während der offizielle britische Gesundheitsbericht von 1864 den Mangel eines großen Teils der Arbeiterklasse an fettbildenden Substanzen beklagt, machte ein Dr. Harvey, der jedoch nicht die Blutzirkulation er fanden hat, in demselben Jahre sein Glück durch Puff-Rezepte, die der Bourgeoisie und Aristokratie Fettüberflusseslast abzutreiben versprachen.
60 Siehe Karl Marx, »Zur Kritik etc.«, »Theorien von der Maßeinheit des Geldes«, p.53 sqq.
61 Note zur 2. Ausg. »Wo Gold und Silber gesetzlich als Geld, d.h. als Wertmaß nebeneinander bestehen. Ist stets der vergebliche Versuch gemacht worden, sie als eine und dieselbe Materie zu behandeln. Unterstellt man, daß dieselbe Arbeitszeit sich unveränderlich in derselben Proportion von Silber und Gold vergegenständlichen muß, so unterstellt man in der Tat, daß Silber und Gold dieselbe Materie sind und daß eine bestimmte Masse des minder wertvollen Metalls, des Silbers, den unveränderlichen Bruchteil einer bestimmten Goldmasse bildet. Von der Regierung Edwards III. bis zur Zeit von Georg II. verläuft sich die Geschichte des englischen Geldwesens in eine fortlaufende Reihe von Störungen, hervorgehend aus der Kollision zwischen der gesetzlichen Festsetzung des Wertverhältnisses von Gold und Silber und ihren wirklichen Wertschwankungen. Bald war Gold zu hoch geschätzt, bald Silber. Das zu niedrig geschätzte Metall wurde der Zirkulation entzogen, umgeschmolzen und exportiert. Das Wertverhältnis beider Metalle wurde dann wieder gesetzlich verändert, aber der neue Nominalwert trat bald mit dem wirklichen Wertverhältnis in denselben Konflikt wie der alte. – In unserer eigenen Zeit hat der sehr schwache und vorübergehende Fall im Wert von Gold gegen Silber, infolge der indisch-chinesischen Silbernachfrage, dasselbe Phänomen auf der größten Stufenleiter in Frankreich erzeugt, Ausfuhr von Silber und seine Vertreibung aus der Zirkulation durch Gold. Während der Jahre 1855, 1856, 1857 betrug der Überschuß der Goldeinfuhr in Frankreich über die Goldausfuhr aus Frankreich 41580000 Pfd. St., während der Überschuß der Silberausfuhr über die Silbereinfuhr 34704000A5 Pfd. St. betrug. In der Tat, in Ländern, wo beide Metalle gesetzliche Wertmaße sind, daher beide in Zahlung angenommen werden müssen, jeder aber beliebig in Silber oder Gold zahlen kann, trägt das im Wert steigende Metall ein Agio und mißt wie jede andere Ware seinen Preis in dem überschätzten Metall, während letzteres allein als Wertmaß dient. Alle geschichtliche Erfahrung in diesem Gebiet reduziert sich einfach darauf, daß, wo gesetzlich zwei Waren die Funktion des Wertmaßes versehen, faktisch immer nur eine als solches den Platz behauptet.« (Karl Marx, l.c. p.52, 53.)
62 Note zur 2. Ausg. Die Sonderbarkeit, daß die Unze Gold in England als Einheit des Geldmaßstabs nicht in aliquote Teile abgeteilt ist, erklärt sich wie folgt: »Unser Münzwesen war ursprünglich nur der Verwendung von Silber angepaßt – daher kann eine Unze Silber immer in eine bestimmte aliquote Anzahl von Geldstücken geteilt werden; da aber Gold erst in einer spätern Zeit in ein Münzwesen eingeführt wurde, das nur dem Silber angepaßt war, kann eine Unze Gold nicht in eine aliquote Anzahl von Münzen ausgeprägt werden.« (Maclaren, »History of the Currency«, London 1858, p. 16.)
63 Note zur 2. Ausg. In englischen Schriften ist die Konfusion über Maß der Werte (measure of value) und Maßstab der Preise (standard of value) unsäglich. Die Funktionen und daher ihre Namen werden beständig verwechselt.
64 Sie ist übrigens auch nicht von allgemein historischer Gültigkeit.
65 Note zur 2. Ausg. So bezeichnet das englische Pfund weniger als ein Drittel seines ursprünglichen Gewichts, das schottische Pfund vor der Union nur noch 1/36, der französische Livre 1/74 der spanische Maravedi weniger als 1/1000, der portugiesische Rei eine noch viel kleinere Proportion.
66 Note zur 2. Ausg. »Die Münzen, deren Namen heute nur noch ideell sind, sind bei allen Nationen die ältesten; sie alle waren einst real, und eben weil sie real waren, hat man mit ihnen gerechnet.« (Galiani, »Della Moneta«, l.c. p.153.)
67 Note zur 2. Ausg. Herr David Urquhart bemerkt in seinen »Familiar Words« über das Ungeheuerliche (!), daß heutzutage ein Pfund (£ St.), die Einheit des englischen Geldmaßstabs, gleich ungefähr ¼ Unze Gold ist: »Das ist Fälschung eines Maßes und nicht Festsetzung eines Maßstabs.« [p. 105.] Er findet in dieser »falschen Benennung« des Goldgewichts wie überall sonst die fälschende Hand der Zivilisation.
68 Note zur 2. Ausg. »Als man den Anacharsis fragte, wozu die Hellenen das Geld brauchen, antwortet er: zum Rechnen.« (Athen[aeus], »Deipn.«, 1. IV, 49, v. 2 [p. 120], ed. Schweighäuser, 1802.)
69 Note zur 2. Ausg. »Weil das GoldA6 als Maßstab der Preise in denselben Rechennamen erscheint wie die Warenpreise, also z.B. eine Unze Gold ebensowohl wie der Wert einer Tonne Eisen in 3 Pfd. St. 17 sh. 10 ½ d. ausgedrückt wird, hat man diese seine Rechennamen seinen Münzpreis genannt. Die wunderliche Vorstellung entstand daher, als ob das Gold (resp. Silber) in seinem eignen Material geschätzt werde und im Unterschied von allen Waren von Staats wegen einen fixen Preis erhalte. Man versah die Fixierung von Rechennamen bestimmter Goldgewichte für Fixierung des Werts dieser Gewichte.« (Karl Marx, l.c. p.52.)
70 Vgl. »Theorien von der Maßeinheit des Geldes« in »Zur Kritik der Pol. Oekon. etc.«, p.53 sqq. Die Phantasien über Erhöhung oder Erniedrigung des »Münzpreises«, die darin besteht, die gesetzlichen Geldnamen für gesetzlich fixierte Gewichtteile Gold oder Silber auf größere oder kleinere Gewichtteile von Staats wegen zu übertragen und demgemäß auch etwa ¼ Unze Gold statt in 20 künftig in 40 sh. zu prägen – diese Phantasien, soweit sie nicht ungeschickte Finanzoperationen gegen Staats- und Privatgläubiger, sondern ökonomische »Wunderkuren« bezwecken, hat Petty so erschöpfend behandelt in »Quantulumcunque concerning Money. To the Lord Marquis of Halifax, 1682«, daß schon seine unmittelbaren Nachfolger. Sir Dudley North und John Locke, von späteren gar nicht zu reden, ihn nur verflachen konnten. »Wenn der Reichtum einer Nation«, sagt er u.a., »durch eine Verordnung verzehnfacht werden könnte, wäre es eigenartig, daß unsere Regierungen nicht schon längst derartige Verordnungen erlassen haben.« (l.c. p.36.)
71 »Oder man muß schon zugeben, daß eine Million in Geld mehr wert ist als ein gleicher Wert in Waren« (Le Trosne, l.c. p.919), also »daß ein Wert mehr wert ist als ein gleicher anderer.«
72 Wenn Hieronymus in seiner Jugend viel mit dem materiellen Fleisch zu ringen hatte, wie sein Wüstenkampf mit schönen Frauenbildern zeigt, so im Alter mit dem geistigen Fleisch. »Ich glaubte mich«, sagt er z.B., »im Geist vor dem Weltrichter.« »Wer bist du?« fragte eine Stimme. »Ich bin ein Christ.« »Du lügst«, donnerte der Weltrichter. »Du bist nur ein Ciceronianer!«
73 »Aus dem... Feuer aber wird Alles, sagte Heraklit, und Feuer aus Allem, gleich wie aus Gold Güter und aus Gütern Gold.« (F. Lassalle, »Die Philosophie Herakleitos des Dunkeln«, Berlin 1858, Bd. I, p.222.) Lassalles Note zu dieser Stelle, p.224, n.3, erklärt das Geld unrichtig für bloßes Wertzeichen.
74 »Jeder Verkauf ist Kauf« (Dr. Quesnay, »Dialogues sur le Commerce et les Travaux des Artisans«, [in] »Physiocrates«, éd. Daire, I. Partie, Paris 1846, p. 170), oder, wie Quesnay in seinen »Maximes Générales« sagt: »Verkaufen ist kaufen.«
75 »Der Preis einer Ware kann nur mit dem Preis einer anderen Ware bezahlt werden.« (Mercier de la Rivière, »L'Ordre naturel et essentiel des sociétés politiques«, [in] »Physiocrates«, éd. Daire, II. Partie, p.554.)
76 »Um dieses Geld zu haben, muß man verkauft haben.« (l.c. p.543.)
77 Ausnahme, wie vorher bemerkt, bildet der Gold-resp. Silberproduzent, der sein Produkt austauscht, ohne es vorher verkauft zu haben.
78 »Wenn das Geld in unserer Hand die Dinge darstellt, die wir zu kaufen wünschen können, so stellt es auch die Dinge dar, die wir für dieses Geld verkauft haben.« (Mercier de la Rivière, l.c. p.586.)
79 »Demnach gibt es vier Endpunkte und drei Vertragspartner, von denen einer zweimal eingreift.« (Le Trosne, l.c. p.909.)
80 Note zur 2. Ausg. So handgreiflich dies Phänomen ist, wird es dennoch von politischen Ökonomen meist übersehen, namentlich vom Freihändler vulgaris.
