I. Kurze wissenschaftliche Darlegung der Unhaltbarkeit [und Grundlosigkeit] sowohl des transzend[ental-] ideal[istischen] Systems von Fichte, als auch des Systems der eitlen Genußlehre [seiner Gegenfüßler] und des kritischen Systems von J. Fr. C. Werneburg, 1800. S. 27. 8.
II. Versuchte, kurze, faßliche Vorschilderung der Allwissenschaftslehre oder alleinigen sogenannten Philosophie und faßlichere Darstellung der Grundlosigkeit beider extrematischen Systeme des Idealismus und des Dogmatismus usw. von J. Fr. C. Werneburg. Verlagshandlung für die neueste Literatur 1060 (1800). S. 70. 8.
Der zweiten Schrift ist außer dem hier abgekürzten Titel noch zum Überflusse ein anderer, weitläufigerer beigegeben, und die angegebenen Seitenzahlen sind auch nach dem Taunsystem91) zu verstehen. - Eben diese triste Subjektivität spricht in dem Inhalt der beiden Broschüren, die zu keiner objektiven Darstellung, sowenig als zu wissenschafflichen Ansichten gelangt, sondern sich in allgemeinen Deklamationen eines und ebendesselben Inhalts und tief sein sollenden Andeutungen und in einer keinen Faden findenden Verworrenheit herumtreibt, die zugleich sehr große Prätentionen macht. In der Vorrede von Nr. I sagt der Verfasser, daß: die mehresten der geteilten philosophischen Parteien hoffen insgesamt auf einen Mann, der nicht bloß gründliche Philosophie besitze, sondern auch philosophische Mathematik damit vereinige - und als Schiedsrichter auftrete; er (W.) erkühne sich jetzt, beiden Teilen nach seinen Kräften unparteiisch ihre Irrtümer zu zeigen; er fühle dabei mehr als zu sehr die Wichtigkeit und Last eines solchen eigenmächtigerweise übernommenen Amtes, und bloß die Hoffnung, daß usw.
In I. nimmt der Verfasser, indem er die Grundlosigkeit des Fichteschen Systems beweisen will, auf die Wissenschaffslehre und dabei auf seinen (W.s) Freund, Heusinger, der ihn (W.) mit seiner Schrift gegen Fichte92) sehr geschmerzt hat, in II. auf die Darstellung der Wissenschaftslehre im Philosophischen Journal93) Rücksicht. Wir geben das Hauptprinzip des Verfassers S. 19 in seinen eigenen Worten und damit zugleich eine Probe von seinem Stil und Manier: "Der Philosoph kann und soll beziehungsweise rücksichtlich (jedoch schlechterdings nicht absolut, unbedingt) abstrahieren, d. i. abstehen und absehen von etwas; das heißt, er soll das in der Vernehmung und Erfahrung, im Bewußtsein Urvereinte durch Freiheit und Notwendigkeit des Vernehmens und Denkens urteilen, trennen. Und er kann und soll hinwiederum nach und während der Abstraktion (Abstehung und Absehung) auf das Urgeteilte durch Freiheit und Notwendigkeit des Vernehmens urvereinen, verbünden. In der Vernehmung und Erfahrung sind das Ding (das Du), das Urnotwendige, dasjenige, welches unabhängig von unserer Freiheit bestimmt sein soll und ist, und wonach unsere Erkenntnis sich richten soll, und die Intelligenz, der Geist (das Ich), das Urfreie, dasjenige, welches erkennen soll, unzertrennlich verbunden, d. i. diese beiden Urteile, Urgeteilten sind in ein Ganzes nicht bloß vereint, sondern urvereint." Das Verfahren, das wähnt, von dem Du, ist Idealismus, - das wähnt, von dem Ich gänzlich abstrahiert zu haben, Dogmatismus; das Verfahren, welches keine solche Verletzung an dem Heiligtume, dem Urvereinten, begehe, sei Naturalismus; das Urvereinte nennt der Verfasser Ich-Du. - Außer der obigen Stelle, worin der Hauptgedanke des Verfassers ausgedrückt ist, ist das übrige der beiden Schriften ein eintöniges, hypochondrisches, apostrophierendes Entgegensetzen des Idealismus und Dogmatismus, wiederkehrendes Deklamieren usw., worüber weiter nichts gesagt werden kann und in welchem Rezensent nur noch auf eine lichte Stelle S. 41 gefallen ist: "Seine wahre Würde findet und erkennt der Mensch als Vernunftwesen nun erst, indem er sich gleichsam für den Spiegel anerkennt, in welchem sich das Unendliche erst erkennt und erkennen kann ... Er ist das Organ, wodurch die unendliche Synthesis sich ihrer erst selbst bewußt wird und sich selbst anschaut." - Der Grundidee des Verfassers kann nicht abgesprochen werden, daß in ihr die Idee der Philosophie ausgedrückt sein könnte; aber ob dies wahrhaft so ist, ist nur erkennbar, so wie sie mir Wert und Verdienst hat, wenn sie wissenschaftlich gemacht ist.