Gleichheit

In Ansehung der Gleichheit unter den ersten Christen, da der Sklave der Bruder seines Herrn wurde, da Demut, sich über niemand zu erheben, die Menschen nicht nach Ehren und Würden, nicht nach Talenten und anderen glänzenden Eigenschaften, sondern nach der Stärke ihres Glaubens zu schätzen, das Gefühl seiner eigenen Unwürdigkeit das erste Gesetz eines Christen wurde, - diese Theorie ist allerdings in ihrem ganzen Umfange beibehalten worden, aber klüglich wird beigefügt, daß es so in den Augen des Himmels sei, und es wird daher in diesem Erdenleben weiter keine Notiz davon genommen; und der Einfältige, der diese Grundsätze der Demut und der die Verabscheuung alles Stolzes und aller Eitelkeit mit rührender Beredsamkeit von seinem Bischofe oder Superintendenten vortragen hört und die Miene der Erbauung mitansieht, womit die vornehmen Herren und Damen dies in der Gemeine mitanhören, der Einfältige, der jetzt nach der Predigt seinen Prälaten samt den vornehmen Herren und Damen vertraulich anginge und in ihnen demütige Brüder und Freunde zu finden hoffte, würde in ihrer lächelnden oder verächtlichen Miene bald lesen können, daß dies nicht so dem Worte [nach] zu nehmen sei, daß davon erst im Himmel eigentlich die Anwendung werde zu finden sein; und wenn vornehme christliche Prälaten noch heutigentags einer Anzahl Armen jährlich die Füße waschen, so ist das nicht viel mehr als eine Komödie, nach welcher alles beim Alten belassen wird, und die auch dadurch an Bedeutung verloren hat, daß das Fußwaschen nach unseren Sitten nicht mehr wie den Juden eine tägliche Handlung und eine Höflichkeit gegen Gäste war, die gewöhnlich nur die Sklaven oder die Bedienten verrichteten, - dahingegen das jährliche Pflügen des chinesischen Kaisers, sosehr es zu einer Komödie herabgesunken ist, doch dadurch noch mehr und eine unmittelbarere Bedeutung für jeden Zuschauer behalten hat, daß den Acker zu pflügen immer eine Hauptbeschäftigung des größten Teils seiner Untertanen ist.