81 Vergleiche meine Bemerkungen über James Mill, »Zur Kritik etc.«, p. 74-76. Zwei Punkte sind hier charakteristisch für die Methode der ökonomistischen Apologetik. Erstens die Identifizierung von Warenzirkulation und unmittelbarem Produktenaustausch durch einfache Abstraktion von ihren Unterschieden. Zweitens der Versuch, die Widersprüche des kapitalistischen Produktionsprozesses wegzuleugnen, indem man die Verhältnisse seiner Produktionsagenten in die einfachen Beziehungen auflöst, die aus der Warenzirkulation entspringen. Warenproduktion und Warenzirkulation sind aber Phänomene, die den verschiedensten Produktionsweisen angehören, wenn auch in verschiednem Umfang und Tragweite. Man weiß also noch nichts von der differentia specifica dieser Produktionsweisen und kann sie daher nicht beurteilen, wenn man nur die ihnen gemeinschaftlichen, abstrakten Kategorien der Warenzirkulation kennt. In keiner Wissenschaft außer der politischen Ökonomie herrscht so große Wichtigtuerei mit elementarischer Gemeinplätzlichkeit. Z.B. J. B. Say nimmt sich heraus, über die Krisen abzuurteilen, weil er weiß, daß die Ware Produkt ist.
82 Selbst wenn die Ware wieder und wieder verkauft wird, ein Phänomen, das hier noch nicht für uns existiert, fällt sie mit dem letzten definitiven Verkauf aus der Sphäre der Zirkulation in die der Konsumtion, um hier als Lebensmittel oder als Produktionsmittel zu dienen.
83 »Es« (das Geld) »hat keine andere Bewegung als die, die ihm durch die Produkte verliehen wird.« (Le Trosne, l.c. p.885.)
84 »Die Produkte sind es, die es« (das Geld) »in Bewegung setzen und es zirkulieren machen... Durch die Geschwindigkeit seiner« (d.h. des Geldes) »Bewegung wird seine Quantität ergänzt. Wenn notwendig, gleitet es nur von einer Hand in die andre, ohne sich einen Augenblick aufzuhalten.« (Le Trosne, l.c. p.95, 916.)
85 »Weil Geld... das allgemeine Maß für Kauf und Verkauf darstellt, ist jeder, der etwas zu verkaufen hat, aller keinen Käufer finden kann, sofort geneigt, zu denken, daß Mangel an Geld im Kingdom oder im Lande schuld sei, wenn seine Waren keinen Absatz finden; daher allenthalben das Geschrei über den Mangel an Geld, was jedoch ein großer Irrtum ist... Was brauchen diese Leute, die nach Geld schreien?... Der Pächter klagt... er denkt, wenn mehr Geld im Lande wäre, konnte er einen Preis für seine Güter bekommen... Also fehlt ihm anscheinend nicht Geld, sondern ein Preis für sein Korn und sein Vieh, das er verkaufen möchte, aber nicht kann... Warum kann er keinen Preis erzielen?...1. Entweder es gibt zu viel Korn und Vieh im Land, so daß den meisten, die auf den Markt kommen, ebenso wie ihm das Verkaufen not tut, das Kaufen aber nur wenigen, oder 2. der gewöhnliche Absatz durch Ausfuhr stockt... oder 3. der Konsum wird geringer, wenn z.B. die Leute infolge Armut nicht mehr soviel für ihren Haushalt ausgeben wie früher. Deshalb ist es nicht die Vermehrung von Geld schlechthin, die sich günstig auf die Güter des Pächters auswirken würde, sondern die Beseitigung einer dieser drei Ursachen, die wirklich den Markt niederhalten... Kaufmann und Krämer brauchen in gleicher Weise Geld, d.h., weil die Märkte stocken, fehlt ihnen der Absatz der Güter, mit denen sie handeln... Eine Nation gedeiht niemals besser, als wenn die Reichtümer schnell von Hand zu Hand gehen.« (Sir Dudley North, »Discourses upon Trade«, Lond. 1691, p. 11-15 passim.) Herrenschwands Schwindeleien kommen alle darauf hinaus, daß die aus der Natur der Ware entspringenden und daher in der Warenzirkulation erscheinenden Widersprüche durch Vermehrung der Zirkulationsmittel beseitigt werden können. Aus der Volksillusion, welche Stockungen des Produktions- und Zirkulationsprozesses einem Mangel an Zirkulationsmitteln zuschreibt, folgt übrigens keineswegs umgekehrt, daß wirklicher Mangel an Zirkulationsmitteln, z.B. infolge offizieller Pfuschereien mit der »regulation of currency« nicht seinerseits Stockungen hervorrufen kann.
86 »Es gibt ein bestimmtes Maß und Verhältnis des Geldes, das erforderlich ist, um den Handel einer Nation in Gang zu halten; ein Mehr oder Weniger wurde ihm Abbruch tun. Geradeso wie in einem kleinen Detailgeschäft eine bestimmt? Menge von Farthings notwendig ist, um die Silbermünzen zu wechseln und solche Zahlungen zu leisten, die mit den kleinsten Silbermünzen nicht geleistet werden können... Ebenso wie nun das zahlenmäßige Verhältnis der im Handel notwendigen Farthings von der Zahl der Käufer, der Häufigkeit ihrer Käufe und vor allem auch von dem Wert der kleinsten Silbermünze abhängig ist, so ist in ähnlicher Weise das Verhältnis des für unseren Handel notwendigen Geldes (Gold- und Silbermünzen) bestimmt durch die Häufigkeit der Tauschvorgänge und die Höhe der Zahlungen.« (William Petty, »A Treatise on Taxes and Contributions«, Lond. 1667, p. 17.) Die Humesche Theorie ward gegen J. Steuart u.a. verteidigt von A. Young in seiner »Political Arithmetic«, Lond. 1774, wo ein eignes Kapitel: »Prices depend on quantity of money«, p. 112 sqq. Ich bemerke »Zur Kritik etc.«, p. 149: »Die Frage über die Quantität der zirkulierenden Münze beseitigt er (A. Smith) stillschweigend, indem er das Geld ganz falsch als bloße Ware behandelt.« Dies gilt nur, soweit A. Smith ex officio das Geld behandelt. Gelegentlich jedoch, z.B. in der Kritik der früheren Systeme der Pol. Ökon., spricht er das Richtige aus: »Die Menge des gemünzten Geldes wird in jedem Lande durch den Wert der Waren geregelt, deren Umlauf es zu vermitteln hat... Der Wert der in einem Lande jährlich gekauften und verkauften Güter erfordert eine gewisse Menge Geld, um sie zu zirkulieren und an ihre eigentlichen Verbraucher zu verteilen, kann aber für mehr Geld keine Verwendung schaffen. Der Kanal der Zirkulation zieht notwendigerweise eine Summe an, die genügt, um ihn zu füllen, nimmt aber nie eine größere auf.« (»Wealth of Nations«, [vol. III,] 1. IV, ch. I. [p. 87, 89.]) Ähnlicher eröffnet A. Smith sein Werk ex officio mit einer Apotheose der Teilung der Arbeit. Hinterher, im letzten Buch über die Quellen des Staatseinkommens, reproduziert er gelegentlich A. Fergusons, seines Lehrers, Denunziation der Teilung der Arbeit.
87 »Die Preise der Dinge werden sicherlich in jedem Lande so steigen, wie die Menge an Gold und Silber unter den Leuten anwächst; folglich müssen auch, wenn in einem Lande Gold und Silber sich vermindern, die Preise aller Waren einer solchen Verminderung des Geldes entsprechend fallen.« (Jacob Vanderlint, »Money answers all Things«, Lond. 1734, p. 5.) Nähere Vergleichung zwischen Vanderlint und Humes »Essays« läßt mir nicht den geringsten Zweifel, daß Hume V.'s übrigens bedeutende Schrift kannte und benutzte. Die Ansicht, daß die Masse der Zirkulationsmittel die Preise bestimmt, auch bei Barbon und noch viel älteren Schriftstellern. »Keine Ungelegenheit«, sagt Vanderlint, »kann durch ungehinderten Handel entstehen, sondern nur sehr großer Nutzen, denn wenn die Bargeldmenge der Nation durch ihn verringert wird, was ja die Prohibitionsmaßnahmen verhindern sollen, so werden die Nationen, denen das Bargeld zufließt, sicher feststellen, daß alle Dinge in dem Maße im Preise steigen, wie die Bargeldmenge bei ihnen anwächst. Und... unsere Manufakturprodukte und alle anderen Waren werden bald so billig, daß sich die Handelsbilanz wieder zu unseren Gunsten wendet, und infolgedessen das Geld zu uns zurückfließt.« (l.c. p.43, 44.)
88 Daß jede einzelne Warenart durch ihren Preis ein Element der Preissumme aller zirkulierenden Waren bildet, ist selbstverständlich. Wie aber untereinander inkommensurable Gebrauchswerte sich en masse mit der in einem Land befindlichen Gold oder Silbermasse austauschen sollen. Ist völlig unbegreiflich. Verschwindelt man die Warenwelt in eine einzige Gesamtware, wovon jede Ware nur einen aliquoten Teil bildet, so kommt das schöne Rechenexempel heraus: Gesamtware = x Ztr. Gold. Ware A = aliquoter Teil der Gesamtware = derselbe aliquote Teil von x Ztr. Gold. Dies ehrlich heraus bei Montesquieu: »Wenn man die Masse des auf der Welt vorhandenen Goldes und Silbers mit der Summe der vorhandenen Waren vergleicht, so kann man gewiß jedes einzelne Erzeugnis bzw. Ware mit einer bestimmten Menge des Geldes vergleichen. Unterstellen wir einmal, daß es nur ein einziges Erzeugnis bzw. eine einzige Ware auf der Welt gibt oder daß nur eine gekauft wird und daß sie ebenso teilbar ist wie das Geld: ein gewisser Teil dieser Ware wird dann einem Teil der Geldmasse entsprechen: die Hälfte der Gesamtheit der Waren der Hälfte der gesamten Geldmasse usw. ... die Bestimmung der Warenpreise hängt im Grunde genommen stets vom Verhältnis der Gesamtmenge der Waren zur Gesamtmenge der Geldzeichen ab.« (Montesquieu, l.c., t. III, p. 12, 13.) Über die Weiterentwicklung dieser Theorie durch Ricardo, seinen Schüler James Mill, Lord Overstone usw. vgl. »Zur Kritik etc.«, p. 140-146, und p. 150 sqq. Herr J. St. Mill versteht es, mit der ihm geläufigen eklektischen Logik, der Ansicht seines Vaters J. Mill und zugleich der entgegengesetzten zu sein. Vergleicht man den Text seines Kompendiums: »Princ. of Pol. Econ.«, mit der Vorrede (erste Ausgabe), worin er sich selbst als Adam Smith der Gegenwart ankündet, so weiß man nicht, was mehr bewundern, die Naivetät des Mannes oder die des Publikums, das ihn auf Treu und Glauben in den Kauf nahm als Adam Smith, zu dem er sich etwa verhält wie General Williams Kars von Kars zum Herzog von Wellington. Die weder umfangreichen noch gehaltreichen Originalforschungen des Herrn J. St. Mill im Gebiet der Pol. Ök. findet man alle in Reih' und Glied aufmarschiert in seinem 1844 erschienenen Schriftchen: »Some Unsettled Questions of Political Economy.« Locke spricht direkt den Zusammenhang zwischen der Wertlosigkeit von Gold und Silber und der Bestimmung ihres Werts durch Quantität aus. »Da die Menschen übereingekommen sind, Gold und Silber einen imaginären Wert zu verleihen... ist der innere Wert, den man in diesen Metallen erblickt, nichts als ihre Quantität.« (»Some Considerations etc.«, 1691, [in] »Works«, ed. 1777, vol. II, p. 15.)
