B. Urteilskraft

§ [20/52]

Die Beziehungen des Seins können ontologische Urteile genannt werden und sind entweder identisch oder synthetisch.

§ [21/53]

In der identischen Beziehung, A = A, sind die beiden aufeinander Bezogenen ein und dasselbe.21) - Der ontologische Satz der Identität ist: Jedes Ding ist in Einheit mit sich selbst, oder als Satz des Widerspruchs ausgedrückt: Kein Ding kann zugleich sein und nicht sein.

§ [22/54]

In dem synthetischen Urteile ist Etwas auf eine andere Bestimmung bezogen, als es unmittelbar enthält; da dies Urteil aber eine Beziehung ist, so ist es zum Teil identisch, zum Teil aber auch nicht.

§ [23/55]

Die Beziehung auf anderes ist a) die der Verschiedenheit überhaupt; und allgemein als Satz ausgesprochen: Es gibt nicht zwei Dinge, die einander vollkommen gleich sind; denn sonst wären sie dieselben22) ; - sinnliche Verschiedenheit, sinnliches Dasein.

§ [24/56]

b) Die Beziehung der Entgegensetzung; in dieser ist die eine Bestimmung die positive und die andere die negative derselben; als ontologischer Satz ausgesprochen: Jedem Ding kommt von entgegengesetzten Prädikaten das eine zu, A ist entweder B oder -B; es gibt kein Drittes.

§ [25/57]

Der Grund ist das einfache Dritte, welches die Verschiedenheit und Entgegensetzung des Daseienden in sich schließt. Der Satz des Grundes heißt: Alles hat einen zureichenden Grund.

macht weiß und schwarz - krumm und gerade; organisch und unorganisch - Sonne und Licht, Erde;
Das Daseiende ist d[ie] Äußerlichkeit entg[egengesetzter] Beziehungen, als verschiede[ne]r