Die ungezügelte Einbildungskraft der Weiber des Mittelalters hat in Gräßlichkeiten der Hexerei, in der Sucht, an anderen kleinen Neid und Rache auszuüben, herumgetobt und hat sie auf den Scheiterhaufen gebracht. Den griechischen Weibern war in den bakchischen Festen ein erlaubter Spielraum, sich auszuwüten, gegeben. Auf die Erschöpfung des Körpers und der Einbildungskraft folgte ein ruhiges Zurücktreten in den Kreis gewöhnlicher Empfindung und hergebrachten Lebens. Die wilde Mänas war die übrige Zeit ein vernünftiges Weib. Dort Hexen, hier Mänaden, dort der Gegenstand der Phantasie teuflische Fratzen, hier ein schöner, weinbelaubter Gott; dort damit vergesellschaftet Befriedigung von Neid, Rachgier, Haß, hier nichts als zweckloses, oft bis zur tobenden Raserei gehendes Vergnügen; dort Fortschritt von einzelnen Wahnsinnsanfällen bis zu gänzlicher und bleibender Zerrüttung des Geistes, hier Rücktritt ins gewöhnliche Leben; dort betrachtete das Zeitalter diese verstellte Raserei nicht als eine Krankheit, sondern als den gotteslästerlichsten Frevel, der nur mit Scheiterhaufen gebüßt werden konnte, hier war dies Bedürfnis mancher weiblichen Phantasien und Temperamente etwas Heiliges, dessen Ausbrüchen Feste gegeben, [die] vom Staat sanktioniert und dadurch in die Möglichkeit gebracht wurden, unschädlich zu werden.