89 Es liegt natürlich ganz jenseits meines Zwecks, Details wie Schlagschatz u. dgl. zu behandeln. Gegenüber dem romantischen Sykophanten Adam Müller jedoch, der »die großartige Liberalität« bewundert, womit die »englische Regierung unentgeltlich münzt«, folgendes Urteil Sir Dudley Norths: »Silber und Gold haben wie andere Waren ihre Ebbe und Flut. Wenn eine Ladung aus Spanien ankommt,... wird sie in den Tower gebracht und ausgemünzt. Nicht lange danach entsteht Nachfrage nach Barren für die Ausfuhr. Wenn nun keine vorhanden sind, sondern zufällig alles gemünzt ist, was dann? Man wird es wieder einschmelzen; dies bedeutet keinen Verlust, da das Münzen den Eigentümer nichts kostet. Aber die Nation hat den Schaden, denn sie zahlt dafür, daß Stroh, mit dem man Esel füttert, vorher geflochten wird. Wenn der Kaufmann« (North war selbst einer der größten Kaufleute zu Charles II. Zeit) »einen Preis für das Münzen zu zahlen hätte, würde er nicht, ohne zu überlegen, sein Silber in den Tower schicken, und gemünztes Geld würde dann stets einen höheren Wert haben als ungemünztes Silber.« (North, l.c. p.18.)
90 »Wenn nie mehr Silbergeld vorhanden ist, als man für die kleineren Zahlungen benötigt, kann es nicht in für größere Zahlungen ausreichenden Mengen angesammelt werden... Die Verwendung von Gold für große Zahlungen schließt notwendig auch seine Verwendung im Detailhandel ein: Wer Goldmünzen hat, benutzt sie auch bei kleineren Einkäufen und erhält mit der gekauften Ware den Rest in Silber zurück; dadurch wird der Überschuß an Silber, der sonst den Detailhändler belasten würde, diesem entzogen und in die allgemeine Zirkulation zurückgeführt. Wenn aber so viel Silber vorhanden ist, daß die kleinen Zahlungen unabhängig von Gold ausgeführt werden können, so wird der Detailhändler für kleine Käufe Silber er halten, das sich dann notwendig bei ihm anhäufen wird.« (David Buchanan, »Inquiry into the Taxation and Commercial Policy of Great Britain«, Edinburgh 1844, p.248, 249.)
91 Der Finanzmandarin Wan-mao-in ließ sich beigehn, dem Sohn des Himmels ein Projekt zu unterbreiten, welches versteckt auf Verwandlung der chinesischen Reichsassignaten in konvertible Banknoten hinzielte. Im Bericht des Assignaten-Komitees vom April 1854 erhält er gehörig den Kopf gewaschen. Ob er auch die obligate Tracht Bambushiebe erhielt, wird nicht gemeldet. »Das Komitee«, lautet es am Schluß des Berichts, »hat sein Projekt aufmerksam erwogen und findet, daß alles in ihm auf den Vorteil der Kaufleute ausgeht und nichts für die Krone vorteilhaft ist.« (»Arbeiten der Kaiserlich Russischen Gesandtschaft zu Peking über China.« Aus dem Russischen von Dr. K. Abel und F. A. Mecklenburg. Erster Band. Berlin 1858, p.54.) Über die beständige Entmetallung der Goldmünzen durch ihren Umlauf sagt ein »Governor« der Bank of England als Zeuge vor dem »House of Lord's Committee« (über »Bankacts«): »Jedes Jahr wird eine frische Klasse von Souverainen« (dies nicht politisch, sondern der Sovereign ist Name des Pfd. St.) »zu leicht. Die Klasse, welche das eine Jahr als vollwichtig passiert, verliert durch den Verschleiß hinreichend, um das nächste Jahr die Waagschale gegen sich zu drehn.« (H. o. Lords' Committee 1848, n. 429.)
92 Note zur 2. Ausgabe. Wie unklar selbst die besten Schriftsteller über Geldwesen die verschiednen Funktionen des Geldes auffassen, zeigt z.B. folgende Stelle aus Fullarton: »Was unseren inländischen Austausch betrifft, können alle Geldfunktionen, die gewöhnlich von Gold- oder Silbermünzen erfüllt werden, ebenso wirksam durch eine Zirkulation von nicht einlösbaren Noten erfüllt werden, die keinen anderen Wert haben als diesen künstlichen und auf Übereinkunft beruhenden Wert, den sie durch Gesetz erhalten haben – eine Tatsache, die, denke ich, nicht geleugnet werden kann. Ein Wert dieser Art könnte all den Zwecken eines inneren Wertes dienstbar gemacht werden und sogar die Notwendigkeit eines Wertmaßstabs überflüssig machen, sofern nur die Quantität seiner Ausgaben in den gehörigen Schranken gehalten wird.« (Fullarton, »Regulation of Currencies«, 2. ed., London 1845, p.21.) Also weil die Geldware durch bloße Wertzeichen in der Zirkulation ersetzt werden kann, ist sie als Maß der Werte und Maßstab der Preise überflüssig!
93 Daraus, daß Gold und Silber als Münze oder in der ausschließlichen Funktion als Zirkulationsmittel zu Zeichen ihrer selbst werden, leitet Nicholas Barbon das Recht der Regierungen her, »to raise money«, d.h., z.B. einem Quantum Silber, das Groschen hieß, den Namen eines größeren Silberquantums, wie Taler, zu geben und so den Gläubigern Groschen statt Taler zurückzuzahlen. »Geld verbraucht sich und wird leichter durch vielfaches Auszählen... Es ist die Benennung und der Kurs des Geldes, was die Leute im Handel beachten, und nicht die Menge des Silbers... Es ist die Staatsautorität, die das Metall zum Gelde macht.« (N. Barbon, l.c. p.29, 30, 25.)
94 »Reichtum an Geld ist nichts weiter als... Reichtum an Erzeugnissen, die in Geld verwandelt worden sind.« (Mercier de la Rivière, l.c. p.573.) »Ein Wert in Form von Erzeugnissen hat nur die Form gewechselt.« (ib., p.486.)
95 »Durch diese Maßnahme halten sie all ihre Güter und Fabrikate so niedrig im Preis.« (Vanderlint, l.c. p.95, 96.)
96 »Geld ist ein Pfand.« (John Bellers, »Essays about the Poor, Manufactures, Trade, Plantations, and Immorality«, Lond. 1699, p, 13.)
97 Kauf im kategorischen Sinn unterstellt nämlich Gold oder Silber schon als verwandelte Gestalt der Ware oder als Produkt des Verkaufs.
98 Heinrich III., allerchristlichster König von Frankreich, raubt Klöstern usw. ihre Reliquien, um sie zu versilbern. Man weiß, welche Rolle der Raub der delphischen Tempelschätze durch die Phokäer in der griechischen Geschichte spielt. Dem Gott der Waren dienten bei den Alten bekanntlich die Tempel zum Wohnsitz. Sie waren »heilige Banken«. Den Phöniziern, einem Handelsvolke par excellence, galt Geld als die entäußerte Gestalt aller Dinge. Es war daher in der Ordnung, daß die Jungfrauen, die sich an den Festen der Liebesgöttin den Fremden hingaben, das zum Lohn empfangene Geldstück der Göttin opferten.
»Gold! kostbar, flimmernd, rotes Gold!
Soviel hievon, macht schwarz weiß, häßlich schön;
Schlecht gut, alt jung, feig tapfer, niedrig edel.
...Ihr Götter! warum dies? warum dies, Götter;
Ha! dies lockt Euch den Priester vom Altar;
Reißt Halbgenes'nen weg das Schlummerkissen;
Ja dieser rote Sklave löst und bindet
Geweihte Bande; segnet den Verfluchten;
Er macht den Aussatz lieblich; ehrt den Dieb,
Und gibt ihm Rang, gebeugtes Knie und Einfluß
Im Rat der Senatoren; dieser führt
Der überjähr'gen Witwe Freier zu;
...Verdammt Metall,
Gemeine Hure du der Menschen.«
(Shakespeare, »Timon of Athens«.)
»Denn kein so schmählich Übel, wie des Geldes Wert,
Erwuchs den Menschen: dies vermag die Städte selbst
Zu brechen, dies treibt Männer aus von Hof und Herd;
Dies unterweiset und verkehrt den edlen Sinn
Rechtschaffner Männer, nachzugeh'n ruchloser Tat,
Zeigt an die Wege böser List den Sterblichen,
Und bildet sie zu jedem gottverhaßten Werk.«
(Sophokles, »Antigone«.)
101 »Der Geiz hofft Pluton selbst aus dem Innern der Erde zu ziehen.« (Athen[aeus], »Deipnos«.)
102 »Die Zahl der Verkäufer jeder Ware soweit wie möglich zu vermehren, die Zahl der Käufer soweit wie möglich zu vermindern, das sind die Angelpunkte, um die sich alle Maßnahmen der politischen Ökonomie drehen.« (Verri, l.c. p.52, 53.)
