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16) Man lehrt unsere Kinder Tischgebete, Morgen- und Abendsegen -

Unsere Tradition - Volksgesänge usw. Es ist kein Harmodios, kein Aristogeiton, die ewiger Ruhm begleitete, da sie den Tyrannen schlugen und gleiche Rechte und Gesetze gaben ihren Bürgern, die in dem Munde unseres Volks, in seinen Gesängen lebten.

Was sind die Geschichtskenntnisse unseres Volks? [Eine] eigentümliche, vaterländische Tradition fehlt ihm, das Gedächtnis, die Phantasie ist mit der Urgeschichte der Menschheit, mit der Geschichte eines fremden Volks, den Taten und Untaten ihrer Könige angefüllt, die uns nichts angehen - und der Witz übt sich so gut an ihren Lächerlichkeiten als der Witz eines Aristophanes an seinen Göttern.

Nicht zu leugnen sind die verkehrten und unmoralischen Begriffe der Juden von dem Zorn, der Parteilichkeit, dem Hasse gegen andere Völker, der Intoleranz ihres Jehova, - Begriffe, die leider in die Praxis und Theorie der christlichen Religion übergegangen sind und zuviel Schaden angerichtet haben, als daß man nicht wünschen sollte, daß sie in einer menschenfreundlicheren Religion ihren Ursprung gehabt oder weniger von ihr angenommen hätte. Und wir haben es nicht ihren Priestern, sondern der Philosophie, von welchen [sc. den Priestern] sie deswegen gehaßt wurde, und dem milderen Licht unserer Zeiten zu danken, daß ihre düstere Zanksucht, ihre Intoleranz und ihr Eigendünkel abgenommen hat. Indem die Champions der Orthodoxie sie gegen die Riesen, von denen sie angegriffen wurde, verteidigten, nahmen sie allmählich selbst von ihren Begriffen an, und der einzige Ausweg, die Hauptfestung zu retten, war, die unhaltbaren Außenwerke aufzugeben und, um doch nichts dem Ruhm zu vergeben, hintennach zu sagen, man habe diese zu verteidigen nicht im Sinne gehabt, wie der General, der am Abend das Schlachtfeld noch innegehabt und die blasenden Postillone seinen Sieg in der Hauptstadt verkündigen ließ, zwar dem Pöbel dabei imponiert, der es glaubt und Te deum anstimmt, dabei doch oft nicht der eigentliche Sieger ist, sondern durch die folgende Räumung der Gegend sich verrät; so hat auch die Theologie nicht Wort gehabt, sondern der Unterschied ihrer Kompendien nach 10-20 Jahren.

Willst du aber vollkommen sein, so verkaufe, was du hast, und gib deine Habe den Armen, sagte Christus zu dem Jüngling. Dieses Bild der Vollkommenheit, das Christus aufstellt, trägt in sich selber den Beweis, wie sehr Christus bei seinem Unterricht nur die Bildung und Vollkommenheit des einzelnen Menschen vor Augen hatte und wie wenig es sich auf eine Gesellschaft im Großen ausdehnen läßt.

Die Gegner des Christentums haben die Verdorbenheit der Christen, besonders der Geistlichkeit als Beweis gegen ihre Wahrheit und Wohltätigkeit sehr beißend und zum Teil bitter ausgeführt; die Verteidiger desselben geben dies für den schwächsten, obzwar glänzenden Angriff aus, - doch wenn sie so wirkend [ist], sollte sich doch ihr Hauptwesen nicht verkennen lassen; moralische Besserung [findet sich] am wenigsten bei denen, deren Geschäft es ist, sie von Jugend auf immer zu überlegen. Ihre Ausrede ist immer, die christliche Religion sei verkannt worden, doch hatten sie die Bibel so gut als wir; sie geben zu verstehen, es habe nur an ihrem Kompendium gefehlt, wenn das herausgewesen wäre, so wäre alles anders gegangen. Hat sie sich dem Despotismus widersetzt? - wie lang ist es denn, daß sie sich dem Sklavenhandel widersetzt? es gehen ihre Priester mit den Schiffen nach Guinea, - oder dem Menschenhandel? man schickt Feldprediger mit, - den Kriegen? dem Despotismus aller Art? Die Künste, die Aufklärung haben unsere Moral gebessert, hintennach sagt man, die christliche Religion habe dies getan, ohne sie hätte die Philosophie ihre Grundsätze nicht gefunden.

Wenn die Vernunft das Gebäude von Begriffen, das sie aus dem Geiste des Menschen und der Erfahrung von Jahrhunderten geschöpft hat, mit Selbstgefälligkeit und Freude an ihrem Werke aufstellt und gegen die, die das Privilegium dieser Wahrheiten zu haben vermeinen, großtut und sich selbst genugsam zeigt, daß sie ihrer Quelle entbehren kann, so ist jener Vorgeben, als ob sie das Bauzeug doch hergegeben hätten und schon längst vor jenen Entdeckungen ebensoviel, ja noch mehr gewußt und noch jetzt wissen, ebenso eitel, als wenn sich ein Landjunker gegen Newton gerühmt hätte, er habe schon in seinem fünften Jahr Äpfel von den Bäumen fallen gesehen und schon damals gewußt, daß die Sonne nicht auf die Erde falle. Wo hat man vor einer glücklichen Veränderung in dem Gange der wissenschaftlichen Kultur eine Veränderung in den Religionsbegriffen vorhergehen gesehen, von welcher jene bewirkt worden wäre? Hat nicht vielmehr Erweiterung der Wissenschaften, der Prüfungsgeist in denselben Aufklärung der theologischen Begriffe immer erst nach sich gezogen, und zwar unter der möglichsten Entgegenstimmung der Verwahrer dieser Begriffe?