Das andere Extrem von dem, von einem Objekte abzuhängen, ist das, die Objekte [zu] fürchten, die Flucht vor ihnen, die Furcht vor Vereinigung, die höchste Subjektivität.
Objektiv
1. das Wirkliche im Raum,
2. innere Bestimmungen objektiv mit dem Bewußtsein, daß sie innere Bestimmungen sind,
3. innere Bestimmungen ohne Bewußtsein, daß sie innere Bestimmungen sind.
Religion ist freie Verehrung der Gottheit. Bloß subjektive Religion ohne Einbildungskraft ist Rechtschaffenheit.
Begreifen ist beherrschen. Die Objekte beleben ist, sie zu Göttern machen.
Einen Bach betrachten, wie er nach Gesetzen der Schwere in die tieferen Gegenden fallen muß und von dem Boden und den Ufern eingeschränkt und gedrückt wird, heißt ihn begreifen, ihm eine Seele geben, als an seinesgleichen Anteil an ihm nehmen, - heißt ihn zum Gotte machen. Doch weil ein Bach, ein Baum zugleich auch ein Objekt, der bloßen Notwendigkeit unterworfen sein kann, so wie vergötterte Menschen auch unterschieden werden von dem Zustande, da sie bloße Menschen waren, so sind es bloße Halbgötter, nicht die Ewigen, Notwendigen. Wo Subjekt und Objekt oder Freiheit und Natur so vereinigt gedacht wird, daß Natur Freiheit ist, daß Subjekt und Objekt nicht zu trennen sind, da ist Göttliches - ein solches Ideal ist das Objekt jeder Religion. Eine Gottheit ist Subjekt und Objekt zugleich, man [kann] nicht von ihr sagen, daß sie Subjekt sei im Gegensatz gegen Objekte oder daß sie Objekte habe.
Die theoretischen Synthesen werden ganz objektiv, dem Subjekt ganz entgegengesetzt. Die praktische Tätigkeit vernichtet das Objekt und ist ganz subjektiv - nur in der Liebe allein ist man eins mit dem Objekt, es beherrscht nicht und wird nicht beherrscht. Diese Liebe, von der Einbildungskraft zum Wesen gemacht, ist die Gottheit; der getrennte Mensch hat dann Ehrfurcht, Achtung vor ihr, - der in sich einige [Mensch hat] Liebe; jenem gibt sein böses Gewissen, das Bewußtsein der Zerteilung, Furcht vor ihr.
Jene Vereinigung kann man Vereinigung des Subjekts und Objekts, der Freiheit und Natur, des Wirklichen und Möglichen nennen. Wenn das Subjekt die Form des Subjekts, das Objekt die Form des Objekts behält, die Natur immer noch Natur, so ist keine Vereinigung getroffen. Das Subjekt, das freie Wesen, ist das Übermächtige, und das Objekt, die Natur, das Beherrschte.
In alten Zeiten wandelten die Götter unter den Menschen; je mehr die Trennung zunahm, die Entfernung, desto mehr lösten sich auch die Götter von den Menschen ab, sie gewannen dafür an Opfern, Weihrauch und Dienst, - wurden mehr gefürchtet, bis die Trennung so weit vor sich ging, daß die Vereinigung nur durch Gewalt geschehen kann. Liebe kann nur stattfinden gegen das Gleiche, gegen den Spiegel, gegen das Echo unseres Wesens.