103 »Um Handel zu treiben, bedarf jede Nation einer bestimmten Summe von specifick money, die wechselt und manchmal größer, manchmal kleiner ist, so wie es die Verhältnisse fordern... Diese Ebben und Fluten des Geldes regeln sich selbst ohne jede Hilfe der Politiker... Die Eimer arbeiten abwechselnd: wenn das Geld knapp ist, werden Barren gemünzt; sind Barren knapp, werden Münzen eingeschmolzen.« (Sir D. North, l.c. [Postscript,] p.3.) John Stuart Mill, lange Zeit Beamter der Ostindischen Kompanie, bestätigt, daß in Indien immer noch der Silberschmuck unmittelbar als Schatz funktioniert. Die »silbernen Schmuckstücke werden zum Ausmünzen gebracht, wenn ein hoher Zinssatz besteht; sie wandern zurück, wenn der Zinssatz fällt«. (J. St. Mills Evidence [in] »Repts. on Bankacts«, 1857, n. 2084, 2101.) Nach einem parlamentarischen Dokument von 1864 über Gold- und Silberimport und -export in Indien überstieg 1863 der Import von Gold und Silber den Export um 19367764 Pfd. St. in den letzten 8 Jahren vor 1864 betrug der Excess des Imports über den Export der edlen Metalle 109652917 Pfd. St. Während dieses Jahrhunderts wurden weit über 200000000 Pfd. St. in Indien gemünzt.
104 Luther unterscheidet zwischen Geld als Kaufmittel und Zahlungsmittel. »Machest mir einen Zwilling aus dem Schadewacht, das ich hie nicht bezalen und dort nicht kauffen kann.« (Martin Luther, »An die Pfarrherrn, wider den Wucher zu predigen«, Wittenberg 1540.)
105 Über die Schuldner- und Gläubigerverhältnisse unter den englischen Handelsleuten Anfang des 18. Jahrhunderts: »Unter den Handelsleuten herrscht hier in England ein solcher Geist der Grausamkeit, wie er in keiner anderen menschlichen Gesellschaft und in keinem anderen Land der Welt anzutreffen ist.« (»An Essay on Credit and the Bankrupt Act«, Lond. 1707, p.2.)
106 Note zur 2. Ausg. Aus folgendem, meiner 1859 erschienenen Schrift entlehnten Zitat wird man sehn, warum ich im Text keine Rücksicht nehme auf eine entgegengesetzte Form: »Umgekehrt kann im Prozeß G – W das Geld als wirkliches Kaufmittel entäußert und der Preis der Ware so realisiert werden, ehe der Gebrauchswert des Geldes realisiert oder die Ware veräußert wird. Dies findet z.B. statt in der alltäglichen Form der Pränumeration. Oder in der Form, worin die englische Regierung das Opium der Ryots in Indien... kauft. So wirkt jedoch das Geld nur in der schon bekannten Form des Kaufmittels... Kapital wird natürlich auch in der Form des Geldes avanciert... Dieser Gesichtspunkt fällt aber nicht in den Horizont der einfachen Zirkulation.« (»Zur Kritik etc.«, p. 119, 120.)
107 Die Geldkrise, wie im Text bestimmt als besondre Phase jeder allgemeinen Produktions- und Handelskrise, ist wohl zu unterscheiden von der speziellen Sorte der Krise, die man auch Geldkrise nennt, die aber selbständig auftreten kann, so daß sie auf Industrie und Handel nur rückschlagend wirkt. Es sind dies Krisen, deren Bewegungszentrum das Geld-Kapital ist, und daher Bank, Börse, Finanz ihre unmittelbare Sphäre. (Note von M. zur 3.Aufl.)
108 »Dieses plötzliche Umschlagen aus dem Kreditsystem in das Monetarsystem fügt den theoretischen Schrecken zum praktischen Panik: und die Zirkulationsagenten schaudern vor dem undurchdringlichen Geheimnis ihrer eignen Verhältnisse.« (Karl Marx, l.c. p. 126.) »Die Armen haben keine Arbeit, weil die Reichen kein Geld haben, um sie zu beschäftigen, obwohl sie die gleichen Ländereien und die gleichen Arbeitskräfte besitzen wie früher, um Lebensmittel und Kleider herstellen zu lassen; diese aber bilden den wahren Reichtum einer Nation und nicht das Geld.« (John Bellers, »Proposals for raising a Colledge of Industry«, Lond. 1696, p.3, 4.)
109 Wie solche Momente von den »amis du commerce« ausgebeutet werden: »Bei einer Gelegenheit« (1839) »hob ein alter habsüchtiger Bankier« (der City) »in seinem Privatzimmer den Deckel des Schreibtisches, an dem er saß, und breitete vor einem Freunde Bündel von Banknoten aus; mit innigem Vergnügen sagte er, das seien 600 000 Pfd. St., die zurückgehalten worden wären, um das Geld knapp zu machen, und die alle in den Verkehr gebracht würden nach 3 Uhr desselben Tages.« ([H. Roy,] »The Theory of the Exchanges. The Bank Charter Act of 1844«, Lond. 1864, p. 81.) Das halboffizielle Organ, »The Observer«, bemerkt am 24. April 1864: »Einige sehr eigenartige Gerüchte sind im Umlauf über die Mittel, die in der Absicht, eine Knappheit in Banknoten herbeizuführen, angewendet worden sind... So fragwürdig es auch scheinen mag anzunehmen, daß irgendwelche derartige Tricks angewendet werden könnten, so war die Nachricht darüber doch so weit verbreitet, daß man sie in der Tat erwähnen muß.«
110 »Der Umfang der Verkäufe oder Verträge, die während eines bestimmten Tages abgeschlossen werden, beeinflußt nicht die Geldmenge, die an diesem Tage umläuft, aber in der großen Mehrzahl der Fälle wird sie sich auflösen in mannigfaltiges Ziehen von Wechseln auf die Geldmenge, die an späteren, mehr oder weniger fernen Tagen im Umlauf sein mag... Die heute gewährten Wechsel oder eröffneten Kredite brauchen weder in der Zahl noch in der Höhe noch in der Laufzeit irgendeine Ähnlichkeit zu haben mit denen, die auf morgen oder übermorgen gewährt oder aufgenommen wurden; vielmehr decken sich viele der heutigen Wechsel und Kredite, wenn fällig, mit einer Menge von Verbindlichkeiten, deren Ursprung sich über eine Reihe früherer, völlig unbestimmter Daten verteilt. Wechsel mit 12, 6, 3 oder 1 Monat Laufzeit treffen oft so zusammen, daß sie die an einem bestimmten Tage fälligen Verbindlichkeiten besonders anwachsen lassen...« (»The Currency Theory Reviewed; a letter to the Scotch people. By a Banker in England«, Edinburgh 1845, p. 29, 30 passim.)
111 Als Beispiel, wie wenig reelles Geld in die eigentlichen Handelsoperationen eingeht, folgt hier das Schema eines der größten Londoner Handelshäuser (Morrison, Dillon & Co.) über seine jährlichen Geldeinnahmen und Zahlungen. Seine Transaktionen im Jahr 1856, die viele Millionen Pfd. St. umfassen, sind auf den Maßstab einer Million verkürzt.
Einnahmen Pfd.St. Ausgaben Pfd. St.
Wechsel von Bankiers und Wechsel nach Datum zahlbar 302.674
Kaufleuten nach Datum Cheques auf Londoner
zahlbar 553.596 Bankiers 663.672
Cheques von Bankiers etc. Noten der Bank von England 22.743
bei Sicht zahlbar 357.715 Gold 9.427
Landbank—Noten 9627 Silber und Kupfer 1.484
Noten der Bank von England 68.554
Gold 28089
Silber und Kupfer 1.486
Post Office Orders* 933
————————————
Totalsumme: 1.000.000 Totalsumme: 1.000.000
_______
* Postanweisungen
(»Report from the Select Committee on the Bank acts«, July 1858, p. LXXI.)
112 »Der Charakter des Geschäftsverkehrs hat sich derartig gewandelt, daß statt Tausch von Gütern gegen Güter oder statt Lieferung und Abnahme, jetzt Verkauf und Bezahlung stattfindet und alle Geschäfte... sich nunmehr als reine Geldgeschäfte darstellen.« ([D. Defoe,] »An Essay upon Publick Credit«, 3. ed., Lond. 1710, p.8.)
113 »Das Geld ist der Henker aller Dinge geworden.« Die Finanzkunst ist »die Retorte, in der eine schreckenerregende Menge von Gütern und Waren verdampft worden ist, um diesen unheilvollen Extrakt zu gewinnen«. »Das Geld erklärt dem ganzen Menschengeschlecht den Krieg.« (Boisguillebert, »Dissertation sur la nature des richesses, de l'argent et des tributs«, édit. Daire, »Économistes financiers«, Paris 1843, t. I, p. 413, 419, 417, 418.)
114 »Pfingstmontag 1824«, erzählt Herr Craig dem parlamentarischen Untersuchungskomitee von 1826, »war eine solche ungeheure Nachfrage für Banknoten in Edinburgh, daß wir um 11 Uhr keine einzige Note mehr in unsrem Verwahrsam hatten. Wir sandten der Reihe nach zu den verschiednen Banken, um welche zu borgen, konnten aber keine erhalten, und viele Transaktionen konnten nur durch slips of paper berichtigt werden. Um 3 Uhr nachmittags jedoch waren bereits sämtliche Noten returniert zu den Banken, von denen sie ausliefen. Sie hatten nur die Hände gewechselt.« Obgleich die effektive Durchschnittszirkulation der Banknoten in Schottland weniger als 3 Mill. Pfd. St. beträgt, wird dennoch, an verschiednen Zahlungsterminen im Jahr, jede im Besitz der Bankiers befindliche Note, alles in allem ungefähr 7 Mill. Pfd. St., in Aktivität gerufen. Bei diesen Gelegenheiten haben die Noten eine einzige und spezifische Funktion zu vollziehen, und sobald sie vollzogen, fließen sie zu den respektiven Banken zurück, von denen sie ausliefen. (John Fullarton, »Regulation of Currencies«, 2nd. ed. Lond. 1845, p.86, Nte.) Zum Verständnis ist hinzuzufügen, daß in Schottland zur Zeit von Fullartons Schrift nicht cheques, sondern nur Noten für die Deposits ausgegeben wurden.
115 Auf die Frage, »ob, wenn die Notwendigkeit bestände. 40 Millionen im Jahre umzusetzen, dieselben 6 Millionen« (Gold) »für die sich ergebenden Umläufe und Kreisläufe genügen würden, die der Handel erfordere?« antwortet Petty mit seiner gewohnten Meisterschaft: »Ich antworte ja: für den Betrag von 40 Millionen würden schon 40/52 von 1 Million ausreichen, wenn die Umläufe so kurzfristige, d.h. wöchentliche wären, wie das unter armen Handwerkern und Arbeitern geschieht, die jeden Sonnabend erhalten und zahlen; wenn jedoch die Termine vierteljährlich sind, wie bei uns üblicherweise Pacht gezahlt und Steuern erhoben werden, dann benötigt man 10 Millionen. Wenn wir also annehmen, daß im allgemeinen die Zahlungen zu verschiedenen Terminen zwischen 1 und 13 Wochen erfolgen, muß man 10 Millionen zu 40/52 addieren, wovon die Hälfte ca. 5 ½ Millionen beträgt, so daß also 5 ½ Millionen ausreichen würden.« (William Petty, »Political Anatomy of Ireland. 1672«, edit. Lond. 1691, p. 13, 14.)
