[Göttingen]

A. Aufnahme, welche die durchaus praktische Philosophie in Göttingen gefunden hat

Wir machten uns oben, in der Anzeige der Rückert- und Weißischen Schriften131) , anheischig, eine Anzahl Philosophen namhaft zu machen, mit deren Philosophie es gerade ebenso beschaffen wäre wie mit der der beiden angeführten Verfasser. Nachdem obige Anzeige schon abgedruckt war, lesen wir eine Beurteilung dieser Philosophie, welche nicht zunächst auf den Verstand wirkt, in den Göttingischen gelehrten Anzeigen [6. 2. 1802], woraus wir folgende Stellen auszuheben uns nun veranlaßt sehen.

"Die Verfasser der Schriften, die wir hier anzeigen, scheinen noch ganz kürzlich dem idealistischen Dogmatismus des Herrn Fichte und seiner Mitstreiter angehangen und, als ihnen auf die Länge bei dieser Philosophie nicht wohl wurde, sich nach einer anderen umgesehen zu haben."

Nach welcher anderen als der, welche, schon früher in Göttingen aufgegangen, auch meinte, daß nach ihr den Philosophen nun nichts mehr übrig bliebe, als zur Heimat der Mutter Natur zurückzukehren.

"Herr R. zwar neigt sich noch mit einer Art von Heimweh zu den idealistischen Spekulationen. Herr Weiß dagegen lehrt entschiedenen Anti-Fichtianismus"; er ist daher auch der wahre Liebling dieses Rezensenten; in seiner Abhandlung sind recht viele vortreffliche Gedanken, die auch Rezensent gern unterschreibt. Rezensent kann dagegen um so weniger disputieren, da er ungefähr dieselben Resultate, besonders so, wie sie Herr W. ausdrückt, auf ganz anderen Wegen am Ende (jawohl am Ende; wenn etwas, das keinen Anfang hat, ein Ende haben könnte), seines Spekulierens gewonnen hat, 'die Einsicht als etwas Theoretisches ist in dem Menschen', (Rezensent bringt hier die Verbesserung bei: in der Vernunft), 'gar nicht das Höchste usw., die Richtung unseres Geistes ist praktisch, selbst die Wissenschaft, wenn sie in Ehren bleiben soll usw., - durch die Ich-Wissenschaftslehre wird das Heiligste und Beste verdreht, die wahre Tätigkeit ist ein Bestreben aus sich heraus'.

Was es mit dem Bestreben aus sich heraus dieses Rezensenten für eine Bewandtnis habe, werden wir vielleicht bei anderer Gelegenheit kennenlernen. Es verdient aber doch, da dieser Rezensent insbesondere von Fichte in dem ungescheutesten Tone einer aufs höchste erbitterten Arroganz spricht (z. B. "Rezensent hat die (obigen) Stellen um so lieber abgeschrieben, da er in ihnen besonders den guten Geist der Verfasser erkennt, der denn aber, wenn nach Herrn Rückert der gute Geist dem Herrn Fichte eigentümlich einwohnt, notwendig ein böser Geist heißen muß" usf.) - es verdient, sage ich, in dieser Rücksicht bemerkt zu werden, daß dieser Rezensent, der eine solche Sprache führt, gleichwohl ohne die Wissenschaftslehre noch vielleicht bis diesen Augenblick bei Kants Kritik stehen, sie kommentieren und das kritische Stroh mit seinen verwelkten ästhetischen und Schöngeisterischen Blümchen aufzuschmücken suchen würde und daß eben dieser Idealismus, der das Beste verdreht, und dieser Dogmatismus es ist, der dem vermeinten Skeptizismus dieses Rezensenten - man kann nicht sagen: auf die Beine geholfen hat, da er in jeder Rücksicht lahm ist, aber doch wenigstens so viel Herz gegeben hat, auch die Kantische Krücke wegzuwerfen und sich ganz paralytisch zu bekennen, welches denn doch, wie wir denken, kein geringer Dienst ist, da es immer besser ist, die absolute Negativität zu gestehen, als sie auf eine schlechte Weise zu verbergen.