8.

In der Reihe der Offenbarungen Gottes oder in der aufeinanderfolgenden Abstammung und Erzeugung seiner Gestalten gingen die Offenbarungen desselben als Sonne, Gestirne, Meer, Luft, Liebe seiner Offenbarung als Mensch vorher. Die letztere Gestalt war in der Stufenfolge seiner Erzeugungen notwendig. Die Natur wurde durch die Einrichtung des römischen Staats, welche fast der ganzen bekannten Erde die Freiheit nahm, einem dem Menschen fremden Gesetz unterworfen und der Zusammenhang mit ihr zerrissen. Ihr Leben wurde zu Steinen und Hölzern; die Götter wurden zu erschaffenen und dienenden Wesen. Wo Gewalt sich regte, Wohltat sich offenbarte, Größe herrschte, war des Menschen Herz und Charakter. Den Athenern wurde Theseus erst nach seinem Tode zum Heros. Dem Demetrios und Antigonos opferten sie erst als vergangenen. Die römischen Cäsaren wurden deifiziert. Apollonius von Tyana tat Wunder. Das Große war nicht mehr übernatürlich, sondern widernatürlich, denn die Natur war nicht mehr göttlich, also nicht mehr schön und nicht mehr frei. In dieser Trennung der Natur und des Göttlichen wurde ein Mensch der Verbinder beider, also der Versöhner und Erlöser. - Das Volk der Juden aber ist in der Verruchtheit des Hasses zur Hölle gefahren. Was späterhin von ihm noch auf der Erde fortgewankt hat, ist zum Zeichen geblieben. Wie die neueren Völker alle Formen von Menschheit, die edlen freilich nur in Leiden, unter sich haben müssen, so steht auch dies Volk noch unter ihnen als Ideal der verworfensten. In Homers Welt schließt sich die Mannigfaltigkeit nach unten mit Thersites, der nur eine unnütze Zunge hat. Doch nachdem er geschlagen ist, fällt ihm eine Träne vom Auge. Voll Furcht und schweigend setzt er sich und wischt die Zähre ab. Seine Furcht und sein Schweigen erkennt mächtigere Menschenwesen an. Diese Empfänglichkeit wenigstens fürs Bessere mußte dem schlechtesten der homerischen Menschen bleiben. Aber in einer neueren Menschenwelt sieht man neben Amaliens himmlischer reiner Seele Schufterle Kinder am Feuer braten, und als der Hauptmann, seines Schicksals sich jetzt bewußt werdend, den Räubern mit einer fürchterlichen Musterung droht, meinen sie, er sei heut übler Laune. In einem solchen Durcheinander verschiedener Geschlechter, die zusammen von dem Systematiker Mensch geheißen werden, hat der Jude seinen Platz. Ein Mann unter den Juden hat gutmütig Gott sagen lassen: wer meine Gebote nicht achtet, den werde ich strafen bis ins dritte und vierte Glied. Aber die Furien ihrer Religion peitschen sie bereits in ihr hundertstes. Sie glauben sich aber vielleicht nicht gestraft, wenn sie der Christ die Treppe hinunterwirft, weil sie Juden sind, wenn sie um den Gewinn von ein paar Kreuzern sich stundenlang haben niederträchtig behandeln lassen und auch die dritte Stunde beginnen zu schwatzen, - und wenn sie des anderen Tags wiederkommen.