116 Daher die Abgeschmacktheit jeder Gesetzgebung, die den Nationalbanken vorschreibt, nur das edle Metall aufzuschatzen, das im Innern des Landes als Geld funktioniert. Die so selbstgeschaffnen »holden Hindernisse« der Bank von England z.B. sind bekannt. Über die großen historischen Epochen des relativen Wertwechsels von Gold und Silber sieh Karl Marx, l.c. p. 136 sq. – Zusatz zur 2. Ausgabe: Sir Robert Peel suchte in seinem Bankact von 1844 dem Mißstand dadurch abzuhelfen, daß er der Bank von England erlaubte, Noten auf Silberbullion auszugeben, so daß jedoch der Silbervorrat nie mehr als ein Viertel des Goldvorrats. Der Silberwert wird dabei geschätzt nach seinem Marktpreis (in Gold) auf dem Londoner Markt. 〈Zur 4. Auflage. – Wir befinden uns wieder in einer Epoche starken relativen Wertwechsels von Gold und Silber. Vor etwa 25 Jahren war das Wertverhältnis des Goldes zum Silber = 15 ½:1, jetzt ist es ungefähr = 22:1, und Silber fällt noch fortwährend gegen Gold. Dies ist wesentlich Folge einer Umwälzung in der Produktionsweise beider Metalle. Früher wurde Gold fast nur durch Auswaschen goldhaltiger Alluvialschichten, der Verwitterungsprodukte goldhaltiger Gesteine, gewonnen. Jetzt reicht diese Methode nicht mehr aus und ist in den Hintergrund gedrängt durch die früher nur in zweiter Linie betriebne, obwohl schon den Alten (Diodor, III, 12-14) wohlbekannte Bearbeitung der goldhaltigen Quarzgänge selbst. Andrerseits wurden nicht nur im Westen der amerikanischen Felsengebirge ungeheure neue Silberlager entdeckt, sondern diese und die mexikanischen Silbergruben durch Eisenbahnen erschlossen, die Zufuhr von moderner Maschinerie und von Brennstoff und dadurch Silbergewinnung auf größtem Maßstab und mit geringeren Kosten ermöglicht. Es besteht aber ein großer Unterschied in der Art, wie beide Metalle in den Erzgängen vorkommen. Das Gold ist meist gediegen, aber dafür in winzig kleinen Mengen im Quarz zerstreut; die ganze Gangart muß daher zerstampft und das Gold ausgewaschen, resp. durch Quecksilber ausgezogen werden. Auf 1000000 Gramm Quarz kommt dann oft kaum 1-3, sehr selten 30-60 Gramm Gold. Silber kommt selten gediegen, dafür aber in eignen, verhältnismäßig leicht von der Gangart zu trennenden Erzen vor, die meist von 40-90 Prozent Silber enthalten; oder aber es ist in geringeren Mengen enthalten in den an sich schon Bearbeitung lohnenden Erzen von Kupfer, Blei etc. Schon hieraus geht hervor, daß, während die Produktionsarbeit des Goldes sich eher vermehrt, die des Silbers sich entschieden vermindert hat, der Wertfall des letztren sich also ganz natürlich erklärt. Dieser Wertfall würde sich in noch größrem Preisfall ausdrücken, würde nicht der Silberpreis auch jetzt noch durch künstliche Mittel hochgehalten. Die Silberschätze von Amerika sind aber erst zum kleinen Teil zugänglich gemacht, und so ist alle Aussicht vorhanden, daß der Silberwert noch längere Zeit am Sinken bleibt. Hierzu muß noch mehr beitragen die relative Abnahme des Silberbedarfs für Gebrauchs- und Luxusartikel, sein Ersatz durch plättierte Waren, Aluminium etc. Danach ermesse man den Utopismus der bimetallistischen Vorstellung, ein internationaler Zwangskurs werde das Silber auf das alte Wertverhältnis von 1:15 ½ wieder hinaufschrauben. Eher dürfte das Silber auch auf dem Weltmarkt seine Geldqualität mehr und mehr einbüßen. – F.E.}
117 Die Gegner des Merkantilsystems, welches die Saldierung überschüssiger Handelsbilanz durch Gold und Silber als Zweck des Welthandels behandelte, verkannten ihrerseits durchaus die Funktion des Weltgeldes. Wie die falsche Auffassung der Gesetze, welche die Masse der Zirkulationsmittel regeln, sich in der falschen Auffassung der internationalen Bewegung der edlen Metalle nur widerspiegelt, habe ich ausführlich an Ricardo nachgewiesen (l.c. p. 150 sqq.). Sein falsches Dogma: »Eine ungünstige Handelsbilanz kann nie anders als durch eine Überfülle von Zirkulationsmitteln entstehen... Die Ausfuhr von Münzen ist ihrer Billigkeit geschuldet, und ist nicht die Folge, sondern die Ursache einer ungünstigen Bilanz« findet man daher schon bei Barbon: »Die Handelsbilanz, wenn es eine solche gibt, ist nicht die Ursache dafür, daß das Geld aus einem Lande ausgeführt wird. Die Ausfuhr ergibt sich vielmehr aus dem Wertunterschied der Edelmetalle in jedem Land.« (N. Barbon, l.c. p. 59.) MacCulloch in »The Literature of Political Economy: a classified Catalogue«, Lond. 1845, belobt Barbon für diese Antizipation, vermeldet aber wohlweislich die naiven Formen, worin bei B. die absurden Voraussetzungen des »currency principle« noch erscheinen, auch nur zu erwähnen. Die Kritiklosigkeit und selbst Unehrlichkeit jenes Katalogs gipfeln in den Abschnitten über die Geschichte der Geldtheorie, weil MacCulloch hier als Sykophant des Lord Overstone (ex-banker Loyd), den er »facile princeps argentariorum« nennt, schwanzwedelt.
118 Z.B. bei Subsidien, Geldanleihen zur Kriegführung oder zur Wiederaufnahme der Barzahlungen von Banken usw. kann Wert grade in der Geldform erheischt sein.
119 Note zur 2. Ausgabe: »Tatsächlich könnte ich mir keinen überzeugenderen Beweis dafür wünschen, daß der Mechanismus der Schatzbildung in Ländern mit Metallwährung imstande ist, jede notwendige Funktion bei Begleichung internationaler Verbindlichkeiten zu erfüllen, und zwar ohne wahrnehmbare Unterstützung durch die allgemeine Zirkulation, als die Leichtigkeit, mit der Frankreich, das erst im Begriffe war, sich von der Erschütterung durch eine zerstörende feindliche Invasion zu erholen, in einem Zeitraum von 27 Monaten die Zahlung der ihm auferlegten Kriegsentschädigung von fast 20 Millionen an die verbündeten Mächte leistete, und zwar einen beträchtlichen Teil dieser Summe in Metallgeld, ohne merkbare Einschränkung oder Störung des inländischen Geldumlaufs oder irgendwelche alarmierende Schwankungen seines Wechselkurses.« (Fullarton, l.c. p. 141.) 〈Zur 4. Auflage. – Ein noch schlagenderes Beispiel haben wir in der Leichtigkeit, womit dasselbe Frankreich 1871-1873 in 30 Monaten eine mehr als zehnfach größere Kriegsentschädigung, ebenfalls zum bedeutenden Teil in Metallgeld, abzutragen imstande war. – F. E.}
120 »Das Geld verteilt sich auf die Nationen nach ihren Bedürfnissen... indem es immer durch die Produkte angezogen wird.« (Le Trosne, l.c. p. 916.) »Die Minen, die fortwährend Gold und Silber liefern, sind ergiebig genug, um jeder Nation dieses notwendige Quantum zu liefern.« (J. Vanderlint, l.c. p.40.)
121 »Die Wechselkurse steigen und fallen in jeder Woche, sie steigen zu bestimmten Zeiten des Jahres zuungunsten einer Nation in die Höhe und erreichen zu anderen Zeiten die gleiche Höhe zu deren Vorteil.« (N. Barbon, l.c. p.39.)
122 Diese verschiednen Funktionen können in gefährlichen Konflikt geraten, sobald die Funktion eines Konversionsfonds für Banknoten hinzutritt.
123 »Was an Geld mehr vorhanden ist, als für den inländischen Handel unbedingt notwendig, stellt totes Kapital dar, und bringt dem Lande, das es besitzt, keinen Gewinn, außer wenn es selbst exportiert bzw. importiert wird.« (John Bellers, »Essays etc.«, p. 13.) »Was aber, wenn wir nun zuviel gemünztes Geld haben? Wir können dann das vollwichtigste einschmelzen und es zu prächtigem Tischgerät, zu Gefäßen und Hausrat aus Gold und Silber umarbeiten; oder es als Ware dorthin schicken, wo Bedarf und Nachfrage danach besteht; oder es dort auf Zins ausleihen, wo man einen hohen Zinssatz zahlt.« (W. Petty, »Quantulumcunque«, p. 39.) »Geld ist nur das Fett des Staatskörpers, weshalb zuviel davon ebenso seine Beweglichkeit behindert, wie zu wenig ihn krank macht... wie Fett die Bewegung der Muskeln geschmeidig macht, fehlende Nahrungsmittel ersetzt, Unebenheiten ausfüllt und den Körper verschönt, so erleichtert das Geld die Bewegungen des Staates, bringt, wenn Teuerung im Inlande, vom Auslande Lebensmittel herein, begleicht Schuldenrechnungen... und verschönt das Ganze; allerdings«, ironisch abschließend, »ganz besonders die einzelnen Personen, die viel davon haben.« (W. Petty, »Political anatomy of Ireland«, p. 14, 15.)
124 Der Gegensatz zwischen der auf persönlichen Knechtschafts- und Herrschaftsverhältnissen beruhenden Macht des Grundeigentums und der unpersönlichen Macht des Geldes ist klar gefaßt in den zwei französischen Sprichworten: »Nulle terre sans seigneur.« »L'argent n'a pas de maître.«
125 »Mit Geld kauft man Waren, und mit Waren kauft man Geld.« (Mercier de la Rivière, »L'ordre naturel et essentiel des sociétés politiques«, p. 543.)
126 »Wenn ein Ding gekauft wird, um wieder verkauft zu werden, nennt man die hierzu verwendete Summe vorgeschossenes Geld; wird es gekauft, um nicht wieder verkauft zu werden, so kann man sie als verausgabt bezeichnen« (James Steuart, »Works etc.«, edited by General Sir James Steuart, his son, Lond. 1805, v, I, p.274.)
127 »Man tauscht nicht Geld gegen Geld aus«, ruft Mercier de la Rivière den Merkantilisten zu. (l.c. p.486.) In einem Werke, welches ex professo vom »Handel« und der »Spekulation« handelt, liest man: »Aller Handel besteht im Austausch von Dingen verschiedner Art; und der Vorteil« (für den Kaufmann?) »entspringt eben aus dieser Verschiedenheit. Ein Pfund Brot gegen ein Pfund Brot austauschen wäre ohne allen Vorteil... daher der vorteilhafte Kontrast zwischen Handel und Spiel, welches nur Austausch von Geld gegen Geld ist.« (Th. Corbet, »An Inquiry into the Causes and Modes of the Wealth of Individuals; or the Principles of Trade and Speculation explained«, London 1841, p. 5.) Obgleich Corbet nicht sieht, daß G – G, Geld gegen Geld austauschen, die charakteristische Zirkulationsform, nicht nur des Handelskapitals, sondern alles Kapitals ist, gibt er wenigenstens zu, daß diese Form einer Art des Handels, der Spekulation, mit dem Spiel gemein sei, aber dann kommt MacCulloch und findet, daß Kaufen, um zu verkaufen, Spekulieren ist, und der Unterschied zwischen Spekulation und Handel also wegfällt. »Jedes Geschäft, bei dem eine Person ein Erzeugnis kauft, um es wieder zu verkaufen, ist tatsächlich eine Spekulation.« (MacCulloch, »A Dictionary, practical etc. of Commerce«, London 1847, p. 1009.) Ungleich naiver Pinto, der Pindar der Amsterdamer Börse: »Der Handel ist ein Spiel« (dieser Satz entlehnt aus Locke), »und an Bettlern kann man nichts gewinnen. Wenn man lange Zeit hindurch allen alles abgenommen hätte, so müßte man in gütlichem Übereinkommen den größten Teil des Gewinns wieder zurückgeben, um das Spiel von neuem anzufangen.« (Pinto, »Traité de la Circulation et du Crédit«, Amsterdam 1771, p.231.)
128 »Das Kapital teilt sich... in das ursprüngliche Kapital und den Gewinn, den Zuwachs des Kapitals... obwohl die Praxis selbst diesen Gewinn sogleich wieder zum Kapital schlägt und mit diesem in Fluß setzt.« (F. Engels, »Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie« in »Deutsch-Französische Jahrbücher«, herausgegeben von Arnold Rüge und Karl Marx. Paris 1844, p.99.)
129 Aristoteles stellt der Chrematistik die Ökonomik entgegen. Er geht von der Ökonomik aus. Soweit sie Erwerbskunst, beschränkt sie sich auf die Verschaffung der zum Leben notwendigen und für das Haus oder den Staat nützlichen Güter. »Der wahre Reichtum (ho alêthinos ploutos) besteht aus solchen Gebrauchswerten: denn das zum guten Leben genügende Maß dieser Art von Besitz ist nicht unbegrenzt. Es gibt aber eine zweite Erwerbskunst, die vorzugsweise und mit Recht Chrematistik heißt, infolge deren keine Grenze des Reichtums und Besitzes zu existieren scheint. Der Warenhandel (›hê kapêlikê‹ heißt wörtlich Kramhandel, und Aristoteles nimmt diese Form, weil in ihr der Gebrauchswert vorherrscht) gehört von Natur nicht zur Chrematistik, denn hier bezieht sich der Austausch nur auf das für sie selbst (Käufer und Verkäufer) Nötige.« Daher, entwickelt er weiter, war auch die ursprüngliche Form des Warenhandels der Tauschhandel, aber mit seiner Ausdehnung entstand notwendig das Geld. Mit der Erfindung des Geldes mußte sich der Tauschhandel notwendig zur kapêlikê, zum Warenhandel entwickeln, und dieser, im Widerspruch zu seiner ursprünglichen Tendenz, bildete sich zur Chrematistik aus, zur Kunst, Geld zu machen. Die Chrematistik nun unterscheidet sich von der Ökonomik dadurch, daß »für sie die Zirkulation die Quelle des Reichtums ist (poiêtikê chrêmatôn ... dia chrêmatôn metabolês). Und um das Geld scheint sie sich zu drehen, denn das Geld ist der Anfang und das Ende dieser Art von Austausch (to gar nomisma stoicheion kai peras tês allagês estin). Daher ist auch der Reichtum, wie ihn die Chrematistik anstrebt, unbegrenzt. Wie nämlich jede Kunst, der ihr Ziel nicht als Mittel, sondern als letzter Endzweck gilt, unbegrenzt in ihrem Streben ist, denn sie sucht sich ihm stets mehr zu nähern, während die Künste, die nur Mittel zum Zwecke verfolgen, nicht unbegrenzt sind, da der Zweck selbst ihnen die Grenze setzt, so gibt es auch für diese Chrematistik keine Schranke ihres Ziels, sondern ihr Ziel ist absolute Bereicherung. Die Ökonomik, nicht die Chrematistik, hat eine Grenze... die erstere bezweckt ein vom Gelde selbst Verschiednes, die andere seine Vermehrung... Die Verwechslung beider Formen, die ineinander überspielen, veranlaßt einige, die Erhaltung und Vermehrung des Geldes ins Unendliche als Endziel der Ökonomik zu betrachten.« (Aristoteles, »De Rep.«, edit. Bekker, lib. I, c. 8 und 9 passim.)
130 »Waren« (hier im Sinn von Gebrauchswerten) »sind nicht der Endzweck des handeltreibenden Kapitalisten... sein Endzweck ist Geld.« (Th. Chalmers, »On Politic. Econ. etc.«, 2nd edit., Glasgow 1832, p. 165, 166.)
131 »Wenn der Kaufmann den bereits erzielten Gewinn auch nicht geringschätzt, so ist sein Blick doch immer auf den zukünftigen Gewinn gerichtet.« (A. Genovesi, »Lezioni di Economia Civile« (1765), Ausgabe der italienischen Ökonomen von Custodi, Parte Poderna, t. VIII, p. 139.)
132 »Die unauslöschliche Leidenschaft für den Gewinn, die auri sacra fames bestimmt stets den Kapitalisten.« (MacCulloch, »The Principles of Polit. Econ.«, London 1830, p. 179.) Diese Einsicht verhindert denselben MacCulloch und Konsorten natürlich nicht, in theoretischen Verlegenheiten, z.B. bei Behandlung der Überproduktion, denselben Kapitalisten in einen guten Bürger zu verwandeln, dem es sich nur um den Gebrauchswert handelt und der sogar einen wahren Werwolfsheißhunger entwickelt für Stiefel, Hüte, Eier, Kattune und andere höchst familiäre Sorten von Gebrauchswert.
133 »Sôzein« ist einer der charakteristischen Ausdrücke der Griechen für das Schatzbilden. Ebenso bedeutet »to save« zugleich retten und sparen.
134 »Das Unendliche, das die Dinge im Fortschreiten nicht haben, haben sie im Kreislauf.« (Galiani, [l.c. p. 156].)
135 »Nicht der Stoff bildet das Kapital, sondern der Wert dieser Stoffe.« (J. B. Say, »Traité d'Écon. Polit.«, 3ème éd., Paris 1817, t. II, p. 429.)
136 »Das Zirkulationsmittel (!), das zu produktiven Zwecken verwendet wird, ist Kapital.« (Macleod, »The Theory and Practice of Banking«, London 1855, v. I, c. 1, p. 55.) »Kapital ist gleich Waren.« (James Mill, »Elements of Pol. Econ.«, Lond. 1821, p.74.)
137 »Kapital... permanenter sich vervielfältigender Wert.« (Sismondi, »Nouveaux Principes d'Écon. Polit.«, t. I, p.89.)
138 »L'échange est une transaction admirable dans laquelle les deux contractants gagnent – toujours (!).« (Destutt de Tracy, »Traitié de la Volonté et de ses effets«, Paris 1826, p.68.) Dasselbe Buch erschien auch als »Traité d'Éc. Pol.«
139 Mercier de la Rivière, l.c. p.544.
140 »Ob einer dieser beiden Werte Geld ist oder beide gewöhnliche Waren sind, nichts kann an sich gleichgültiger sein.« (Mercier de la Rivière, l.c. p. 543.)
141 »Über den Wert entscheiden nicht die Vertragspartner; er steht schon vor der Übereinkunft fest.« (Le Trosne, l.c. p. 906.)
142 »Dove è egualità non è lucro.« (Galiani, »Della Moneta«, in Custodi, Parte Moderna, t. IV, p. 244.)
143 »Der Austausch wird für eine der beiden Parteien ungünstig, wenn irgendein fremder Umstand den Preis vermindert oder erhöht: dann ist die Gleichheit verletzt; aber diese Verletzung ist durch jene Ursache hervorgerufen und nicht durch den Austausch.« (Le Trosne, l.c. p. 904.)
144 »Der Austausch ist seiner Natur nach ein Vertrag, der auf Gleichheit aufbaut, d.h. zwischen zwei gleichen Werten zustande kommt. Er ist also kein Mittel, sich zu bereichern, da man ebensoviel gibt wie empfängt.« (Le Trosne, l.c. p. 903, 904.)
145 Condillac, »Le Commerce et le Gouvernement« (1776), Édit. Daire et Molinari in den »Mélanges d'Économie Politique«, Paris 1847, p.267, 291.
146 Le Trosne antwortet daher seinem Freunde Condillac sehr richtig: »In der entwickelten Gesellschaft gibt es überhaupt nichts Überflüssiges.« Zugleich neckt er ihn mit der Glosse, daß, »wenn beide Austauscher gleich viel mehr für gleich viel weniger erhalten, sie beide gleich viel erhalten«. Weil Condillac noch nicht die geringste Ahnung von der Natur des Tauschwerts besitzt, ist er der passende Gewährsmann des Herrn Prof. Wilhelm Roscher für seine eignen Kinderbegriffe. Sieh dessen: »Die Grundlagen der Nationalökonomie«, Dritte Auflage, 1858.
147 S. P. Newman, »Elements of Polit. Econ.«, Andover and New York 1835. p. 175.
148 »Durch die Heraufsetzung des nominellen Werts des Produkts... werden die Verkäufer nicht reicher... da sie genau das, was sie als Verkäufer gewinnen, in ihrer Eigenschaft als Käufer wieder ausgeben.« ([J. Gray ] »The Essential Principles of the Wealth of Nations etc.«, London 1797, p. 66.)
149 »Wenn man für 18 Livres eine Menge eines bestimmten Erzeugnisses verkaufen muß, die 24 Livres wert ist, wird man, wenn man die gleiche Geldsumme zum Kauf verwendet, für 18 Livres ebenfalls so viel wie für 24 Livres erhalten.« (Le Trosne, l.c. p. 897.)
150 »Kein Verkäufer kann daher gewöhnlich seine Waren im Preis heraufsetzen, ohne ebenso die Waren der anderen Verkäufer teurer bezahlen zu müssen; und aus dem gleichen Grunde kann kein Verbraucher gewöhnlich billiger einkaufen, ohne ebenso die Waren, die er verkauft, im Preise herabsetzen zu müssen.« (Mercier de la Rivière, l.c. p. 555.)
151 R. Torrens, »An Essay on the Production of Wealth«, London 1821, p. 349.
152 »Der Gedanke, daß die Profite von den Konsumenten gezahlt werden, ist sicher völlig absurd. Wer sind die Konsumenten?« (G. Ramsay, »An Essay on the Distribution of Wealth«, Edinburgh 1836, p. 183.)
153 »Wenn es jemand an Nachfrage mangelt, rät ihm dann Herr Malthus, eine andre Person zu bezahlen, damit diese ihm seine Waren abnehme?« fragt ein entrüsteter Ricardianer den Malthus, der wie sein Schüler, der Pfaffe Chalmers, die Klasse von bloßen Käufern oder Konsumenten ökonomisch verherrlicht. Sieh: »An Inquiry into those principles, respecting the Nature of Demand and the Necessity of Consumption, lately advocated by Mr. Malthus etc.«, London 1821, p. 55.
154 Destutt de Tracy, obgleich – vielleicht weil – Membre de l'Institut, war umgekehrter Ansicht. Die industriellen Kapitalisten, sagt er, machen dadurch ihre Profite, daß »sie alles teurer verkaufen, als es gekostet hat zu produzieren. Und an wen verkaufen sie? Erstens aneinander.« (l.c. p.239.)
155 »Der Austausch von zwei gleichen Werten vermehrt weder die Masse der in der Gesellschaft vorhandenen Werte, noch vermindert er sie. Der Austausch zweier ungleicher Werte... ändert ebenfalls nichts an der Summe der gesellschaftlichen Werte, da er dem Vermögen des einen zufügt, was er dem Vermögen des anderen wegnimmt.« (J. B. Say, l. c., t. II, p. 443, 444.) Say, natürlich unbekümmert um die Konsequenzen dieses Satzes, entlehnt ihn ziemlich wörtlich den Physiokraten. Die Art, wie er ihre zu seiner Zeit verschollenen Schriften zur Vermehrung seines eigenen »Wertes« ausgebeutet hat, zeige folgendes Beispiel. Der »berühmteste« Satz des Monsieur Say: »Man kann Produkte nur mit Produkten kaufen« (l.c., t. II, p. 438), lautet im physiokratischen Original: »Erzeugnisse lassen sich nur mit Erzeugnissen bezahlen.« (Le Trosne, l.c. p. 899.)
156 »Der Austausch überträgt keinerlei Wert auf die Produkte.« (F. Wayland, »The Elements of Pol. Econ.«, Boston 1843, p. 168.)
157 »Unter der Herrschaft unveränderlicher Äquivalente würde der Handel unmöglich sein.« (G. Opdyke, »A Treatise on polit. Economy«, New York 1851, p. 66 bis 69.) »Dem Unterschiede zwischen Realwert und Tauschwert liegt eine Tatsache zum Grunde – nämlich daß der Wert einer Sache verschieden ist von dem im Handel für sie gegebenen sogenannten Äquivalent, d.h., daß dies Äquivalent kein Äquivalent ist.« (F. Engels, l.c. p. 95, 96)
158 Benjamin Franklin, »Works«, vol. II, edit. Sparks in »Positions to be examined concerning National Wealth«, [p.376.]
159 Arist[oteles], l.c., c. 10, [p. 17].
160 »Unter den üblichen Bedingungen des Marktes wird Profit nicht durch Austausch gemacht. Wäre er nicht vorher vorhanden gewesen, so könnte er es auch nach dieser Transaktion nicht sein.« (Ramsey, l.c. p. 184.)
161 Nach der gegebenen Auseinandersetzung versteht der Leser, daß dies nur heißt; Die Kapitalbildung muß möglich sein, auch wenn der Warenpreis gleich dem Warenwert. Sie kann nicht aus der Abweichung der Warenpreise von den Warenwerten erklärt werden. Welchen die Preise von den Werten wirklich ab, so muß man sie erst auf die letzteren reduzieren, d.h. von diesem Umstande als einem zufälligen absehn, um das Phänomen der Kapitalbildung auf Grundlage des Warenaustauschs rein vor sich zu haben und in seiner Beobachtung nicht durch störende und dem eigentlichen Verlauf fremde Nebenumstände verwirrt zu werden. Man weiß übrigens, daß diese Reduktion keineswegs eine bloß wissenschaftliche Prozedur ist. Die beständigen Oszillationen der Marktpreise, ihr Steigen und Sinken, kompensieren sich, heben sich wechselseitig auf und reduzieren sich selbst zum Durchschnittspreis als ihrer inneren Regel. Diese bildet den Leitstern z.B. des Kaufmanns oder des Industriellen in jeder Unternehmung, die längeren Zeitraum umfaßt. Er weiß also, daß, eine längere Periode im ganzen betrachtet, die Waren wirklich weder unter noch über, sondern zu ihrem Durchschnittspreis verkauft werden. Wäre interesseloses Denken also überhaupt sein Interesse, so müßte er sich das Problem der Kapitalbildung so stellen: Wie kann Kapital entstehn bei der Regelung der Preise durch den Durchschnittspreis, d.h. in letzter Instanz durch den Wert der Ware? Ich sage »in letzter Instanz«, weil die Durchschnittspreise nicht direkt mit den Wertgroßen der Waren zusammenfallen, wie A. Smith, Ricardo usw. glauben.
162 »In der Form von Geld... erzeugt das Kapital keinen Profit.« (Ricardo, »Princ. of Pol. Econ.«, p. 267.)
163 In Realenzykldopädien des klassischen Altertums kann man den Unsinn lesen, daß in der antiken Welt das Kapital völlig entwickelt war, »außer daß der freie Arbeiter und das Kreditwesen fehlten«. Auch Herr Mommsen in seiner »Römischen Geschichte« begeht ein Quidproquo über das andre.
164 Verschiedne Gesetzgebungen setzen daher ein Maximum für den Arbeitskontrakt fest. Alle Gesetzbücher bei Völkern freier Arbeit regeln Kündigungsbedingungen des Kontrakts. In verschiednen Ländern, namentlich in Mexiko (vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg auch in den von Mexiko losgerissenen Territorien, und der Sache nach bis zu Kusas Umwälzung in den Donauprovinzen), ist die Sklaverei unter der Form von Peonage versteckt. Durch Vorschüsse, die in Arbeit abzutragen und sich von Generation zu Generation fortwälzen, wird nicht nur der einzelne Arbeiter, sondern seine Familie tatsächlich das Eigentum andrer Personen und ihrer Familien. Juárez hatte die Peonage abgeschafft. Der sogenannte Kaiser Maximilian führte sie wieder ein durch ein Dekret, das im Repräsentantenhaus zu Washington treffend als Dekret zur Wiedereinführung der Sklaverei in Mexiko denunziert ward. »Von meinen besondren körperlichen und geistigen Geschicklichkeiten und Möglichkeiten der Tätigkeit kann ich... einen in der Zeit beschränkten Gebrauch an einen andren veräußern, weil sie nach dieser Beschränkung ein äußerliches Verhältnis zu meiner Totalität und Allgemeinheit erhalten. Durch die Veräußerung meiner ganzen durch die Arbeit konkreten Zeit und der Totalität meiner Produktion würde ich das Substantielle derselben, meine allgemeine Tätigkeit und Wirklichkeit, meine Persönlichkeit zum Eigentum eines andren machen.« (Hegel, »Philosophie des Rechts«, Berlin 1840, p. 104, § 67.)
165 Was also die kapitalistische Epoche charakterisiert, ist, daß die Arbeitskraft für den Arbeiter selbst die Form einer ihm gehörigen Ware, seine Arbeit daher die Form der Lohnarbeit erhält. Andrerseits verallgemeinert sich erst von diesem Augenblick die Warenform der Arbeitsprodukte.
166 »Der Wert eines Mannes ist wie der aller anderen Dinge gleich seinem Preis: das will besagen, so viel, wie für den Gebrauch seiner Kraft gezahlt wird.« (Th. Hobbes, »Leviathan«, in »Works«, edit. Molesworth, London 1839-1844, v. III, p. 76.)
167 Der altrömische villicus, als Wirtschafter an der Spitze der Ackerbausklaven, empfing daher, »weil erleichtere Arbeit hat als die Knechte, knapperes Maß als diese«. (Th. Mommsen, »Röm. Geschichte«, 1856, p. 810.)
168 Vgl. »Over-Population and its Remedy«, London 1846, von W. Th. Thornton.
169 Petty.
170 »Ihr« (der Arbeit) »natürlicher Preis... besteht in einer solchen Menge von Subsistenzmitteln und Dingen der Bequemlichkeit, wie sie entsprechend dem Klima und den Gewohnheiten eines Landes notwendig sind, um den Arbeiter zu erhalten und es ihm zu ermöglichen, eine Familie aufzuziehen, die auf dem Markt ein unvermindertes Angebot von Arbeit zu sichern vermag,« (R. Torrens, »An Essay on the external Corn Trade«, London 1815, p. 62.) Das Wort Arbeit steht hier fälschlich für Arbeitskraft.
171 Rossi, »Cours d'Écon. Polit.«, Bruxelles 1843, p. 370, 371.
172 Sismondi, »Nouv. Princ. etc.«, t. I, p. 113.
173 »Alle Arbeit wird bezahlt, nachdem sie beendet ist.« (»An Inquiry into those Principles, respecting the Nature of Demand etc.«, p. 104.) »Der kaufmännische Kredit mußte in dem Moment anfangen, in dem der Arbeiter, der erste Schöpfer der Produktion, auf Grund seiner Ersparnisse in der Lage war, auf den Lohn seiner Arbeit bis zum Ende von ein bis zwei Wochen, eines Monats, eines Vierteljahres usw. zu warten.« (Ch. Ganilh, »Des Systèmes d'Écon. Polit.«, 2ème édit., Paris 1821, t. II, p. 150.)
174 »Der Arbeiter leiht seinen Fleiß«, aber, setzt Storch schlau hinzu: er »riskiert nichts«, außer »seinen Lohn zu verlieren... der Arbeiter überträgt nichts Materielles«. (Storch. »Cours d'Écon. Polit.«, Pétersbourg 1815, t. II, p. 36, 37.)
175 Ein Beispiel. In London existieren zweierlei Sorten von Bäckern, die »full priced«, die das Brot zu seinem vollen Werte verkaufen, und die »undersel lers«, die es unter diesem Werte verkaufen. Letztere Klasse bildet über ¾ der Gesamtzahl der Bäcker (p. XXXII im »Report« des Regierungskommissärs H. S. Tremenheere über die »Grievances complained of by the journeymen bakers etc.«, London 1862). Diese undersellers verkaufen, fast ausnahmslos, Brot, das verfälscht ist durch Beimischung von Alaun, Seife, Perlasche, Kalk, Derbyshire-Steinmehl und ähnlichen angenehmen, nahrhaften und gesunden Ingredienzien. (Sieh das oben zitierte Blaubuch, ebenso den Bericht des »Committee of 1855 on the Adulteration of Bread« und Dr. Hassalls, »Adulterations Detected«, 2nd, edit., London 1861.) Sir John Gordon erklärte vor dem Komitee von 1855, daß »infolge dieser Fälschungen der Arme, der von zwei Pfund Brot täglich lebt, jetzt nicht den vierten Teil des Nahrungsstoffes wirklich erhält, abgesehn von den schädlichen Wirkungen auf seine Gesundheit«. Als Grund, warum »ein sehr großer Teil der Arbeiterklasse«, obgleich wohl unterrichtet über die Fälschungen, dennoch Alaun, Steinmehl etc. mit in den Kauf nimmt, führt Tremenheere (l.c. p. XLVIII) an, daß es für sie »ein Ding der Notwendigkeit ist, von ihrem Bäcker oder dem chandler's shop das Brot zu nehmen, wie man es ihnen zu geben beliebt«. Da sie erst Ende der Arbeitswoche bezahlt werden, können sie auch »das während der Woche von ihren Familien verzehrte Brot erst Ende der Woche zahlen«; und, fügt Tremenheere mit Anführung der Zeugenaussagen hinzu: »Es ist notorisch, daß mit solchen Mixturen bereitetes Brot expreß für diese Art Kunden gemacht wird.« (»It is notorious that bread composed of those mixtures, is made expressly for sale in this manner.«) »In vielen englischen Agrikulturdistrikten« (aber noch mehr in schottischen) »wird der Arbeitslohn vierzehntägig und selbst monatlich gezahlt. Mit diesen langen Zahlungsfristen muß der Agrikulturarbeiter seine Waren auf Kredit kaufen... Er hat höhere Preise zu zahlen und ist tatsächlich an die Boutique gebunden, die ihm pumpt. So kostet ihm z.B. zu Horningsham in Wilts, wo die Löhnung monatlich, dasselbe Mehl 2 sh. 4 d. per stone, das er sonstwo mit 1 sh. 10 d. zahlt.« (»Sixth Report« on »Public Health« by »The Medical Officer of the Privy Council etc.«, 1864, p. 264.) »Die Kattun-Handdrucker von Paisley und Kilmarnock« (Westschottland) »erzwangen 1853 durch einen strike die Herabsetzung des Zahlungstermins von einem Monat auf 14 Tage.« (»Reports of the Inspectors of Factories for 31st Oct. 1853«, p. 34.) Als eine weitere artige Entwicklung des Kredits, den der Arbeiter dem Kapitalisten gibt, kann man die Methode vieler englischer Kohlenbergwerksbesitzer betrachten, wonach der Arbeiter erst Ende des Monats bezahlt wird und in der Zwischenzeit Vorschüsse vom Kapitalisten erhält, oft in Waren, die er über ihren Marktpreis zahlen muß (Trucksystem). »Es ist eine übliche Praxis der Kohlenherren, einmal im Monat auszuzahlen und ihren Arbeitern am Ende jeder dazwischenliegenden Woche Vorschuß zu geben. Dieser Vorschuß wird im Laden gegeben« (nämlich dem tommy-shop oder dem Meister selbst gehörigen Kramladen). »Die Männer nehmen ihn auf der einen Seite des Ladens in Empfang und geben ihn auf der anderen wieder aus.« (»Children's Employment Commission, III. Report«, Lond. 1864, p.38, n. 192.)
176 »Die naturwüchsigen Erzeugnisse der Erde, die in geringen Mengen und ganz unabhängig vom Menschen vorkommen, scheinen von der Natur in der gleichen Art gegeben zu sein, wie man einem jungen Mann eine knappe Summe gibt, um ihn auf den Weg des Fleißes und des Reichwerdens zu führen.« (James Steuart, »Principles of Polit. Econ.«, edit. Dublin 1770, v. I, p. 116.)
177 »Die Vernunft ist ebenso listig als mächtig. Die List besteht überhaupt in der vermittelnden Tätigkeit, welche, indem sie die Objekte ihrer eigenen Natur gemäß aufeinander einwirken und sich aneinander abarbeiten läßt, ohne sich unmittelbar in diesen Prozeß einzumischen, gleichwohl nur ihren Zweck zur Ausführung bringt.« (Hegel, »Enzyklopädie«. Erster Teil, »Die Logik«, Berlin 1840, p. 382.)
178 In der sonst elenden Schrift: »Théorie de l'Écon. Polit.«, Paris 1815, zählt Ganilh den Physiokraten gegenüber treffend die große Reihe von Arbeitsprozessen aufweiche die Voraussetzung der eigentlichen Agrikultur bilden.
179 In den »Réflexions sur la Formation et la Distribution des Richesses« (1766) entwickelt Turgot gut die Wichtigkeit des gezähmten Tiers für die Anfänge der Kultur.
180 Von allen Waren sind eigentliche Luxuswaren die unbedeutendsten für die technologische Vergleichung verschiedner Produktionsepochen.
181 Note zur 2. Ausg. So wenig die bisherige Geschichtsschreibung die Entwicklung der materiellen Produktion, also die Grundlage alles gesellschaftlichen Lebens und daher aller wirklichen Geschichte kennt, hat man wenigstens die vorhistorische Zeit auf Grundlage naturwissenschaftlicher, nicht sog. historischer Forschungen nach dem Material der Werkzeuge und Waffen in Steinalter, Bronzealter und Eisenalter abgeteilt.
182 Es scheint paradox, z.B. den Fisch, der noch nicht gefangen ist, ein Produktionsmittel für den Fischfang zu nennen. Bisher ist aber noch nicht die Kunst erfunden, Fische in Gewässern zu fangen, in denen sie sich nicht vorfinden.
183 Diese Bestimmung produktiver Arbeit, wie sie sich vom Standpunkt des einfachen Arbeitsprozesses ergibt, reicht keineswegs hin für den kapitalistischen Produktionsprozeß.
184 Storch unterscheidet das eigentliche Rohmaterial als »matière« von den Hilfsstoffen als »matériaux«; Cherbuliez bezeichnet die Hilfsstoffe als »matières instrumentales«.
185 Aus diesem höchst logischen Grund entdeckt wohl Oberst Torrens in dem Stein des Wilden – den Ursprung des Kapitals. »In dem ersten Stein, den der Wilde auf die Bestie wirft, die er verfolgt, in dem ersten Stock, den er ergreift, um die Frucht niederzuziehn, die er nicht mit den Händen fassen kann, sehn wir die Aneignung eines Artikels zum Zweck der Erwerbung eines andren und entdecken so – den Ursprung des Kapitals.« (R. Torrens, »An Essay on the Production of Wealth etc.«, p.70, 71.) Aus jenem er sten Stock ist wahrscheinlich auch zu erklären, warum stock im Englischen synonym mit Kapital ist.
186 »Die Produkte sind appropriiert, bevor sie in Kapital verwandelt werden; diese Verwandlung entzieht sie nicht jener Appropriation.« (Cherbuliez, »Richesse ou Pauvreté«, édit. Paris 1841, p. 54.) »Indem der Proletarier seine Arbeit gegen ein bestimmtes Quantum Lebensmittel (approvisionnement) verkauft, verzichtet er vollständig auf jeden Anteil am Produkt. Die Appropriation der Produkte bleibt dieselbe wie vorher; sie ist in keiner Weise durch die erwähnte Konvention verändert. Das Produkt gehört ausschließlich dem Kapitalisten, der die Rohstoffe und das Approvisionnement geliefert hat. Es ist dies eine strenge Konsequenz des Gesetzes der Appropriation, dessen Fundamentalprinzip umgekehrt das ausschließliche Eigentumsrecht jedes Arbeiters an seinem Produkte war.« (ibid., p. 58.) James Mill, »Elements of Pol. Econ. etc.«, p.70, 71: »Wenn die Arbeiter für Arbeitslohn arbeiten, ist der Kapitalist Eigentümer nicht nur des Kapitals« (meint hier die Produktionsmittel), »sondern auch der Arbeit (of the labour also). Wenn man das, was für Arbeitslohn gezahlt wird, wie dies gebräuchlich, in den Begriff Kapital einschließt, ist es abgeschmackt, von der Arbeit getrennt vom Kapital zu sprechen. Das Wort Kapital in diesem Sinn schließt beides ein, Kapital und Arbeit.«
187 »Nicht nur die auf Waren unmittelbar angewandte Arbeit beeinflußt ihren Wert, sondern auch die Arbeit, die auf Geräte, Werkzeuge und Gebäude verwendet worden ist, welche die unmittelbar verausgabte Arbeit unterstützen.« (Ricardo, l.c. p. 16.)
188 Die Zahlen hier sind ganz willkürlich.